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Haus Schlesien: Ausstellung widmet sich traditionellen Gerichten

Sonderausstellung in Heisterbacherrott : Haus Schlesien widmet sich traditionellen Gerichten

Eine neue Sonderausstellung im Haus Schlesien in Heisterbacherrott widmet sich dem Geschmack von Heimat. Bis Ende Juli zeigt sie die kulinarischen Vorlieben der Deutschen aus dem östlichen Europa.

Ob Omas Rinderbraten oder Mutters Apfelkuchen – sie schmecken nach Zuhause und wecken besondere Emotionen in uns. In vielen Gerichten ist „Heimat“ aber nicht nur zu schmecken, sie klingt auch noch im Namen mit: Königsberger Klopse zum Beispiel, Karlsbader Obladen oder Böhmische Knödel. Den kulinarischen Vorlieben der Deutschen aus dem östlichen Europa widmet sich eine Sonderausstellung vom Haus des deutschen Ostens in München, die seit Sonntag im Haus Schlesien zu sehen ist – eine Ausstellung, „die mitten aus dem Leben kommt“, wie es Bürgermeister Peter Wirtz formulierte.

Gezeigt werden unter anderem typische Lebensmittel, Familienrezepte, Kochbücher, Küchengeräte und vieles mehr rund um das leibliche Wohl. Unter dem Titel „Kann Spuren von Heimat enthalten“ geht es aber nicht nur um Essen und Trinken, sondern auch um Alltag, Identität und Integration. Ein jeder schiebt ihn regelmäßig vor sich her, die wenigsten jedoch wissen um seine Herkunft: die Rede ist vom „Wanzl“. Als im Nachkriegsdeutschland die Selbstbedienungsläden in Mode kamen, wurden Einkaufskörbe und -wagen eingesetzt, die in der Firma Wanzl in Leipheim hergestellt wurden.

Seniorchef Rudolf Wanzl war ursprünglich Inhaber einer Schlosserei im Sudetenland gewesen, die er nach der Vertreibung 1947 mit seinem Sohn in Bayern wiedereröffnete. 1950 ließ der findige Schlosser den stapelbaren Einkaufskorb mit Klappbügel patentieren, ein Jahr später den Einkaufswagen. Heute hat der „Wanzl“ längst den Weltmarkt erobert – kaum eine Supermarktkette, in der er nicht zum Einsatz kommt.

„Rügener Badejunge“ als Spezialität

Im Museumsraum im Haus Schlesien kann man sich einen „Wanzl“ anschauen, der prall gefüllt mit Leckereien ist, die ihre Ursprünge ebenfalls im deutschen Osten haben: Rügenwalder Teewurst, Schneekoppe Müsli oder der Camembert „Rügener Badejunge“. Letzterer gehe zurück auf das „Stolper Jungchen“, erläutert Patricia Erkenberg vom Haus des deutschen Ostens.

Wie die Kuratorin der Ausstellung zu berichten weiß, hatte Käsemeister Bernhard Hildmann das Camembert-Rezept 1917 in der pommerschen Molkerei Stolp entwickelt. Der Krieg stoppte den Siegeszug des Käses – zumindest vorübergehend. Auf Grundlage des Originalrezepts begann nämlich 1949 in Bergen auf der Insel Rügen die Produktion des „Rügener Badejungen“, der zu den meistverkauften Camembert-Marken in Deutschland zählt.

Geschichten wie die vom Stolper Jungchen hat Erkenberg bei der Vorbereitung der Wanderausstellung, die 2016 erstmals gezeigt wurde, viele gefunden: „Es ist beeindruckend, was alles entstanden ist, und welch großen Anteil die deutschen Flüchtlinge und Vertriebenen am Wiederaufbau und wirtschaftlichen Aufschwung der Bundesrepublik hatten.“ Die Ausstellung erzählt daher nicht nur von den kulinarischen Vorlieben und Traditionen in den verschiedenen Regionen von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer, sie beschäftigt sich auch mit der Lebenswirklichkeit der Flüchtlinge nach 1945 sowie der Aussiedler späterer Jahre.

Sie wirft zudem einen Blick auf die Hungerjahre in der Nachkriegszeit wie auf die Überflussgesellschaft, auf welche die Spätaussiedler anfangs trafen. Und sie zeigt anschaulich, welche heute bekannte Firmen der Nahrungs- und Genussmittelherstellung auf Deutsche aus dem östlichen Europa zurückgehen. „Es gibt viele Anknüpfungspunkte zu entdecken“, so Museumsleiterin Nicola Remig. Die Ausstellung halte aber auch einige Aha-Effekte bereit. Wer zum Beispiel weiß, dass das „Pils“ von einem bayerischen Bierbrauer erfunden worden ist, der 1842 in die böhmische Stadt Pilsen gerufen worden war, um den Einwohnern ein richtig gutes Bier zu brauen.

Oder dass jährlich rund 30 Millionen Adventskalender, 50 Millionen Schokoladen-Osterhasen und ebenso viele Weihnachtsmänner von „Rübezahl Schokoladen“ produziert werden. Firmengründer Josef Cersovsky hatte sein 1949 im baden-württembergischen Plochingen gegründetes Unternehmen nach dem berühmten Berggeist seiner Heimat, dem Riesengebirge, benannt. Neben Bürgermeister Wirtz freute sich auch Landrat Sebastian Schuster, „diese Ausstellung im Rhein-Sieg-Kreis zu haben.“ Es gehe nicht nur um ein Thema, das jeden Menschen anspreche, die Ausstellung im Haus Schlesien zeige auch, „dass nicht nur Sprache, Musik und Kunst identitätsstiftend sind, sondern auch das, was auf den Tisch kommt“.