Filmmusiken jüdischer Komponisten standen im Mittelpunkt einer spannungsreichen Matinee auf dem Petersberg: Eine Zugabe im 007-Takt

Filmmusiken jüdischer Komponisten standen im Mittelpunkt einer spannungsreichen Matinee auf dem Petersberg : Eine Zugabe im 007-Takt

Mit der Machtergreifung der Nazis begann auch der Exodus jüdischer Komponisten aus Deutschland und Kontinentaleuropa. Zahlreiche Tondichter gingen ins Exil in die Vereinigten Staaten und begannen in Hollywood eine zweite Karriere mit wahren Meisterwerken der Filmmusik.

Eine spannungsreiche Matinee in der Rotunde des Steigenberger Grandhotels Petersberg setzte sich am Sonntag im Rahmen der Jüdischen Kulturtage mit dieser kulturhistorischen Phase auseinander. Die Sinfonia Königswinter spielte mit den Dellbrücker Symphonikern und dem Blasorchester Lessenich, ferner wirkten Mitglieder aus vier Kölner Chören mit - die Leitung am Pult teilten sich Tobias van de Locht und Jakob Gaede, die auch den Großteil des Programms orchestriert hatten. Nach der sehr vertrauten 20th Century Fox Fanfare von Alfred Newman als Intro folgte zunächst eine ausufernde Kantate für Erzähler, Chor und Orchester, die Gaede aus der Filmmusik zu "Der Herr der Ringe - Die Rückkehr des Königs" (2003) geschaffen hat. Die Musik stammt aus der Feder des vielbeschäftigten (und übrigens nichtjüdischen) kanadischen Komponisten Howard Shore.

Höhepunkt der Matinee waren die Einsätze der deutschen Synchronschauspieler-Legende Eckart Dux (89), der unter anderem Stars wie Anthony Perkins, Jack Lemmon und Gene Kelly seine Stimme lieh. Derzeit ist Dux als deutsche Stimme von Ian "Gandalf" McKellen in den "Hobbit"-Filmen in aller Ohr und war damit zusätzlich prädestiniert.

Der Doyen seiner Zunft brillierte selbst in kürzesten Einlagen mit seiner charismatischen Stimm- und Sprechkunst. Dux vergoldet jedes einzelne Wort. Neben der von Tobias van de Locht rekonstruierten Fassung des Finales aus Jerry Goldsmiths "Alien"-Soundtrack (1979) wussten insbesondere die Aufführungen einer Suite für Streichorchester mit zwei Harfen und Schlagwerk aus Truffauts Literaturverfilmung "Fahrenheit 451" (1966) und einer Suite aus "Die Reise zum Mittelpunkt der Erde" (1958) für Blasorchester mit fünf (!) Orgeln (in der Rotunde durch fünf Keyboards ersetzt), zwei Harfen und Schlagwerk zu begeistern - beide Kompositionen aus den Filmmusiken des genialen Bernard Herrmann. Für Entspannung sorgte zwischendurch die wunderschöne "Palace Music" für zwei Flöten und zwei Harfen aus Miklós Rózsas Partitur zu "El Cid" (1961).

Die Zugabe, das flotte "James Bond Theme" von Monty Norman, dirigierte Van de Locht sozusagen im 007-Takt - und mit Daniel-Craig-Maske vor dem Gesicht.

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