Stadtgrenze zwischen Bad Honnef und Königswinter: Grenzverlauf bereitet Ittenbacher Familie Probleme

Stadtgrenze zwischen Bad Honnef und Königswinter : Grenzverlauf bereitet Ittenbacher Familie Probleme

Familie Heimbach wohnt am Lahrring in Ittenbach. Obwohl der Ort zu Königswinter gehört, befindet sich ihr Haus auf Bad Honnefer Stadtgebiet. Ein Umstand, der einige Probleme mit sich bringt.

Almut und Michael Heimbach werden das Gefühl nicht los, heimatlos zu sein. Sie wohnen mit ihren Kindern am Lahrring in Ittenbach. Obwohl Ittenbach zu Königswinter gehört, befindet sich das Haus der Heimbachs aber auf Bad Honnefer Stadtgebiet.

In der Praxis sieht das so aus: Wenn sich die Heimbachs auf ihrem Grundstück aufhalten, atmen sie Honnefer Luft. Sobald sie jedoch den Lahrring überschreiten, betreten sie Königswinterer Stadtgebiet. In ihren Personalausweisen steht als Adresse Lahrring, Bad Honnef mit der Honnefer Postleitzahl. Und da fängt das Problem an.

Jede amtliche Post, die mit dem Zusatz „Falls Adresse unzutreffend, bitte an Absender zurück“ versehen ist, geht retour, weil es einen Lahrring in Bad Honnef nicht gibt. „Wir haben noch nie erlebt, dass Behördenpost mit Honnefer Anschrift bei uns ankam“, sagt Almut Heimbach. Einzige Ausnahme seien inzwischen Wahlbenachrichtigungen, die in Bad Honnef handschriftlich an sie verschickt werden.

Post wird zum Irrläufer

Alle andere Post wird hingegen zum Irrläufer. So fanden die Heimbachs eines Tages einen Zettel von einem Mitarbeiter des Straßenverkehrsamtes vor, der sich persönlich auf den Weg nach Ittenbach gemacht hatte, um ihnen mitzuteilen, dass er ihren Wagen stilllegen wolle. Sie hätten schließlich seit drei Monaten ihre Versicherungsbeiträge nicht mehr gezahlt. Die Schreiben der Versicherung und des Straßenverkehrsamtes waren jedoch nie bei ihnen eingetroffen. Für den Müllversorger gab es die Eheleute Heimbach sogar gleich zweimal: Almut und Michael in Königswinter, Dörthe und Johannes – so ihr zweiter Vorname – in Bad Honnef.

Den Gemeindebrief erhielten die Heimbachs aus der evangelischen Kirchengemeinde in Bad Honnef-Tal, obwohl die Ittenbacher Kirche gerade mal 500 Meter entfernt ist. Als der älteste Sohn eine integrative Grundschule besuchen sollte, erklärte ihnen die Kreisverwaltung, dass nicht die Grundschule Sonnenhügel in Oberpleis, sondern die Grundschule in Aegidienberg für sie zuständig sei.

Familie bittet um Grenzregulierung

Als sie vor 13 Jahren ins Siebengebirge zogen, waren sie sogar ein bisschen stolz darauf, Bad Honnefer zu sein. Inzwischen überwiegt der Ärger. Weil sie lieber zu Königswinter als zu Bad Honnef gehören würden, hat Almut Heimbach jetzt an den Bad Honnefer Bürgermeister Otto Neuhoff geschrieben. „Es ist aus unserer Sicht juristisch nicht hinnehmbar, dass wir keine ladungsfähige Adresse besitzen!“, schreibt sie in ihrer Mail.

Sie bittet darum, der Grenzregulierung endlich einen gewissen Nachdruck zu verleihen. „Uns ist vollkommen klar, dass da ein ganzer Rattenschwanz dranhängt, bis zur Veränderung aller Karten.“ Dennoch fordert sie: „Nieder mit der Enklave!“ Die Heimbachs wären auch bereit, die Grundsteuer weiter in Bad Honnef zu zahlen.

Nachdem sie die Mitarbeiter des Bürgerbüros in Königswinter mit dem Wunsch, sich nach Königswinter umzumelden, aufgeschreckt hatte, meldete sich im Februar Bürgermeister Peter Wirtz bei ihr. Er könne nicht absehen, inwieweit die Stadt Bad Honnef die Angelegenheit weiter verfolgen werde. Er selbst sei seit Jahren um die Grenzregulierung bemüht, teilte er mit. Heimbachs haben gründlich recherchiert. Nach ihren Informationen sind drei Häuser in der Straße „In der Mark“ und sieben Gebäude am Lahrring betroffen, die ebenfalls auf Bad Honnefer Stadtgebiet stehen.

„Wir haben das Gefühl, dass keiner uns haben will“

Im Gegensatz zu ihr seien die Nachbarn jedoch so clever gewesen, sich einfach in Königswinter anzumelden, sagt Almut Heimbach. Auch ein Nachbar, bei dem die Grenze zwischen Erdgeschoss (Königswinter) und ersten Stock (Bad Honnef) verlaufe, habe sich kurzerhand im ersten Stock angemeldet. „Wir haben das Gefühl, dass keiner uns haben will“, sagt Michael Heimbach. Manchmal komme er sich so vor wie auf dem „Totenschiff“.

In dem Roman von B. Traven, der verfilmt wurde, wird die Geschichte eines amerikanischen Seemanns erzählt, der seine Seemannskarte als einzigen Nachweis seiner Identität verliert und der sich deshalb als Staatenloser auf eine Irrfahrt über die Weltmeere machen muss. Eine richtige Heimat haben sie auch nicht, sagen die Heimbachs.