Jungweinprobe der Siebengebirgswinzer: Klimawandel fordert Winzer heraus

Jungweinprobe der Siebengebirgswinzer : Klimawandel fordert Winzer heraus

Die Hitze des Sommers 2019 hat bis zu 40 Prozent der Trauben vertrocknen lassen, der Qualität des Weins aus Königswinter und Bad Honnef hat sie wohl nicht geschadet.

Sie konnten schon mal daran nippen und sich von der Qualität überzeugen: Zur Begutachtung ihrer 2019er Jungweine trafen sich Winzer aus dem Siebengebirge bei ihrem Bruchhausener Kollegen Oliver Krupp. Dieser empfing mit seinem Vater Bruno, der seit 1978 zunächst als Hobbywinzer, dann im Nebenerwerb einen von seinem Urgroßvater angelegten Wingert bewirtschaftet, die Gäste in der Kelterhalle und im Tankraum.

Gekommen waren der Rhöndorfer Winzer Karl-Heinz Broel, Felix Pieper aus Königswinter, Ursel Adrian, die Schwester des erkrankten Winzers Josef Blöser aus Dollendorf, Kai Thiel, Nebenerwerbswinzer von der „Heisterbach“-Lage, und der Weinexperte und Besitzer des Rhöndorfer „Haus im Turm“, Bernd Siebdrat. Diesem hat Krupp den Anbau der Weinflächen am Uhleskrötzje und nördlich von seinem Wingert an der B 42 zu verdanken.

Hohe Einbußen durch Sonnenbrand

„Der neue Jahrgang ist noch nicht filtriert und sieht deshalb aus wie naturtrüber Apfelsaft“, so der Winzer. Im Gegensatz zu 2018, als die Lese gesunder Trauben „absolut gigantisch“ ausgefallen sei, habe er im Vorjahr immense Ernte-Ausfälle hinnehmen müssen, berichtete Krupp. „Nicht echter Mehltau oder Grauschimmel waren daran schuld, sondern die starke Sonneneinstrahlung vor allem im August, die bei vielen Trauben zu einen extremen Sonnenbrand geführt hat“, so der 46-Jährige.

Ausfälle von zwei bis fünf Prozent seien normal, 2019 aber habe er eine 40-prozentige Einbuße zu verzeichnen gehabt, weit mehr Verluste als bei seinen nördlichen Kollegen, die etwa ein Viertel der Trauben abschreiben mussten. „Die Sonne war im August so heiß, dass sogar die Stiele der Reben verbrannt sind. Die Trauben waren noch trockener als Rosinen. Die hätte man in der Pfeife rauchen können“, so Bruno Krupp.

Klimawandel und Pflanzenschutz

Allerdings habe das auch einen Vorteil gehabt, so sein Sohn: Die Weinstöcke mussten weniger Trauben versorgen, die entsprechend nicht übermäßig unter der Trockenheit gelitten hätten. Ergebnis für den Wein: eine sehr gute Qualität mit besonders hohen Oechslegraden und einem hervorragenden Aroma. „Schon der 2018er Jahrgang hatte hervorragende Werte hinsichtlich der Restsüße, dieses Jahr ist aber auch der Säuregehalt optimal, was vor allem unserem Riesling Hochgewächs zugute kommt.“

Wie sich der Klimawandel auf diese Traube auswirken werde, müsse man abwarten, meint der Winzer. Der Temperaturanstieg und die Trockenheit seien jedenfalls nicht der Grund dafür, dass er bei Neuanpflanzungen auf alten Anlagen etwa ein Drittel der Fläche für Spätburgunder vorhalte. „Die Nachfrage etwa nach dem Unkeler Funkeler ist einfach sehr hoch, weil viele bei Unkel immer noch die alte Rotweinstadt im Kopf haben“, erklärte Krupp.

Auf Rivaner und Riesling will Krupp zwar nicht verzichten, aber mit dem „roten Riesling“ eine alte Spielart dieser Reben anbauen. Und nachdem im Zuge der Glyphosat-Diskussion der Pflanzenschutz noch mehr in Verruf gekommen sei, habe er vor, Souvignier gris anzupflanzen, eine 1983 gezüchtete, pilz-widerstandsfähige Weißweinsorte. Bei dieser Sorte komme der Weinbau mit erheblich weniger Chemie und folglich geringerer Bodenbelastung aus.