"Die gute Seele des Vereins": Kajo Miebach ist seit Jahrzehnten beim Tus Oberpleis

"Die gute Seele des Vereins" : Kajo Miebach ist seit Jahrzehnten beim Tus Oberpleis

"Kajo Miebach ist der TuS Oberpleis" sagen langjährige Weggefährten. Tatsächlich ist der 71-Jährige seit mehr als 40 Jahren im oder für den Verein aktiv und tätig. Wegen seiner Frau zog er auch ins Siebengebirge.

Manchem Zugezogenen erscheint der Spitzname „Huhsicker“ für die Oberpleiser ja ganz passend. Man hält den Bewohnern des heutigen Mittelzentrums schon mal vor, dass sie sich gegenüber den umliegenden Ortschaften als etwas Besseres vorkommen. Kajo Miebach kann das gar nicht nachvollziehen. „Ich bin hier mit offenen Armen aufgenommen worden. Ich fühle mich im Ort total zu Hause“, sagt er. Dazu gehört auch, dass wohl niemand in Oberpleis mehr weiß, wie Kajo und seine Frau Dany tatsächlich heißen. Nämlich Karl-Josef und Danielle.

Spätestens im Januar 2013 erhielten die Miebachs in Plees den Ritterschlag. Damals wurden Kajo und Dany als Prinzenpaar proklamiert. „Der Einmarsch in die Aula dauerte eine gefühlte Halbzeit lang“, hieß damals die Schlagzeile im General-Anzeiger. Eine Anspielung auf seine langjährige Tätigkeit bei den Fußballern des TuS Oberpleis. „Das war ein wunderschönes Erlebnis und eine wunderschöne Zeit. Wie wir in die Aula reingekommen sind, das kann man mit Worten nicht beschreiben“, erzählt er. Dabei glänzen seine Augen.

Zu diesem Zeitpunkt habe man das Thema jecke Regentschaft eigentlich abgehakt gehabt. „Wenn es in den Jahren zuvor im September an der Tür klingelte, haben wir schon mal daran gedacht. In dem Jahr haben wir aber nicht mehr geglaubt, dass wir in unserem Alter noch angesprochen werden“, sagt er. Damals war Miebach 65. Das war auch sein Vorteil, denn als frischgebackener Rentner hatte er mehr Zeit als vorher.

Der Liebe wegen kam er nach Oberpleis

Seit 1974 hatte er bei den Vereinigten Aluminium Werken in Bonn gearbeitet, die im Jahr 2002 von der Norsk Hydro übernommen wurden. Als gelernter Werkstoffprüfer war er dort in der Forschungsabteilung tätig. Mit großer Freude. „Ich bin jeden Morgen gerne zur Arbeit gefahren. Wer kann das schon von sich behaupten“, sagt er.

Geboren wurde er 1947 in Engelskirchen im Bergischen Land. Dort wuchs er auch auf und begann mit 13 Jahren beim TuS Lindlar Fußball zu spielen. Der Grund, weshalb er später ins Siebengebirge zog, hieß jedoch Dany. Seine Frau lernte er 1978 bei einem seiner vielen Fußball-Lehrgänge in der Sportschule Hennef kennen. Wenn es darüber spricht, glänzen seine Augen wieder. Da traf es sich gut, dass der TuS Oberpleis auch auf den jungen Spieler aufmerksam geworden war. 1974 wurde er für den Verein erstmals in der Kreisliga B als Spielertrainer aktiv. Obwohl er in den folgenden Jahren mehrere Ausflüge zu anderen Clubs unternahm, war der TuS fortan „sein“ Verein.

"Kajo Miebach ist der TuS Oberpleis"

Als Trainer, viele Jahre als Obmann und seit nunmehr zwei Jahren als Sportlicher Leiter für die Seniorenmannschaften war er für den unaufhaltsamen Aufstieg bis in die Mittelrheinliga verantwortlich. Seit über fünf Jahren spielt der TuS jetzt in der Landesliga. „Das ist für einen Ort wie Oberpleis ein großer sportlicher Erfolg“, sagt er. Schließlich fehlen hier die ganz großen Sponsoren. „Kajo Miebach ist der TuS Oberpleis. Keiner steht so für den Verein wie er“, urteilen langjährige Wegbegleiter über ihn.

Doch in dem jungen Fußballer steckte auch Unternehmergeist. Von 1978 bis 1981 ging er zusammen mit seiner Frau unter die Geschäftsleute: In Kajos Sportshop, gleich neben dem alten Sportplatz, verkaufte er Sportartikel. Als 1982 der älteste Sohn Frank geboren wurde, gaben die beiden den Laden auf.

Die ganze Familie ist fußballverrückt

„Wir haben uns damals für die Familie entschieden.“ Denn seine Frau und seine beiden Söhne seien sein Lebensglück, sagt er und seine Stimme verändert sich merklich. Dass Frank und der vier Jahre jüngere Tim im Alter von vier Jahren selbst mit dem Fußballspielen anfingen, machte sein Glück perfekt. „Die beiden sind auf dem Sportplatz groß geworden“, so Miebach. Beide betreute er auch als Jugendtrainer, beide spielten später in der ersten Mannschaft. Tim ist bis heute bester Torschütze und inzwischen selbst in Ittenbach heimisch geworden. Angebote, selbst von Bayer Leverkusen, schlug er aus. Er wollte bei den Freunden in Oberpleis bleiben.

Man könnte auch sagen: Tim Miebach ist ein anderer Name für Vereinstreue. Wie sein Vater. Für Kajo Miebach war es aber auch ein Glücksfall, dass seine Frau das alles mitmachte. Nicht nur ihrem Mann zuliebe, sondern natürlich auch der Kinder wegen. Jahrelang organisierte sie das Pfingstturnier des Vereins. Vom Himmelsberg, wo die Miebachs seit 1984 wohnen, bis zum Sonnenhügel ist es nur ein Katzensprung. Außer Freitag und Samstag ist Kajo Miebach fast täglich auf dem Platz. „Diese beiden Tage versuche ich etwas mit Dany zu unternehmen“, sagt er. Dabei ist der Sonnenhügel auch für seine Frau längst zweite Heimat geworden. Sie ist Erzieherin in der Offenen Ganztagsschule, deren Träger der TuS Oberpleis ist.

"Es macht mir immer noch Spaß"

Kajo Miebach genießt es als Rentner, jeden Morgen mit seiner Frau in Ruhe zu frühstücken. Auch Spaziergänge durch das Siebengebirge unternehmen beide gerne. Und sie machen Urlaub im Haus von Freunden in Cuxhaven, wo sie viel Fahrrad fahren. Ansonsten hat Kajo Miebach immer noch jede Menge Termine.

Schon wieder klingelt das Telefon. Ein Kollege von der Sportredaktion. Das nächste Meisterschaftsspiel steht an. Auch für Presseauskünfte ist der 71-Jährige beim TuS zuständig. Aber wie lange noch? Miebach: „Es macht mir immer noch sehr viel Spaß. Aber es kommt sicher der Tag, an dem ich sage: Jetzt ist es gut.“

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