Deutsch-französischer Austausch: Jugendliche pflegen Kriegsgräber in Ittenbach

Deutsch-französischer Austausch : Jugendliche pflegen Kriegsgräber in Ittenbach

Erinnerungskultur und Völkerverständigung: In einem Workcamp des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge kommen Jugendliche aus Deutschland und Frankreich zusammen. Dabei sprachen sie auch mit Zeitzeugen des Zweiten Weltkriegs.

Meist genügte ein wenig Schrubben, bis der Stein vom Schmutz befreit war. An den Ecken, Kanten und Inschriften jedoch mussten die Jugendlichen etwas kräftiger bürsten, um die Ablagerungen zu entfernen. Als die Inschriften schließlich wieder lesbar waren, nahmen sich die Mädchen und Jungen des nächsten Kreuzes auf der Kriegsgräberstätte in Ittenbach an. Die 13- bis 18-Jährigen waren im Rahmen ihres zweiwöchigen Workcamps Lille-Bonn am Dienstag an die Stätte gekommen, um die Ruhestätten zu pflegen, aber auch, um sich mit der Geschichte des Friedhofs und des Zweiten Weltkriegs auseinanderzusetzen. Mitglieder der Reservistenkameradschaft unterstützten die Jugendlichen bei der Pflege.

Während etwa eine Hälfte der 18 Jugendlichen bereits mit der Pflege angefangen hatte, wollte die andere Hälfte noch mehr über die beiden Zeitzeugen Paul Goltz und Jürgen Tegethoff erfahren, die zuvor von ihren Erlebnissen im Zweiten Weltkrieg erzählt hatten. Tegethoff berichtete unter anderem, wie er von einem Panzer angeschossen und schwer verwundet worden war. Anders als er hatten viele in dem Lazarett, in dem er sich länger aufhalten musste, kein Glück – und starben.

„Es ist ziemlich spannend, die Geschichte aus ihrer Sicht zu hören“, sagte Schüler Mikka. Der Lüneburger war mit den anderen Jugendlichen am vergangenen Wochenende ins Siebengebirge gekommen, um nach einer Woche in Lille und einer Zwischenstation im Europaparlament in Brüssel den zweiten Teil der deutsch-französischen Jugendbewegung zu erleben. Untergebracht sind sie in der Jugendherberge in Bad Honnef; in den vergangenen Tagen stand unter anderem Geocaching auf dem Programm, bei dem sie die Region erkundet haben, sowie ein Ausflug nach Köln.

Organisiert wird die Jugendbegegnung vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. „Es geht darum, mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen“, erklärte Konstanze Zechendorf vom Volksbund die Idee hinter dem Workcamp, an dem Jugendliche aus Deutschland und Frankreich teilnehmen. „Es ist Völkerverständigung auf unterer Ebene. Wir hoffen, dass das auch auf höherer Ebene klappt“, sagte Zechendorf mit Blick auf internationale Konflikte.

Neben dem Kennenlernen untereinander gefiel den Jugendlichen aber auch der Blick in die Vergangenheit. „Meine Mutter ist Geschichtslehrerin. Ich finde das sehr interessant“, sagte Laurits.

Am Vormittag hatte der Historiker und Museumspädagoge Norbert Ellermann den Jugendlichen die Hintergründe der Kriegsgräberstätte nähergebracht, auf der 1871 Tote ruhen. Er erklärte ihnen, dass Personen damals über Marken, Briefe oder auch Uhren identifiziert werden konnten, die sie bei sich trugen. Gemeinsam suchten sie über das Verzeichnis die Gräber der einzigen beiden dort begrabenen Franzosen. „Über den einen ist kaum etwas bekannt“, stellte Ellermann fest. Weder Geburts- noch Todesdatum standen neben dem Namen.

Zwischendurch begrüßte Landrat Sebastian Schuster im Beisein des Geschäftsbereichsleiters Kultur der Stadt Königswinter, Ulrich Berres, sowie der Reservistenkameradschaft die Jugendlichen. Schuster erklärte ihnen die Besonderheiten des Rhein-Sieg-Kreises („wie eine Halskrause um Bonn“) und betonte wie notwendig es sei, sich an die „Folgen des verbrecherischen Krieges“ zu erinnern, „den Deutschland gegen die Welt führte.“ Schuster: „Erinnern an Verbrechen und Gedenken an Opfer gehören zu den wichtigsten Aufgaben.“ Er bezeichnete die „lebendige Erinnerungskultur als einen wichtigen Baustein im Kreis“. Es sei wichtig, sich mit den Kriegsschicksalen auseinanderzusetzen, denn: „Kriegsgräber sprechen nicht aus sich hinaus."

Für Larissa Semelka, eine von vier Betreuern im Camp, hat sich der Tag gelohnt. „Wir sind sehr zufrieden“, sagte sie. Am späten Nachmittag und nach vielen Eindrücken ging es schließlich zurück nach Bad Honnef.

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