Discografie über Panikrocker: Lindenberg-Fan aus Thomasberg veröffentlicht "Udographie"

Discografie über Panikrocker : Lindenberg-Fan aus Thomasberg veröffentlicht "Udographie"

Stephan Kurenbach ist einer der größten Fans von Panikrocker Udo Lindenberg. Sein neuestes Projekt ist eine Sammler-Discografie, bestehend aus 14 Teilen. Der erste Teil ist vor zwei Wochen erschienen und fast vergriffen.

„Kuris Panik-Museum“ in Thomasberg war gestern. Stattdessen gibt es die „Udographie“. Stephan Kurenbach, den man wohl mit Fug und Recht als einen der größten Fans des Panikrockers Udo Lindenberg bezeichnen kann, hat ein neues Projekt. Der 39-Jährige hatte eine Zeit lang seine private Sammlung mit mehr als 600 Exponaten in seinem Haus in Thomasberg der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. „Da ist jetzt eine Einliegerwohnung.“ Kurenbachs Lebensgefährtin, die alles andere als Fan des Panikrockers ist, hatte bei der Geburt ihres dritten Kindes darauf bestanden, dass Udo Lindenberg sofort das Haus verlassen muss.

Stattdessen gibt er nun eine Sammler-Discografie in 14 Teilen heraus. Der erste Teil, der 28 Seiten umfasst und die Jahre 1965 bis 1970 abbildet, ist vor zwei Wochen in einer Auflage von 2500 Exemplaren erschienen und laut Kurenbach schon fast vergriffen. Als Vertriebsweg hat er Amazon und Ebay gewählt. Der zweite Teil mit den Jahren 1971 bis 1975 ist auch schon fertig, muss aber noch gedruckt werden. Der dritte Teil ist in Arbeit. Bis Ende des Jahres soll die Sammlung komplett sein.

Von der Discografie zum Buch

„Ich hatte die Idee, Udos Leben anhand einer Discografie zu recherchieren. Am Ende soll das Ganze als Buch herausgegeben werden“, sagt Kurenbach. Der Textanteil, der im ersten Heft noch eher gering ist, soll bei den späteren Jahren steigen. Kurenbach, der als Pädagoge an einem privaten Internat in Bad Godesberg arbeitet und Vorsitzender der Handballer des TV Eiche Bad Honnef ist, hörte als Zehnjähriger schon Rockmusik. Nach und nach lernte er Lindenbergs Frühwerk kennen und lieben. Im Laufe von mehr als 20 Jahren hat er ein kleines Vermögen ausgegeben. „Wenn es knapp war mit der Kasse, habe ich auch schon mal was verkauft. Aber nicht die seltenen Stücke“, sagt er.

Für die LPs der Bands Emergency von 1971 und Niagara von 1972, bei denen Lindenberg noch am Schlagzeug saß, würden heute bis zu 500 Euro gezahlt. Wer weiß schon, dass Lindenberg bei der Tatort-Titelmusik von Klaus Doldinger am Schlagzeug saß, ebenso wie bei der Melodie der Sesamstraße. Es gebe auch Platten, die für 2000 Euro den Besitzer wechselten. Stephan Kurenbach selbst gab 1100 Euro für die Promo-Box der Scheibe „Odyssee“ aus dem Jahr 1983 aus.

Besonders der sogenannte Krautrock-Bereich sei extrem gesucht. In Deutschland gebe es eine Community von ungefähr 400 Lindenberg-Sammlern, unter ihnen seien rund 20 Extremsammler wie er selbst. Vernetzt seien sie alle bei Facebook. Der Community stelle er die Discografie auch vor der Veröffentlichung zur Verfügung. „Das mache ich schon zur Absicherung. Es ist mir wichtig, dass es keine Ausrutscher gibt.“ Besonderen Wert legt er auf die Angabe der Werte, für die die Scheiben heute gehandelt werden.

Bandanfragen für ähnliche Projekte

Dass ihm Grafiker gesagt haben, seine Discografie sei eine optische Katastrophe, ficht ihn nicht an. „Ich bin damit zufrieden.“ Der Zweck werde erfüllt, der reißende Absatz gebe ihm ja recht. Das habe er natürlich vor allem Lindenbergs Popularität zu verdanken. „Bei Grönemeyer oder Westernhagen gibt es nicht die Masse an Sammlern wie bei Udo“, berichtet er. Der Preis liegt bei drei Euro plus Porto, von denen knapp ein Euro beim Autor hängenbleibt. „Ich will nichts damit verdienen“, stellt er klar. Auch sein Steuerberater habe ihm gesagt, das sei Liebhaberei, bringe aber gar nichts.

Was nicht ist, kann aber vielleicht später noch werden. Immerhin sind bereits andere Bands, darunter BAP, an ihn herangetreten mit der Frage, ob er für sie nicht vielleicht Ähnliches machen könne. „Mal schauen. Jetzt stelle ich erst mal die Udographie fertig“, sagt er. Udo selbst kennt der Thomasberger seit 17 oder 18 Jahren über einen gemeinsamen Freund auch privat. „Er ist einfach ein netter Typ“, sagt er über ihn. Sonst würde er den ganzen Aufwand auch sicher nicht betreiben.

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