17. Kulturtage: Königswinter und Bad Honnef werden zur großen Kunstmeile

17. Kulturtage : Königswinter und Bad Honnef werden zur großen Kunstmeile

Die 17. Ausgabe der Königswinterer Kunsttage haben an zwei Dutzend Orten in Königswinter und Bad Honnef unter dem Motto „Klein&fein“ stattgefunden. Beide Städte verwandelten sich in eine einzige große Kunstmeile.

Kleines und Feines, das gab es – ganz im Sinne des diesjährigen Mottos – bei der 17. Ausgabe der Königswinterer Kunsttage geradezu im Überfluss. An insgesamt über zwei Dutzend Kunststätten – darunter Galerien, Ateliers und improvisierten Ausstellungsräumen – verwandelten sich Königswinter und Bad Honnef in eine einzige große Kunstmeile. Ausstellungen, Workshops, sogar Konzerte – überall Kunstwerke, die ganze Stadt eine Galerie! Wer alles mitnehmen wollte, musste sich auf einen mehrstündigen Marathon gefasst machen.

Auf jeden Fall einen Blick wert: das mit Abstand Kleinste und Feinste, was das Programm zu bieten hatte. Diesen Rekord hatte Valerie Sandmann in der Tasche: Stilecht auf eine Mini-Staffelei montiert, zierte ihr „Wasserdrache“ in Hemdtaschengröße eine Fensterbank in den Räumen der Königswinterer Tafel. Ein feines Drachen-Motiv, das Markenzeichen der Künstlerin, in Öl auf eine gerade vier mal sechs Zentimeter große Leinwand gebannt.

Neben zahlreichen farbenfrohen Gemälden, Fotografien und Collagen schlug die Ausstellung der Gemeinschaft Königswinterer Künstler (GKK) in den Tafel-Räumen jedoch auch kritische Töne an: Eine Tonfigur kauerte auf einem zugemüllten Globus, erdrückt von Plastiktüten, Konserven und Milchkartons. Ein nicht enden wollender Müllberg, darunter der mahnende Schriftzug: „Warum tun wir uns das an?“ Kreiert von Manfred Hohmann, sollte die Installation auf die Gefahren der Umweltverschmutzung für Mensch und Tier gleichermaßen hinweisen.

Arbeiten aus Naturstein

Ein paar Straßen weiter, im Kunstraum Königswinter, ging Grafisches und Plastisches erneut Hand in Hand: Kurt Volkert zeigte autobiografische Porträts von Freunden, Familie und Fremden, während Burgi Zöller-Rosendahl sich japanischen Tuschezeichnungen widmete. Derweil kontrastierten die augenzwinkernden Treibholz-Installationen von Heinz Zöller die massiven Werke von Steinbildhauer Markus Sander, darunter Raben aus Diorit und eine Ikarus-Figur aus Dolomit. „Viele der Arbeiten sind aus Naturstein entstanden“, so Sander. „Ich finde die Steine und sehe eine Form darin, die ich dann herausarbeite.“

Im Kunsthaus 1717 hatte ein Rohrbruch dem Fotografen Tony Child einen Strich durch die Rechnung gemacht, er musste improvisieren: Dennoch zogen unter dem Titel „Colours“ märchenhafte Aufnahmen in den Bann, darunter die nebelverhangene Drachenburgruine bei Sonnenaufgang und die Drachenfelsbahn in beinahe mystischem Gegenlicht. Eine Ode an die Farbenpracht des Lebens bot auch Juliane Etelka Hunecke im Haus Bachem; von den offenen Ateliers im Kunstforum Palastweiher ganz zu schweigen. Wann lassen sich sonst schon so viele Künstler gleichzeitig über die Schulter schauen?

Programm in Bad Honnef

Während die Kunstliebhaber also im Schatten des Drachenfels' von einem Programmpunkt zum nächsten schlenderten – und dabei stets voller Faszination an der Klang-Kugelbahn des Kinetikers Willi Reiche hängen blieben, die auf dem Parkplatz des Kunstforums zur Interaktion lockte –, lud drüben in Bad Honnef die Künstlerinitiative „Antiform“ zu drei Eröffnungen gleichzeitig. Tür an Tür wurde in der „Ladenzeile“ in der Bahnhofstraße eine ganze Reihe von neuen Projekten vorgestellt. Den Konzeptraum „Artist in residence“ bezieht ab sofort für eine Dauer von drei Monaten die Textil-Expertin Hanka Faerber. Ein Quilt, also eine mit allerlei symbolträchtigen Motiven geschmückte Zierdecke, soll hier als Hochzeitsgeschenk für Bekannte aus New Mexico entstehen, und zwar mit Siebdruck, Stencil-Spray-Art und Aquarelltechnik.

Eine Tür weiter zeigt Anibal Maximilian Kostka, frischgebackener Absolvent der Kunstakademie Düsseldorf, in seiner allerersten Einzelausstellung unter dem Titel „Plattenbau“ einige seiner Abschlussarbeiten. Ein weiteres außergewöhnliches Highlight: das Mail-Art-Projekt der Stuttgarter Künstlerin Heike Sackmann, das in den Schaufenstern des dritten Raums ausgestellt ist. Das Prinzip: Über mehrere Wochen hinweg arbeiteten mehrere Künstler abwechselnd an denselben Zeichnungen, schickten sie sich per Post zu. Herausgekommen sind teils skurrile, teils knallig-poppige Verflechtungen völlig verschiedener Stile – oder in den Worten Sackmanns: „Dialogzeichnungen“. Zu sehen sind diese beiden Ausstellungen noch bis Sonntag, 20. Mai.