Interview mit Michael Agi: "Es ging munter immer weiter"

Interview mit Michael Agi : "Es ging munter immer weiter"

Die Kachelsteiner Kulturtage feiern in dieser Saison ihren 20. Geburtstag. 150 öffentliche Konzerte und kulturelle Veranstaltungen in Königswinter und Umgebung, Ausstellungen mit ausgesuchten Künstlern, literarisch-musikalische Soireen zahlreiche Jazz-, Tango- und Flamenco-Abende sowie Kabarett- und folkloristische Darbietungen sind ein guter Anlass, um Bilanz zu ziehen.

Mit Michael Agi, Initiator der Kulturtage, sprach Alev Dogan.

Herr Agi, fühlt es sich wirklich wie 20 Jahre an?

Michael Agi: Nein, das tut es wirklich nicht. Die Zeit ist sehr schnell vergangen.

Wie ist die Zeit vergangen? Gab es Höhepunkte? Schwierigkeiten?

Agi: Eigentlich war jede einzelne Veranstaltung ein Höhepunkt für mich. Die diesjährigen Kulturtage sind klar ein Höhepunkt. Die Konzerte übertreffen alles bisherige. Mit dabei sind etwa Solistinnen wie Laetitia Hahn - wer weiß, ob sie zum Beispiel danach je wieder in Königswinter auftreten wird.

Hört sich nach einer durchweg positiven Bilanz an.

Agi: Durchaus. Sie müssen sich vorstellen, das Ganze entstand aus einer Art Familienidylle. Wir waren zehn, zwölf Familien, die sich regelmäßig zu Gartenpartys getroffen haben, gemeinsam musizierten und sich über Kunst und Kultur austauschten. Unsere Gruppe wurde mit der Zeit immer größer und wir begannen, Musiklehrer zu unseren Festivitäten einzuladen. Dann haben wir die Kachelsteiner Kulturtage aus der Taufe gehoben und die sind mittlerweile - zumindest nach unseren Recherchen - das größte Kulturfestival im Rhein-Sieg-Kreis.

Aus den privaten Feiern wurde ein Festival mit einem Namen. Wie kam der zustande?

Agi: Bei einem unserer Gartenfeste überlegten wir bei einem Glas Wein, wie wir dieses Kulturprogramm nennen sollten. "Kachelsteiner Kulturtage", schlug Julia Aston vor, da die Idee in der Straße "Am Kachelstein" geboren wurde. Damals haben wir alle herzlich über den Vorschlag gelacht - doch schon das nächste Flugblatt lud unter diesem Namen ein.

Wie geht es weiter? Auf weitere 20 Jahre?

Agi: Um Gottes Willen, ich bin ein alter Mann! Wie lange es die Kulturtage noch geben wird, kann ich nicht absehen. Ich habe in der Vergangenheit schon oft gesagt: "Jetzt schmeiße ich alles hin" - und dann ging es aber munter wieder weiter. Es fällt mir schwer, ein so schönes Projekt einfach abzuwürgen.

Ist es denn schwieriger geworden?

Agi: Jein. Es ist einfach größer geworden. Von Jahr zu Jahr wurde die Qualität höher, einen umso höheren Anspruch hatten wir dann auch an unsere Arbeit. Das ganze Organisatorische ist sehr aufreibend. Wir sind ein Team mit vielen Helfern und Förderern - sowohl für die Kulturtage, als auch beim Verein Pro Klassik und seinem Förderverein. Ich mache das zwar also nicht alles ganz alleine, doch trotzdem wird man nicht jünger, zumal ich vom Typ her eher ein Chaot bin.

Zur Person

Michael Agi wurde 1935 in Maschta-Azaar in Syrien geboren und ist dort aufgewachsen. Nach der Mittleren Reife arbeitete er in Damaskus, machte sein Abitur und kam zum Studium nach Deutschland. Er studierte Meteorologie in Berlin und promovierte in Bonn. Seit August 1981 lebt Agi in Königswinter. Er ist Initiator der Kachelsteiner Kulturtage und Erster Vorsitzender des Vereins "Pro Klassik", der sich der Förderung Klassischer Musik widmet.

Das Programm 2015

  • Freitag, 12. Juni, 19 Uhr: Eröffnungsfeier in der Abtei Heisterbach; um 20 Uhr das Eröffnungskonzert für Klavier und Orchester der Sinfonietta Wuppertal unter Dirigat von Tobias van der Locht und mit den Solistinnen Laetitia Hahn und Laida Hitaj
  • Samstag, 13. Juni, 16 Uhr: Vernissage mit Werken von Carolin Nagel im Haus Michael Agi (Am Kachelstein 5, Rauschendorf); ab 19 Uhr musikalisch-literarische Soiree mit Dirk Cornelsen und Nirse González
  • Freitag, 19. Juni, 19 Uhr: Konzert für Flöte und Klavier mit Daniel Agi und Andreas Wolter in der Abtei Heisterbach
  • Sonntag, 21. Juni, 19 Uhr: Gitarrenabend mit Hubert Käppel in der Evangelischen Kirche Oberpleis
  • Freitag, 26. Juni, 19 Uhr: Liederabend mit Frederik Schauhoff und Julia Hermanski in der Evangelischen Kirche Königswinter-Altstadt
  • Sonntag, 28. Juni, 12 Uhr: Ausklang mit Finissage, Hauskonzert und Gartenfest im Haus Michael Agi.