Zu wenig Kita-Plätze: Königswinter plant Kindergarten in Thomasberg

Zu wenig Kita-Plätze : Königswinter plant Kindergarten in Thomasberg

In der Stadt fehlen rund 200 Betreuungsplätze in Kindertagesstätten. Daher soll am Limperichsberg eine Einrichtung gebaut werden - auch wenn das bedeutet, dass Eltern aus anderen Stadtteilen ihre Kinder dorthin bringen müssen.

Mit einem neuen Kindergarten in Thomasberg will die Stadt auf den Betreuungsengpass in Königswinter reagieren. Der Jugendhilfeausschuss hat sich auf Vorschlag der Verwaltung für einen dreigruppigen Kindergarten am Limperichsberg ausgesprochen. Bei Bedarf, so die Idee, könnte er um eine vierte Gruppe erweitert werden. Zudem soll die Stadt das Grundstück an einen Investor verkaufen und das Gebäude dann mieten, um so selbst einen Träger suchen zu können. Die endgültige Entscheidung trifft der Stadtrat.

„Wieso bauen wir eine Kita in Thomasberg, wenn der hauptsächliche Bedarf in der Altstadt und im Sozialraum Stieldorf besteht?“, fragte der Ausschussvorsitzende Stephan Unkelbach (CDU) gleich zu Beginn der Diskussion.

Er berief sich auf eine Vorlage der Verwaltung für den Unterausschuss. Demnach wohnen von 147 „unversorgten“ Kindern, denen die Stadt nicht den gewünschten Betreuungsplatz anbieten kann, allein 48 in der Altstadt und 33 in Stieldorf, aber nur acht in Thomasberg und Heisterbacherrott. Abzüglich der Kinder, die sich in Tagespflege oder in Bonner Kitas befinden, bleiben noch 88 übrig, davon 30 in der Altstadt, 24 in Stieldorf, aber keines in Thomasberg.

Fast alle Kitas sind überbelegt

„Wir haben außerdem in 27 von 28 Kitas eine Überbelegung mit bis zu sechs Kindern. Wir reden also über knapp 200 Kinder, die wir nicht versorgen können“, sagte Hans-Peter Giesen, Leiter des städtischen Geschäftsbereichs Schule, Sport, Jugend. Die große Nachfrage, die vor vier Jahren noch nicht absehbar gewesen sei, führt er auf starken Zuzug und die Flüchtlingswelle von 2015 zurück.

Gespräche mit den Trägern hätten dazu geführt, dass der CJD-Kindergarten in Rauschendorf um 20 Plätze, das Schneckenhaus im Wohnpark Nord zunächst um zehn, später um weitere zehn Plätze und die Elterninitiative Rappelkiste in Oberpleis um zehn Plätze erweitert werden. 30 Plätze würden im Remigiushaus in der Altstadt geschaffen.

Für den Kita-Standort Limperichsberg spricht laut Giesen, dass es in dem Neubaugebiet einen rechtskräftigen Bebauungsplan gibt, der einen Kindergarten vorsieht. Außerdem sei die Stadt Eigentümerin des Grundstücks. „Dadurch sind wir schnell handlungsfähig.“

Für die Eltern sei es das Wichtigste, einen Betreuungsplatz zu bekommen, selbst wenn sie ihre Kinder von Oelinghoven, Ittenbach oder Oberpleis dorthin bringen müssten. „Thomasberg ist der Ort, der am zentralsten im Stadtgebiet liegt. Das ist das beste Angebot, das wir in dieser schwierigen Lage machen können.“

Weder er noch Dezernentin Heike Jüngling glauben, dass sich durch die neue Kita ein reger Pendelverkehr zwischen der Altstadt und Thomasberg entwickeln wird, da im Remigiushaus und in der geplanten Hallenbad-Kita viele neue Plätze geschaffen würden.

Politiker sehen Notsituation

Die Politik war sich einig, dass der Standort keine Ideallösung ist, aber wohl unter den gegebenen Umständen die beste. „Kitas wollen wir eigentlich nicht zentralisieren. Als Notsituation ist das aber wohl nicht zu ändern“, sagte Björn Seelbach (SPD). Er hoffe, dass sich die Fahrerei für die Eltern im Laufe der Zeit erledigen werde.

Andreas Sauer (CDU) mahnte zur Eile. „Wir brauchen diese Kita“, sagte er. Deshalb könne sich seine Fraktion auch mit dem von der Stadt vorgeschlagenen Investorenmodell anfreunden. Allerdings wolle man selbst den Träger aussuchen.

Nur Klaus Bremer (SPD) sah den Neubau kritisch. Nach seiner Meinung würde die Paul-Moor-Schule in Oberpleis die gleichen Voraussetzungen wie das städtische Grundstück in Thomasberg erfüllen. Dort gebe es zurzeit nur fünf unversorgte Kinder über drei Jahre. Auch könne er sich nicht vorstellen, wie das Hanggrundstück am Domblick barrierefrei gestaltet werde.

Für Stephan Bergmann (Königswinterer Wählerinitiative) ist der Standort ebenfalls nicht ideal, dennoch hält er es für richtig, die Kita zu bauen. Bauchschmerzen bereitet ihm jedoch die mögliche Viergruppigkeit. „Bei einem späteren Überangebot würde eine Elterninitiative den Bach runtergehen“, befürchtet er. Sein Wunsch wurde erhört. Der Ausschuss empfahl dem Stadtrat, am Limperichsberg nur eine dreigruppige Einrichtung zu beschließen.