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Burkhard Mohr aus Königswinter: Karikaturist arbeitet mit spitzer Feder und Liebe zur Heimat

Burkhard Mohr aus Königswinter : Karikaturist arbeitet mit spitzer Feder und Liebe zur Heimat

Wir wollten wissen: Wie sieht ein satirischer Künstler sein Königswinter? Ist er zahm oder besonders böse? Kleinlich oder großzügig? Ein Rundgang durch eine Stadt, die so noch niemand gesehen hat. Der Tag, der mit weißem Rauch enden sollte, ist mehr als zur Hälfte rum. Burkhard Mohr lotst in die Innenstadt. "Dazu fällt mir was ein", sagt der 53-Jährige und fällt doch schon vorab sein Urteil: "Königswinter ist kein gutes Pflaster für einen Karikaturisten. Hier passiert einfach zu wenig."

Der weiße Rauch kennt keinen Feierabend, auch an diesem verschneiten Mittwoch nicht. Karikaturist Burkhard Mohr schreckt vom Sofa auf, grübelt, zeichnet sofort im Kopf, als die Fernsehsender live in den Vatikan schalten. Es ist spät, aber nicht zu spät. Da klingelt sein Handy. Der General-Anzeiger ist dran: Die Karikatur zur Papstwahl soll noch in die aktuelle Ausgabe.

Burkhard Mohr ist schon zu lange im Geschäft, um deswegen nervös zu werden. Er zeichnet national, die großen, meist politischen Themen. Immer mutig und scharfsichtig, immer mit einer humorvollen Pointe. Seine Wahlheimat Königswinter spielt in seinen Karikaturen nie eine Rolle.

Für uns macht er diesmal eine Ausnahme. Mohr schlendert durch die Straßen, führt erst in die Fußgängerzone, dann in die Drachenfelsstraße. "Hier brummte früher der Bär, Touristen drängten sich durch die Straßen. Das hat enorm nachgelassen", sagt Mohr. Die Abwärtsspirale sei offensichtlich: Weniger Touristen, weniger Einzelhändler, noch weniger Touristen, immer mehr Leerstand - und immer so weiter.

Der Lack sei ab, Königswinter zehre nur noch vom Glanz alter Tage, schiebt er nüchtern hinterher. Dann setzt er sich auf ein Geländer. Er blickt in die Fußgängerzone, lässt die Brille auf die Nasenspitze rutschen und zeichnet auf seinen Block. Vor seinem geistigen Auge sehe er einen verirrten Touristen, der nach dem ehemaligen Touristenmagneten namens Königswinter suche. Doch er findet nur: einen Dönerladen und geschlossene Souvenirläden.

Pointe. Lachen. Und weiter.

Der Rundgang führt weiter zum Rathaus. Ausgerechnet zum Rathaus, oder besser: zum Rathausvorplatz. "Das ist die Achillesferse von Königswinter, unser Steinskandal." Mohr lacht, seine Augen funkeln. Ein gefundenes Fressen für einen wie ihn. Ein chinesischer Unternehmer, der die falschen Steine liefert, die auch noch so schlecht sind, dass sie schon jetzt reißen - das ist eine Steilvorlage für Karikaturist Mohr. "Man stelle sich nur vor", sagt er, "der Bürgermeister würde hier eine chinesische Reisegruppe begrüßen. Ob die seine Aufregung über Steine aus ihrer Heimat verstehen würden?" Mohr schmunzelt, er hat die Karikatur bildlich vor sich.

Pointe. Lachen. Und weiter.

Burkhard Mohr ist in Köln geboren und in Thomasberg aufgewachsen. Schon als kleiner Junge zeichnete er, was nicht wundert, wenn man seine Familie kennt: Der Opa zeichnete, der Vater tat es. Und Burkhard zeichnete bereits mit drei Jahren nicht irgendwie, sondern "immer drollige Männchen und Situationen". Die Liebe zur Karikatur war geboren, und sie hält bis heute.

Sechs Tage pro Woche dreht er die Nachrichten des Tages ins Humorige, mit einer Prise Boshaftigkeit. "Ich bin in meinem Denken unnachsichtiger geworden. Aber während andere die Axt schwingen, nehme ich das Florett!" Sagt er, und blickt verträumt auf den Rhein, seinen Liebling in Königswinter. "Das ist zu schön, um es romantisch zu überspitzen", schwärmt Mohr.

Also diesmal keine Pointe. Kein Lachen. Und trotzdem weiter.

Der Rundgang endet bei ihm zu Hause, am Fuße des nördlichsten Weinbergs in Dollendorf. Es ist seine Kreativschmiede. "Die Leute denken ja, wir Künstler schlafen bis zwölf, zeichnen eben und genießen dann das Leben", sagt Mohr und schüttelt den Kopf: "So ist es sicher nicht." Mohr, der auch Bildhauer und Hausmann ist, liest bis mittags Zeitung, hört Radio, kurz: Er sucht das Thema des Tages. "Ab eins geht es dann richtig rund."

An dem Tag, der mit dem weißen Rauch enden sollte, lief es zäh. Es ging um die EU-Finanzplanung, ein dröges Thema, und doch so wichtig. Bevor er abends den Papst zeichnet, zeigt die Karikatur des Tages einen Jäger, der mit der Flinte ein Sparschwein vom Himmel schießt, auf dem Finanzplanung 2014 bis 2020 steht. "Monatelang haben sie um dieses Finanzkonzept gekämpft, und jetzt das", sagt Mohr. Das Schwein guckt erschrocken, der Jäger zufrieden.

Pointe. Lachen. Und Ende.