Rückblick auf reiche Geschichte: Kloster Heisterbach feiert Stiftungstag

Rückblick auf reiche Geschichte : Kloster Heisterbach feiert Stiftungstag

Zum Stiftungstag des ehemaligen Klosters Heisterbach ist ein Gottesdienst gefeiert worden, zudem wurde ein Festvortrag gehalten. Zur Ausstellung in der Zehntscheune kamen knapp 5000 Besucher.

Weihetag ist Stiftungstag im ehemaligen Kloster Heisterbach. Da, wo vor 782 Jahren die Abteikirche geweiht wurde, wurde zu diesem Anlass Eucharistie gefeiert, ein Festvortrag gehalten und eine Sitzung des Kuratoriums der Stiftung Abtei Heisterbach abgehalten.

"Guck, wo du hintrittst", riet eine Besucherin im herbstlichen Halbdunkel der anderen. Und die Worte, die sie beim Verlassen des Abteigeländes aussprach, mag so mancher von den Zusammenkünften dieses Tages am ehemaligen Kloster mitgenommen haben - auch im übertragenen Sinne: zu schauen, wo man steht, geht und hingeht. Zum Blick auf die Klosterruine riet etwa Hauptzelebrant Pfarrer Markus Hoitz in seiner Predigt bei der feierlichen Eucharistiefeier. Das Denkmal rege zum Nachdenken über Reformen in der Kirche an. Nicht zuletzt sei die Chorruine ein Beispiel für schnellen Niedergang: Einst glanzvoll seien bei ihrer Aufhebung sogar die Mönche froh gewesen, dass Schluss war. "Es gab keinen Aufstand", sagte der Pfarrer und stellte die Frage, ob das heute anders wäre, wenn ein bestimmtes System von Kirche zugrunde ginge.

Den Blick nicht nur auf den Boden des Abteigeländes, sondern auf den gesamten Rhein-Sieg-Kreis hatte Bernd Habel in den vergangenen Jahren gerichtet. Denn der promovierte Historiker und Ministerialrat a.D. aus Vinxel hat sich auf die Suche nach den "Grenzsteinen von Heisterbach" begeben und stellte die gleichnamige Publikation der Stiftung Abtei Heisterbach gemeinsam mit Projektleiter Gerhard Schade im Festvortrag zum Stiftungstag vor. "Das Thema beinhaltet einen Aspekt der Wirtschaftsgeschichte der Abtei, der bisher so noch nicht untersucht worden ist", sagte Habel. "Mit meinem Buch wollte ich daher eine kleine Forschungslücke füllen." 99 von geschätzt einst 250 bis 350 Grenzsteinen, von denen wohl keiner mehr an seinem ursprünglichen Standort steht, sind in dem Buch dokumentiert.

Von der Geschichte der Grenzsteine, der Bedeutung und Ausgestaltung sowie besonderen Funden berichtete Schade in einem reich bebilderten Vortrag. So sind acht mit "HB" und Hirtenstab versehene Grenzsteine als Treppenstufen in einem alten Oberdollendorfer Kelterhaus eingebaut.

Kleinbodendenkmäler wie die Grenzsteine von Heisterbach als einem der größten Grundbesitzer im einstigen Kurfürstentum Köln seien einem schleichenden Verlust insbesondere durch Baumaßnahmen oder Forst- und Agrararbeiten ausgesetzt, so Schade: "Es muss deshalb sehr deutlich eingefordert werden, dass die Denkmalschutzbehörden in NRW ihrer gesetzlichen Verpflichtung einer ausführlichen Erfassung und Dokumentation nachkommen." Meldungen weiterer Grenzsteine von Privatleuten sind willkommen (Infos unter www.abtei-heisterbach.de).

"Ich bin immer wieder fasziniert, was die Zisterzienser dieser Abtei geleistet haben, was wir entdecken, erforschen und nachvollziehen können", sagte Andreas Schulte-Beckhausen, der sein Amt als Kuratoriumsvorsitzender vor einem Jahr von Georg Kalckert, Pfarrer im Ruhestand und Initiator der Stiftung Abtei Heisterbach, übernommen hatte. Bei der Sitzung des Kuratoriums legte Pfarrer Hoitz als Geschäftsführer der Stiftung dar, was sich seither getan hat. Von Mitte Mai bis Oktober 2019 seien rund 4900 Besucher der Ausstellung in der Zehntscheune verzeichnet worden. Den Scheunendienst versahen 20 ehrenamtliche Mitarbeiter. Kalckert, Schade und Hoitz führten 32 Besichtigungen mit rund 655 Teilnehmern durch. Demgegenüber standen 59 Führungen im Vorjahr. "Der Rückgang der geführten Besichtigungen muss nicht auf ein nachlassendes Interesse an Heisterbach schließen lassen", hieß es in Hoitz' Bericht. Denn mit der Heisterbach-App, die seit 2017 100 mal heruntergeladen und 2018 erweitert wurde, lasse sich die Landschaft innerhalb und außerhalb der Klostermauern auch auf eigene Faust entdecken. Mit der Aufstellung einer von elf Stelen im Rhein-Sieg-Kreis im Juli vor der Zehntscheune ist das Klostergelände auch Teil des Beethoven Rundgangs "BTHVNstory" zum 250. Geburtstag des Komponisten im kommenden Jahr geworden.

Still stehe die im Vorjahr in Aussicht gestellte Beteiligung der Stiftung, der Stadt Königswinter und des Kreises am Projekt "Europäisches Kulturerbesiegel (EKS) für zisterziensische Klosterlandschaften in Mitteleuropa". Grund sind laut Hoitz die von Seiten des federführenden Landkreises Bamberg in einem Kooperationsvertrag verbindlich eingeforderten erheblichen Finanz- und Personalmittel, die die Beteiligten "so und unter dem Zeitdruck nicht zusichern konnten, obwohl die gestellten Förderanträge große Aussicht auf Bewilligung gehabt haben". Im November werde sich der für die "modellhafte Konzeptentwicklung Heisterbacher Tal" gefundene Arbeitskreis Heisterbach zusammenfinden und nach neuen Aufgaben suchen.