Bäder in Königswinter: Elke Stoll und Ingolf Pott: "So kann es nicht weitergehen"

Bäder in Königswinter : Elke Stoll und Ingolf Pott: "So kann es nicht weitergehen"

Beim Thema Bäder in Königswinter steht nach dem Beschluss des Stadtrats, auch das zweite Bieterverfahren zu beenden, wieder alles auf Null. Über die bisherige Freibadsaison und wie es in Zukunft weitergeht sprechen Elke Stoll und Ingolf Pott von der Geschäftsführung des Schwimmtreffs, der beide Bäder betreibt.

Wie ist denn die Freibadsaison bisher gelaufen? Der Sommer war ja bisher zwar zeitweilig heftig, aber doch eher kurz...
Ingolf Pott: Das drückt sich auch in den Zahlen aus. Im Mai und Juni hatten wir im Freibad 7700 Besucher, im Juli waren es bisher mehr als 10 000. Und eigentlich sind die alle in der Woche gekommen, in der es richtig heiß war.
Elke Stoll: Ja, in der Zeit haben wir 350 Kilo Fritten an drei Tagen verkauft. Der Andrang war wirklich riesig. Wir waren fast ein wenig froh, als es kühler wurde und wir durchatmen konnten.

Der Ansturm kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass es beim Freibad einen Sanierungsstau gibt.
Pott: Das ist richtig. Die Anlage ist alt. Da passiert es, dass der Ablauf einiger Duschen zum Beispiel nicht richtig funktioniert. Das ist dann gerade bei großem Andrang ein Problem.
Stoll: Aber wenn das Wetter so toll ist, dann interessiert das die Leute gar nicht. Die möchten einfach nur schwimmen.
Pott: Stimmt. Da schauen die Besucher gar nicht so genau hin. Das ist im Hallenbad ganz anders.

Wie es mit dem weitergeht, ist ja jetzt wieder offen.
Pott: Ja. Die Stadt muss entscheiden, was sie will. Beide Bäder sanieren oder eins sanieren und eins aufgeben. Das Hallenbad neu bauen, und das Freibad aufgeben - es gibt viele Möglichkeiten.

Und welche Variante sehen Sie als die richtige an?
Pott: Jedenfalls muss die Stadt bedenken, dass das Hallenbad ein sehr gut angenommenes Bad ist. Das belegen auch die Besucherzahlen, die immer zwischen 135.000 und 145.000 liegen. Die Tendenz ist trotz des Zustandes des Bades nicht rückläufig, im Gegenteil, die Nachfrage steigt.
Stoll: Ja, gerade auch bei den Kursen. Das hat auch mit den tragischen Badeunfällen in jüngster Zeit zu tun. Wird in den Medien darüber berichtet, steht bei uns das Telefon nicht mehr still. Dann könnten wir auch nachts Kurse anbieten, so gefragt sind sie.

Aber präferieren Sie einen Neubau oder eine Sanierung? Solange Sie selbst am Bieterverfahren beteiligt waren, waren Sie ja stets für einen Neubau...
Pott: Und das sind wir immer noch. Denn nur dann ist ein reibungsloser Übergang ohne Schließung möglich. Das wird immer vergessen: Wenn saniert wird, muss das Bad für zwölf bis 18 Monate schließen.
Stoll: Und bei einer Sanierung weiß man auch nicht, welche Fallstricke sich noch auftun, wenn es ans Eingemachte geht. Wir arbeiten täglich mit der Anlage und kennen die Probleme. Da reicht manchmal schon ein Platzregen.
Pott: Auf jeden Fall sollte das Bad 1:1 wieder so gebaut werden, wie es jetzt ist. Also mit Sprungturm und entsprechender Wassertiefe.

Bei der Entscheidung, wie es weitergehen soll, muss die Politik auch immer auf die angespannte Haushaltssituation schauen. Immer häufiger wird von verschiedenen Parteien die Schließung des Freibades ins Spiel gebracht. Wie stehen Sie dazu?
Stoll: Das wäre natürlich schade, denn es ist das schönste Freibad hier in der Gegend. Und wir haben eine bestimmte Klientel, die das Ambiente sehr schätzt. Es ist beispielsweise ein anderes Publikum als auf Grafenwerth. Im Lemmerzfreibad zu arbeiten, ist toll.
Pott: Aber aus wirtschaftlicher Sicht müssen wir natürlich zugegeben, dass das auch für uns eine Option ist. Wenn wir einen schlechten Sommer haben, bleiben wir weit unter den erwarteten Besucherzahlen. Dennoch müssen wir das Personal vorhalten und die in der Vereinbarung mit der Stadt festgelegten Öffnungszeiten anbieten. Auch wenn es kalt ist. Da wird der Gewinn, den wir im Hallenbad erwirtschaften, im Freibad schon mal aufgefressen.
Stoll: Vielleicht fände sich ja eine private Initiative, die das Bad übernehmen würde, ähnlich wie in Friesdorf.

Aus der Politik hört man Gemurre, dass die Stadt bei den Zuschüssen an den Schwimmtreff ständig nachlegen muss...
Pott: Der Betriebskostenzuschuss ist seit Jahren nicht mehr angepasst worden. Jetzt ist zwar der Betriebszuschuss für das Hallenbad erhöht worden, die gleichzeitig gestiegenen Instandsetzungs- und Energiekosten werden dadurch aber nicht gedeckt.
Stoll: Die Schere zwischen dem, was wir bekommen, und dem, was wir ausgeben, geht immer weiter auseinander. Reparaturen bis 1000 Euro müssen wir selbst tragen. Wenn man dann drei mal die Woche den Dachdecker rufen muss, weil es hereinregnet, kommt da schnell einiges zusammen.
Stoll: Trotzdem liegt der Zuschuss, der von der Stadt pro Schwimmer gezahlt wird, immer noch deutlich unter dem, was bundesweit üblich ist. Und ich bin sicher, dass das auch für die Bäder in der Region gilt.

Und das liegt woran?
Pott: Wir haben, als wir das Bad 1997 übernommen haben, ganz bewusst ein Konzept überlegt und uns für ein 08/15-Bad entschieden. Ohne Rutsche und Wellness-Bereich. Vom Bad über die Kurse bis hin zum Bistro liegt alles in einer Hand. Wir sehen sehr schnell, wenn es irgendwo nicht richtig läuft und können dann sofort gegensteuern, zum Beispiel mehr Werbung machen.

Die ständige Hängepartie hat es aber bestimmt nicht leichter gemacht, oder?
Stoll: Natürlich nicht. Wir müssen uns den Fragen der Badegästen stellen, die wissen möchten, ob es stimmt, dass das Bad gleich über ihnen zusammenfällt. Da gab es Beiträge in den Medien, die nicht hilfreich waren.
Pott: Und wenn man nicht weiß, ob man im nächsten Jahr noch da ist, kann man nichts anschaffen, nichts mieten oder leasen.
Stoll: Bei jeder Jahreskarte fragt man sich: Kann ich die überhaupt noch ausstellen.
Pott: Für die Mitarbeiter ist das natürlich auch belastend. Ich bin froh, dass so viele von ihnen bereit sind, das mit uns auszusitzen. Aber es ist klar: Es muss jetzt was passieren. Denn so wie bisher kann es nicht länger weitergehen.

Zu den Personen

Elke Stoll (48) teilt sich mit ihrer Schwester Claudia Mäschig und ihrem Schwager Ingolf Pott (53) die Geschäftsführung der Schwimmtreff GmbH.

Der Schwimmtreff ist seit 1997 Betreiber des Lemmerzhallenbads und seit 2009 auch Betreiber des Lemmerzfreibads. Beide Bäder sind Eigentum der Stadt. Stoll ist verheiratet und wohnt - wie auch Ingolf Pott und ihre Schwester - in Thomasberg.

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