Königswinter: Gesamtschule Oberpleis ist "Schule ohne Rassismus"

Königswinter : Gesamtschule Oberpleis ist "Schule ohne Rassismus"

Die Oberpleiser Gesamtschule ist nun offiziell Mitglied im Netzwerk "Schule mit Courage - Schule ohne Rassismus". Markus Maria Profitlich ist Pate. Mehrere Schulen im Siebengebirge engagieren sich so bereits gegen Rassismus, Gewalt, Mobbing und jede Art von Diskriminierung.

„Ich bin stolz darauf, dass es eine Schule in meiner Heimat gibt, die sich offen gegen Rassismus stellt. Und ich bin stolz auf jeden einzelnen von euch, dass ihr Courage zeigt.“ Komiker Markus Maria Profitlich zeigte sich in der Aula des Schulzentrums in Oberpleis von einer ganz anderen Seite: Mit Ernst und Nachdruck in der Stimme ermutigte er die Gesamtschüler standhaft zu bleiben und ihren Weg weiter zu gehen – den Weg als „Schule mit Courage – Schule ohne Rassismus.“

So lautet der Name des Netzwerks, in das die Integrative Gesamtschule (IGS) nun ganz offiziell aufgenommen wurde – als eine von bundesweit 3000 Schulen, davon 30 im Rhein-Sieg-Kreis, darunter Schloss Hagerhof und das Siebengebirgsgymnasium in Bad Honnef. „Diskriminierung und Rassismus sind Themen, die uns alle angehen. Ich bin froh, dass wir einen Schritt in die richtige Richtung gehen – gegen Rassismus“, betonte Schulleiter Godehard Mai, der im Rahmen einer Feierstunde die Ernennungsurkunde aus den Händen von Ulrich Kox vom Kommunalen Integrationszentrum Siegburg entgegennehmen durfte.

Eine freiwillige Selbstverpflichtung

„Schulen gegen Rassismus ist ein Projekt für alle – Schüler, Lehrer und Mitarbeiter –, die das Klima an ihrer Schule mitgestalten möchten“, so Kox. Die Schulen unterschreiben eine freiwillige Selbstverpflichtung, sich aktiv gegen Rassismus, Gewalt, Mobbing und jede Art von Diskriminierung zu wenden. Sie sieht unter anderem vor, einmal im Jahr ein entsprechendes Projekt an der Schule durchzuführen.

„Der Titel ist kein Preis für etwas, was man schon geleistet hat, sondern er ist stete Verpflichtung für die Gegenwart und die Zukunft“. Um in das Netzwerk aufgenommen zu werden, hatten bereits vor zwei Jahren weit mehr als die geforderten 70 Prozent aller Mitglieder der Schulgemeinschaft ihre Unterschrift unter die Selbstverpflichtung gesetzt: 560 Jugendliche und Erwachsene setzen damit ein Zeichen gegen Rassismus und Diskriminierung. „Anti-Rassismus ist keine Einbahnstraße, das ist etwas, was von allen gelebt werden muss“, betonte Bürgermeister Peter Wirtz und appellierte an die Schüler, „den anderen stets so zu behandeln, wie ihr selbst behandelt werden möchtet.“

Opernsämgerin Josephine Pilars de Pilar zu Gast

Die Idee, sich aktiv gegen Rassismus zu engagieren, ist vor zwei Jahren im Unterricht entstanden. „Wir haben damals die Rede von Martin Luther King „I have a dream“ angehört“, berichtet Lehrerin Uta Pamukbezci. Ihre Schülerin Naoual Bouchuari habe daraufhin einen Antwortbrief geschrieben. Im Zentrum stand der Wunsch, dass es an der Schule keinen Rassismus und keine Diskriminierung mehr gibt. „Wir haben überlegt, was wir tun können, und sind auf das Netzwerk gestoßen“, so Pamukbezci. Schwieriger, als die erforderlichen Unterschriften zu sammeln, gestaltete sich die Suche nach einem Paten. Umso mehr freuen sich die Gesamtschüler nun, mit Profitlich einen heimischen Promi an ihrer Seite zu haben. Als prominenter Gast konnte Opernsängerin Josephine Pilars de Pilar begrüßt werden, die zwei Lieder sang. Naoual, die den Stein 2017 ins Rollen brachte, hat die Schule vor zwei Wochen erfolgreich beendet und wird nun Sozialpädagogik studieren.

Bemerkenswert waren die Beiträge, die die jungen Leute für die Feierstunde vorbereitet hatten: Naima Gharbaoui berichtete über den Alltag als muslimische Schülerin, Louisa Müller von einer Unterhaltung mit einem Polizisten. Die Schüler eines Spanisch-Kurses hatten eine Collage und Video mit eindringlichen Statements und Appellen für mehr Mitmenschlichkeit produziert. Eine beeindruckende Rede hielt Zehntklässlerin Azra Özdemir: „An unserer Schule geht es sehr farbenfroh zu, aber auch wir werden hier ab und zu mit Rassismus und Diskriminierung konfrontiert.“ Meist handele es sich um beiläufige Kommentare über Aussehen oder Herkunft des Anderen. „Dabei sollte doch jeder in der Gewissheit aufwachsen können, dass er so in Ordnung ist, wie er ist.“

Informationen zum Netzwerk gibt es unter https://www.schule-ohne-rassismus.org

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