Stadtfest in Königswinter: Heinrich Blumenthal: "Wir verpassen eine Chance"

Stadtfest in Königswinter : Heinrich Blumenthal: "Wir verpassen eine Chance"

Tausend Jahre Königswinter. Große Überraschung für die Mitglieder des Heimatvereins Siebengebirge. Ehrenvorsitzer Heinrich Blumenthal hat für sie aus diesem Anlass ein Buch geschrieben. Die Festschrift gibt einen Überblick über das Leben damals und beschreibt auch den Aufbau der abgebildeten Urkunde vom 25. Februar 1015, die als erste schriftliche Erwähnung des Dorfes Winetre gilt.

Was hat Sie zur Festschrift bewogen?
Heinrich Blumenthal: Die Stadt macht nichts zu diesem Anlass, da machen wir eben etwas.

Soll dieses Buch einen Schub verleihen, doch noch ein Fest auf die Beine zu stellen?
Blumenthal: Das war nicht die Intention. Mich hat natürlich auch die Freude am Stoff und der Spaß am Heimatverein dazu veranlasst. Aber ich bin schon enttäuscht, dass die Stadt dieses Ereignis nicht feiern will.

Mit "Prima Klima in Winetre" ist das Wetter gemeint.
Blumenthal: Ja, die Menschen befanden sich damals, ohne es zu wissen, am Beginn des mittelalterlichen Klimaoptimums innerhalb der aktuellen Warmzeit. Wir leben seit etwa 11 700 Jahren in einer Warmzeit, die aber klimatischen Schwankungen unterworfen ist.

Im übertragenen Sinne ist das Klima derzeit nicht so gut in Winetre?
Blumenthal: Wenn ich mir anschaue, wie andernorts solche Ereignisse begangen wurden, kann ich nur mit dem Kopf schütteln, dass Königswinter als Tourismusort diese Chance nicht nutzt. Linz etwa feierte 1974 seine 1100 Jahre. Es gibt Fotos und Filme im Netz, da ist der Marktplatz schwarz vor Menschen. Ministerpräsident und Innenminister waren da. Wir verpassen eine Chance, nutzen wir dieses Jubiläum nicht für den Tourismus. 1000 Jahre - das lockt Fremde an. Ein schöner Nebeneffekt: Solch ein Ereignis stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl der Bürger der ganzen Stadt Königswinter. Alle gemeinsam könnten wir etwas Schönes auf die Beine stellen.

Aber die Kassen sind leer...
Blumenthal: Das ist immer das schlagende Argument. Aber wenn ich mir überlege, dass wir in Königswinter, in der Gesamtstadt, etliche Karnevalsumzüge haben, kann ich mir zum Beispiel vorstellen, dass Karnevalisten gemeinsam einen respektablen Festzug auf die Beine stellen. Die haben das Know-how dazu. Wir haben eine Theatergruppe wie die Sproch- un Spelljrupp, die ein kleines Stück aufführen könnte, Künstler hätten die Gelegenheit, eine Ausstellung zum Thema 1000 Jahre Königswinter zu machen. Die Schützenvereine und Bruderschaften, die auf eine lange Geschichte zurückblicken, könnten sich beteiligen. In Schulen könnte das Thema aufgegriffen werden und Schüler vielleicht beim Festzug mitwirken. Mir fallen tausend Dinge ein. Aber es ist wahrscheinlich zu spät für die Umsetzung. Außerdem hat man den Eindruck, dass die Stadt Königswinter lieber den "Königssommer" feiert als den Jahrestag ihrer ersten urkundlichen Erwähnung. In unserer Nachbarstadt Bad Honnef wurde vor zwei Jahren 150 Jahre Stadt Honnef gefeiert. Da hatte die Stadt schließlich auch kein Geld - und trotzdem wurde es schließlich ein sehr schönes Fest.

Zur Person

Heinrich Blumenthal, 75, absolvierte nach dem Besuch des Gymnasiums Linz eine Handwerkslehre, wurde Reserveoffizier und studierte Architektur. Er war zunächst in der Wirtschaft tätig und in den 90er Jahren im Staatlichen Bauamt Bonn zuständig für die Denkmalpflege an landeseigenen Denkmälern und Kirchen. So führte er Grabungsarbeiten an der Burgruine Rosenau und Instandhaltungen an der Löwenburg durch. Vorstandsmitglied im Heimatverein ist er seit 1988. Er wurde mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik ausgezeichnet und mit dem Rheinlandtaler des Landschaftsverbandes Rheinland. Blumenthal ist verheiratet mit seiner Frau Barbara. Sie haben drei Söhne und drei Töchter.