Weinbau am Petersberg: Kay Thiel baut am Heisterberg alte Rebsorten an

Weinbau am Petersberg : Kay Thiel baut am Heisterberg alte Rebsorten an

Er ist eigentlich in der IT-Branche tätig. Seine Leidenschaft gilt aber dem Wein: Schon vor 18 Jahren kaufte Kay Thiel einen Wingert an der Mosel, jetzt hat er den historischen Weinberg am Heisterberg in Königswinter gepachtet, der zur Großlage Petersberg gehört. Dabei setzt der Autodidakt auf Bio-Anbau.

„Der Wechsel von Dingen ist nichts, was mir Angst macht.“ Wenn man wie Kay Thiel nach dem Studium von Theaterwissenschaften und Germanistik und einem Engagement am Kölner Schauspielhaus in der IT-Branche gelandet ist und jetzt als Nebenerwerbswinzer den historischen Weinberg am Heisterberg bearbeitet, hat man schon ein ziemlich großes Berufsspektrum abgedeckt.

Die Möglichkeit, im Weinberg die Natur und den Wechsel der Jahreszeiten zu erfahren, vor allem aber die Konsequenzen des eigenen Handelns unmittelbar und – wie er sagt – „brutal direkt“ zu erleben, hat den 56-Jährigen in den Bann gezogen. „Bei allem, was ich tue oder nicht tue, sehe ich sofort die Auswirkungen.“ Und das an einer Arbeitsstelle, die von der morgens über dem Petersberg aufgehenden Sonne beschienen wird und dem das Rheintal zu Füßen liegt.

Mit einer Steillage in Klüsserath fing es an

Angefangen hat diese Liebe vor 18 Jahren, als Thiel mit einem Freund einen Weinberg in Klüsserath an der Mosel erwarb. 3000 Quadratmeter Steillage. „Da ist meine Leidenschaft für den Weinbau geweckt worden.“ Damals begann der Autodidakt, sich in Büchern zu informieren. Der Weinberg in der Nähe von Trier gehört ihm heute zwar immer noch, er ist jedoch verpachtet. Klüsserath war doch sehr weit weg.

Doch ohne das Engagement an der Mosel hätte Thiel vor zwei Jahren nicht bei Ignaz Schmitz, dem Vorsitzenden der Bürgerinitiative Naturschutz Siebengebirge, bei der gemeinsamen Pflege der Streuobstwiesen sein Interesse an einem näher gelegenen Weinberg bekundet. „Da hat er mich spontan mitgenommen und mir den Heisterberg gezeigt.“ Dort hatte der Bonner Otmar Schmitz-Schlang im Jahr 2002 einen historischen Weinberg angelegt und diesen neun Jahre lang bewirtschaftet. Seitdem lag das Gelände brach.

Anfang 2016 pachtete Thiel das 6000 Quadratmeter große Gelände mit 2600 Rebstöcken vom Landschaftsverband Rheinland, der den Weinberg wiederum an den Rheinischen Verein für Denkmalpflege unterverpachtet hatte. Bei der Flurbereinigung in den 1970er Jahren hatte kein Winzer die ursprünglich knapp drei Hektar haben wollen.

Winzer Felix Pieper hilft und berät

Trotz der dreijährigen Erfahrung an der Mosel sei er immer noch etwas blauäugig an das Projekt herangegangen, sagt Thiel, der vor einem halben Jahr mit seiner Frau von Bonn-Kessenich nach Oberdollendorf gezogen ist, um näher an seiner Wirkungsstätte zu sein. „Und weil es die schönere Rheinseite ist.“ Wenn der Königswinterer Winzer Felix Pieper ihn nicht in jeder Hinsicht unter seine Fittiche genommen hätte, hätte er ein echtes Problem gehabt, gibt er zu. „Ich habe eigene Fässer und Tanks, die restliche Infrastruktur darf ich von ihm mitbenutzen“, sagt er. Vor allem lerne er von Pieper aber unheimlich viel.

„Es wäre toll, wenn es mir gelingen würde, hier wieder einen kleinen Weinbau aufzubauen und in zehn bis 15 Jahren jemanden zu finden, der das weiterführt.“ Dabei hat der Winzer durchaus Pläne, die Fläche zu erweitern. Er würde gerne eine Brachfläche pachten, die westlich an den vorhandenen Weinberg angrenzt und ebenfalls rund 6000 Quadratmeter groß ist. Mit dem neuen Jufa-Hotel, das in den vergangenen Tagen die ersten Gäste begrüßte, verhandelt er zudem über eine kleinere Fläche zwischen Weinberg und Aula. Im Hotel wird übrigens Wein vom Heisterberg angeboten.

Vor einigen Monaten hat Thiel einen Vertrag mit Bioland geschlossen und ist somit der einzige biologische Weinbaubetrieb in NRW. Er darf keine Herbizide und keine systemischen Fungizide verwenden. Erlaubt sind lediglich Kontaktfungizide, die nicht in die Pflanze eindringen, sondern an der Oberfläche bleiben. Schwefel gegen den echten Mehltau und Kupfer gegen den falschen Mehltau sind die Mittel der Wahl.

Die Weißweine erhielten die bronzene Kammermedaille

Vor allem ist aber der Winzer selber gefragt. „Ich muss für Luft im Weinberg sorgen, weil in erster Linie Feuchtigkeit die Voraussetzung für den falschen Mehltau ist“, sagt Thiel. Besonders der Frühburgunder sei ein „zarter Geselle“, der auf Feuchtigkeit sehr empfindlich reagiere. Seine Trauben werden deshalb fast komplett frei gestellt, damit Sonne und Luft sie gut erreichen können. Besonders gefreut hat ihn die bronzene Kammermedaille, die er bei der Qualitätsweinprüfung der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen für beide Weißweine erhielt.

Den Schritt zum Nebenerwerbswinzer hat Kay Thiel bisher noch nicht bereut. „Ich bin so fit wie seit 15 Jahren nicht mehr. Ich brauche keine Muckibude der Welt.“ Und er merkt, dass die Dollendorfer ihm Anerkennung für seine Arbeit und die Bewahrung eines kulturellen Schatzes ihrer Heimat entgegenbringen. Für die kommenden zwei Monate bis zur Lese hat er eigentlich nur einen Wunsch: „Möglichst stabiles Sommerwetter.“

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