Abbildung einer Szene anno 1949: Einzigartiger Wandfries in Oberpleis wird verschönert

Abbildung einer Szene anno 1949 : Einzigartiger Wandfries in Oberpleis wird verschönert

Restauratorin Sophia Michnia verschönert den einzigartigen Wandfries in Haus Bramkamp in Oberpleis. Die Wandmalereien erzählen viel über die Ortsgeschichte Ende der 1940er Jahre.

Vor dem Haus Bramkamp stehen die drei Mädels Ursel, Edith und Doris, die Töchter von Otto Bramkamp, Wirt und Eigentümer des Traditionslokals. Die Straßenszene ist eine Momentaufnahme aus dem Jahr 1949, als die Künstler Tony Bachem-Heinen und Paul Bachem die Wände von Haus Bramkamp mit typischen Szenen aus dem Oberpleiser Ortsleben bemalten. Entstanden ist ein einzigartiger Wandfries.

„Das blonde Mädchen in der Mitte, das ist meine Tante Edith“, sagt Tobias Hödtke. „Ja, ich bin die einzige Überlebende, die in diesem Haus aufgewachsen ist“, ergänzt Edith Müllenholz, die 1943 geboren wurde. Ihre beiden Schwestern leben nicht mehr.

Letzte Restaurierung vor 23 Jahren

Damit die Wandmalereien, die viel über die Oberpleiser Ortsgeschichte Ende der 1940er Jahre erzählen, wieder in alter Pracht erstrahlen, hat die Familie Hödtke die Diplom-Restauratorin für Wandmalerei und Stein, Sophia Michnia, engagiert, die nur ein paar hundert Meter entfernt wohnt. Seit der letzten Restaurierung im Jahr 1996 hat der Zahn der Zeit schließlich ganz schön an den Bildern genagt. Da momentan im Haus Bramkamp Betriebsferien sind, kann die 44-Jährige ungestört arbeiten. „Ich habe zunächst alles gereinigt. Dann habe ich die Risse mit Kalkspachtel gefüllt. Jetzt kann ich mit dem Retuschieren beginnen. Das ist meine Leidenschaft“, sagt Michnia.

„Das Fachwerk unter dem Putz arbeitet, so dass sich immer wieder Risse bilden. Daran kann ich nichts ändern. Ich kann nur die Schäden beheben“, so die Restauratorin. Auch durch die Kondensfeuchte ist die acrylgebundene Farbe, die die beiden Künstler verwendet haben, nach und nach abgeblättert. 1968 hatten Tony und Paul Bachem die Malereien, die 1949 eher blass geraten waren, noch einmal mit kräftigerer Farbe erneuert.

Orts- und Familiengeschichte

Der Blick auf den Wandfries führt automatisch zu einem Gespräch über die Orts- und Familiengeschichte. „Die Familie Bramkamp ist 1911 nach Oberpleis gekommen. August Bramkamp hat damals eine Tochter aus dem Hause Broel geheiratet“, weiß Edith Müllenholz zu erzählen. August Bramkamp war ihr Opa. Ein einzelnes Bild an der Wand zeigt das heutige Haus Bramkamp um 1910. Darunter steht „Restauration von Josef Broel“ geschrieben. Um 1930 übernahm Otto Bramkamp dann die Gaststätte. Seitdem trägt das Haus Bramkamp seinen Namen.

1996 wurde Doris Hödtke, die Mutter von Tobias Hödtke, mit ihrem Mann Kurt neue Eigentümerin und ließ das Haus von Grund auf sanieren. Heute gehört es den vier Geschwistern Elisabeth, Markus, Irmgard und Tobias. Seit neun Jahren ist Haus Bramkamp fest in der Hand kroatischer Pächter. Seit dem vergangenen Jahr steht Abnor Shala, den sie in Oberpleis nur „Boni“ nennen, hinter der Theke.

Gedicht beschreibt Motive

Über der Wandmalerei ist der Spruch zu lesen: „Am Fuß der Sieben Berge ein schönes Dorf ich weiß, drin lieb ich jeden Winkel, es ist mein Oberpleis!“ Hierbei handelt es sich um die erste Strophe von einem langen Gedicht, in dem die beiden Künstler die Motive ihrer Wandmalereien im Jahr 1969, 20 Jahre nach der Entstehung, beschreiben.

So findet auch die Szene vor dem Haus Bramkamp dort Erwähnung. „Die kleinen Bramkamps-Mädchen, die standen vor der Tür, und nun nach zwanzig Jahren sind's drei Jungen dafür.“ Dabei spielen die Autoren auf Edith Müllenholz und ihre Schwestern an. Die drei Jungen sind ihre Söhne Uwe, Markus und Rolf.

Blick in die Vergangenheit

Das Gedicht findet sich zusammen mit den Fotos der Wandmalereien in einem Album, das Paul Bachem Doris und Kurt Hödtke 1996 zur Silberhochzeit schenkte. Tony Bachem-Heinen starb bereits in den 1980er Jahren.

Eine Besichtigung der Wandmalereien lohnt sich in jedem Fall. Allein um einen Eindruck davon zu bekommen, wie ansehnlich der Kirchplatz vor 70 Jahren war. Damals gab es dort noch die Hotels Söntgen und Post, durch die Mauer um das Kirchengelände führte eine Treppe zum Hochkreuz. Vor der Kirche steht das Brautpaar Grete und Adolf Wendel. Das Haus des Malermeisters an der Dollendorfer Straße wurde abgerissen. Heute befindet sich dort ein Optiker. Die Löwen-Apotheke gab es damals auch schon, allerdings noch auf der anderen Straßenseite, dort wo heute die Volksbank steht.

„Die Wandmalereien sind auf jeden Fall ein schönes Stück Geschichte. Wer weiß sonst schon noch, wie Oberpleis früher einmal aussah?“, sagt Tobias Hödtke. Wenn Sophia Michnia ihre Arbeit abgeschlossen haben wird, erstrahlt dieses Stück Geschichte wieder in kräftigen Farben.

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