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Umbau soll mehr Platz schaffen: Gemeindehaus in Königswinter-Stieldorf wird saniert

Umbau soll mehr Platz schaffen : Gemeindehaus in Königswinter-Stieldorf wird saniert

Die evangelische Kirchengemeinde schafft mehr Platz für Konfirmanden-Unterricht, Literaturkreis und andere Aktivitäten. Probleme an der Bausubstanz machen Maßnahmen nötig.

Mittagszeit auf der Baustelle. Alles ist ruhig. Pfarrerin Ute Krüger und Jörg-Rainer Molwitz stehen auf dem Dach des evangelischen Gemeindehauses in Stieldorf und besprechen die nächsten Schritte. „Wenn alles gut läuft, starten hier oben nächste Woche die Handwerker“, sagt Molwitz. Das alte Flachdach wird durch ein schräges Satteldach ersetzt. „Wir hoffen, dass die Arbeiten bis Mitte Februar abgeschlossen sind, dann geht’s mit dem Innenausbau weiter.“

Der Ingenieur ist derzeit mit einem Großprojekt befasst: Als Baukirchmeister der evangelischen Kirchengemeinde Stieldorf-Heisterbacherrott betreut er den Umbau des Gemeindehauses in seinem Heimatort – und dabei bleibt so gut wie kein Stein auf dem anderen stehen. Seit Herbst laufen die Arbeiten, voraussichtlich im Sommer soll das rund 700 000 Euro teure Projekt abgeschlossen sein.

Das Flachdach ist durchgebogen

Genau 50 Jahre ist der Bau an der Oelinghovener Straße alt. Viel Glas zur Straßenseite, Holzbalken an der Fassade und im Inneren, niedrige Decken, weiße Wände, Fliesenböden. Auf den ersten Blick wirkte das Gemeindehaus durchaus noch ansehnlich. Doch die Probleme verbargen sich insbesondere auf dem Dach und im Untergeschoss: „Das Flachdach hatte sich mit den Jahren so durchgebogen, dass das Regenwasser nicht mehr abfließen konnte“, sagt Krüger. „Selbst in den vergangenen Hitzesommern stand hier oben noch das Wasser.“ Als zweite Baustelle entpuppte sich der Keller, genauer der marode Abflusskanal, der immer wieder dafür sorgte, dass das Grundstück versumpfte.

Doch nicht nur die Bausubstanz bereitete der Gemeinde Sorge. „Für die verschiedenen Aktivitäten bot das Haus einfach zu wenig Platz“, so Krüger. 500 Quadratmeter Nettofläche verteilten sich auf Erd- und Untergeschoss, wo neben Lagerräumen lediglich noch Platz für einen kleinen Jugendkeller mit Blick auf einen Lichtschacht blieb. Im Erdgeschoss war neben den Büros auch die einstige Pfarrwohnung untergebracht. 2015 zog der damalige Pfarrer aus, die Räume wurden zur Unterbringung von Flüchtlingen genutzt, seit 2017 standen sie leer. Die Aktivitäten der Gemeinde – vom Konfirmandenunterricht über das Gedächtnistraining für Senioren bis hin zum Literaturkreis – fanden entweder im Jugendkeller oder im rund 50 Quadratmeter großen Gemeindesaal statt. „Es war ein ewiges Hin und Her, um alle Gruppen vernünftig unterzubringen“, so Krüger.

Eigentlich sei in der Gemeinde schon vor fünf, sechs Jahren klar gewesen, dass in Stieldorf etwas geschehen müsse, erinnert sich Molwitz. Im Bezirksausschuss für den Gemeindeteil Stieldorf habe es zahlreiche Überlegungen bis hin zu einem Abriss und Neubau gegeben, „aber das hätte den Kostenrahmen dann doch gesprengt“, sagt der Ingenieur, der das Amt des Baukirchmeisters im Ehrenamt ausübt. Das Presbyterium habe zahlreiche Angebote und Ausschreibungen geprüft, bis schließlich 2018 endgültig die Entscheidung für einen grundlegenden Umbau des Gemeindehauses gefallen sei.

Mehr Tageslicht und barrierefreie Sanitäranlagen

Zwei Gemeinderäume mit einer Fläche von je 100 Quadratmetern, zwei neue, barrierefreie Sanitäranlagen, etliche Dachfenster für mehr Tageslicht, höhere Raumdecken: Molwitz und Krüger entrollen die Bauzeichnungen mit einer Mischung aus Stolz und Vorfreude. „Außen bleibt die Gebäudestruktur erhalten, aber im Inneren reißen wir vieles weg“, sagt Molwitz. Quasi im Zentrum des Gemeindehauses gibt es künftig eine voll ausgestattete Küche statt wie bislang lediglich eine Teeküche. „Ich kann mir vorstellen, dass das ein schöner Treffpunkt für die Gemeinde wird“, sagt Krüger. Dort, wo sich einst das Schlafzimmer der Pfarrerfamilie befand, entstehen hinter Glasfronten drei neue Gemeindebüros. Der Jugendkeller im Tiefgeschoss erhält durch eine Art Atrium Zugang zum Garten – und mehr Licht. Die Ausgestaltung des Raumes haben dann die Jugendlichen in ihren Händen. „Ich glaube, da gibt es schon einige Pläne“, sagt Krüger.

Rund 500.000 Euro hatte das Presbyterium in einer ersten Kostenschätzung für den Umbau veranschlagt. Durch steigende Baukosten habe sich zwischenzeitlich das Projekt verteuert. 650.000 bis 700.000 Euro, so schätzt Molwitz, werden es am Ende werden. Das Geld stammt aus den Rücklagen, die auch durch das aufwendige Bauprojekt nicht aufgebraucht seien: „Die Gemeinde hat gut gehaushaltet und ordentlich gespart“, sagt Krüger. „Darauf kann man durchaus stolz sein.“

Molwitz wie auch Krüger freuen sich auf das neue Zuhause für ihre Gemeinde, „mit mehr Platz für alle Aktivitäten“, wie Krüger sagt. „Wir sind jetzt schon neugierig.“