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Ausstellung im Haus Bachem in Königswinter: Kantige Botschaften und kreative Einblicke

Ausstellung im Haus Bachem in Königswinter : Kantige Botschaften und kreative Einblicke

Die drei Künstler Heinz Zöller, Dieter „dede“ Ditscheid und Kurt Volker zeigten ihre Arbeiten am Wochenende im Haus Bachem. In ihnen kommen auch politische Botschaften zum Tragen.

Während seine beiden Künstlerkollegen sich für die Ausstellung eher dem ästhetischen Selbstzweck verschrieben hatten, schlüpfte Heinz Zöller in die Rolle des politischen Kommentators. Seine Botschaften: kantig, unmissverständlich, nicht selten auch ein wenig provokant. Genau wie sein künstlerisches Konzept.

Mit Vorliebe lässt Zöller ungewöhnliche Gegenstände für sich sprechen: Der flauschige Teddybär etwa, der aus einem abgegriffenen Reisekoffer lugt, schaut mit kindlicher Unschuld in die Ferne, sein Blick dem Horizont zugewandt, auf den sein improvisiertes Gefährt, ein kleiner Bastkinderwagen, zugeschoben wird. Auf dem Koffer prangt, schon halb abgerissen, der Aufkleber: „Hotel Europa“.

Eine politische Stellungnahme als bewusste Ohrfeige gegen Slogans des Rechtspopulismus, verriet der Schöpfer: Sein Kommentar zur Flüchtlingskrise sollte es sein, ein Fetzen der Erinnerung an die Flucht der Deutschen aus Schlesien – „denn wir alle sind irgendwann im Leben mal Flüchtlinge gewesen“, so Zöller, ob nun im wörtlichen oder übertragenen Sinne.

Einen lebhaften Einblick ins kreative Œuvre dreier bewährter Künstler aus der Region bot am vergangenen Wochenende die Kurz-Ausstellung „Mit und ohne Titel“ im Haus Bachem in der Altstadt – mal zwei-, mal dreidimensional, mal politisch, mal einfach nur um der Schönheit selbst willen. Während sich eine Besuchertraube um das „Hotel Europa“ bildete, stand am anderen Ende des Raumes Zöllers „Globe 2016“, eine halb zerfallene Weltkugel aus brüchigen Treibholzbalken, am Rande des Zerfalls, gerade noch dürftig zusammengehalten von rostigen Eisenstützen.

Optimistisch hingegen der Untertitel des Werks: „Wir schaffen dich“. Erneut ein bisschen Politik, diesmal ein gewagter Hoffnungsschimmer im Hinblick auf das Klimaabkommen. Hätte es einen Preis für den produktivsten Künstler der Ausstellung gegeben, so wäre er ohne Zweifel an Kurt Volkert gegangen: Mehr als 20 Bilder hatte der ehemalige Galerist der „Meerkatze“ eigens für die Ausstellung gefertigt: Gegenständliches aus aller Welt, von Italien über Frankreich bis zum heimischen Rheinland hatte Volkert auf die zwei Dutzend Leinwände gebannt.

Obwohl der 80-Jährige – „sagen wir zwei Mal 40, das klingt besser“ – schon seit über zwei Jahrzehnten künstlerisch aktiv ist, fällt es dem ehemaligen Kameramann noch immer schwer, sich vom realistischen Bild zu trennen. Kraniche auf dem Weg nach Norden, über den Baumkronen des Siebengebirges schwebend, hat er festgehalten, dazu die Parade am 14. Juli in Paris, das sonnengetränkte Venedig am Abend, die schneebedeckten Berggipfel nahe Zürich. Besonders stolz ist er aber auf sein allegorisches Gemälde, das Lord Byron, Heinrich Heine und William Turner gemeinsam vor dem Drachenfels zeigt – eine charmante Verneigung vor den großen Persönlichkeiten und der Region zugleich.

Deutlich abstrakter, wenngleich nicht weniger farbenfroh zeigte sich Dieter „dede“ Ditscheid mit einer Reihe schemenhafter „Aststrukturen“, gesehen durch die Fenster seines Ateliers in Asbach und dann mit einem Schuss künstlerischer Freiheit verfremdet. Die reinste Material-Explosion indes sein Mix-Werk „Ist das ein Innenraum?“ aus Acryl, Tusche, Öl und Lack. Experimentiert hatte er auch mit Acryl und Sand, rechteckige Farbflächen im Goldenen Schnitt angeordnet und abstrahierte Naturaufnahmen gepinselt.

Schade bloß, dass die Ausstellung nur von so kurzer Dauer war: Am Sonntagabend war alles vorüber. Denn in den Worten von Peter Wirtz, der die Vernissage begleitete: „Wenn es kreative Menschen wie sie drei nicht gäbe, wären wir als Gesellschaft insgesamt ärmer.“