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Heimatkrippe in Niederdollendorf: Jesus kam auf einem Schiff zur Welt

Heimatkrippe in Niederdollendorf : Jesus kam auf einem Schiff zur Welt

Ochs' und Esel warten schon. Die Schafe ruhen oder zupfen an dem strohigen Gras des Rheinufers. Die Menschengrüppchen gleich nebenan beachten sie kaum. Paul Peter Schmidt nimmt vorsichtig die Frau im altrosafarbenen Kleid und dem blauen Überwurf in seine Hände.

Er ruckelt etwas an dem weißen Tuch, streicht über ihr fein modelliertes Gesicht und betrachtet aufmerksam das kleine, nur in eine Windel gehüllte Kind. Sind alle Finger noch dran? Oder kommt die Heißkleberspritze zum Einsatz? Es sind die letzten Arbeiten an der Heimatkrippe in der Pfarrkirche Sankt Michael vor dem Heiligen Abend, an dem dann endlich "alle Mann an Bord" sind.

Denn die Niederdollendorfer haben die Weihnachtsgeschichte in ihr Dorf der Schiffer und Fährleute verlegt. Ergo: Jesus kommt auf einem Schiff zur Welt - tief im Laderaum bei den Tieren. Da in den Passagierkabinen aber kein Platz ist, gestattet der Kapitän der Mutter und ihrem Mann Josef, mit dem Kind an Deck zu gehen. Dass auf diesem Schiff des Typs "Samoreuse" irgendetwas passiert sein muss, ist Dorfgespräch.

Schmidt, der gemeinsam mit Hans Krzikalla alle Jahre wieder die Krippe aufbaut, hat mit viel Fantasie die Figuren zusammengestellt. Gerade betreten drei Hirten mit ihren Hunden den Anleger zum Schiff. Später, am Tag der Heiligen Drei Könige, kommen auch Caspar, Melchior und Balthasar samt ihren Begleitern nach Niederdollendorf, wo der Stern am Himmel steht. "Ach ja, den Stern muss ich noch aufhängen", sagt Schmidt. Die königlichen Besucher aber bleiben noch in der Truhe.

Am Rheinufer hat der Krippenbauer so einen "alten Knurren" gefunden und daraus einen Baum gebastelt. Maria platziert er an der Krippe. Der Kapitän ist von Bord gegangen und spricht mit dem Bürgermeister, dessen Gattin und Schwiegermutter. Alle haben sich fein herausgeputzt. Dennoch schaut Krippenbauer Paul Peter Schmidt sorgenvoll auf die Bekleidung. Die wurde einst den Figuren auf den Leib geschneidert.

Da könnten selbst die Wäscherinnen, die vor dem Schiff schwatzen, nichts tun. Umso dankbarer ist Schmidt über die Spende der Sankt Nikolaus-Schiffergilde, die für die Pflege dieser Anlage gedacht ist. Der holländische Matrose steht ebenfalls am Ufer. Er hat die Angel ausgeworfen für das Mittagsmahl. Die Dorfbevölkerung jedenfalls zeigt sich von ihrer besten Seite: Die Wäscherinnen bringen Windeln. Frauen haben Eier, Brot, Milch und Honig in ihren Körben. Kinder sind über die Reling geklettert und haben dem Neugeborenen ein Schaukelpferd geschenkt. Eine Frau in geblümter Schürze unterhält sich angeregt mit dem Winzer, der auf Geschäfte mit der Schiffsbesatzung hofft.

In seiner Kiepe sind Trauben. "Das ist Eiswein", hat Schmidt eine Erklärung parat. Die Aufnahme dieser Berufsgruppe neben den Schiffern, Fischern, Fassbindern und Küfern ist eine Hommage an die Oberdollendorfer. Wer sich die Krippe anschaut, sollte sich Zeit nehmen für die vielen Details und dann seiner Fantasie freien Lauf lassen.

Das Schiff und die Figuren

Pfarrer Georg Kalckert hatte die Idee der Heimatkrippen. Die Figuren wurden 1990/91 von Helene Brase, Ingrid Kauert, Sabine Knott, Franziska Schmidt, Christel Schlauß, Heidi Wirz, Monika und Daniel Schaefer, Marita Stassen, Paul Peter Schmidt und Annemarie Ohlert gefertigt.

Der Korpus ist aus Korken, Bambus und Perlen. Köpfe und Füße wurden aus Plastika, Hände aus Vernit oder Fimo hergestellt. Das Schiff baute Schreiner Peter Schützeichel maßstabgetreu in 600 Stunden. Das Original des Typs "Samoreuse" beförderte als erstes Segelschiff regelmäßig Fracht und Personen zwischen Amsterdam und Köln. 120 Meter Seil wurden verarbeitet, 680 Knoten originalgetreu gemacht

Die Krippe ist an allen Sonn- und Feiertagen von 15 bis 17 Uhr zu besichtigen. Gruppen ab zehn Personen führt Paul Peter Schmidt, Anmeldungen unter der Rufnummer 02223/23375.