Kunst im Siebengebirge: Eine neue Anlaufstelle für kreative Köpfe

Kunst im Siebengebirge : Eine neue Anlaufstelle für kreative Köpfe

Dank eines Sponsors gibt es nun ein kulturelles Koordinationsbüro in Königswinter. Franca Perschen ist die Projektleiterin von „kreativ.kontor.königswinter“. Ihr erstes Projekt: die Kunsttage Königswinter.

Franca Perschen ist im Kulturbetrieb des Siebengebirges wahrlich keine Unbekannte. Sie stellt als Künstlerin aus. Sie mischt als führender Kopf bei Antiform mit. Gemeinsam mit dem Bad Honnefer Helmut Reinelt betreibt die Rheinbreitbacherin das Kulturbüro 5, dessen erster Auftrag die Ausschreibung der Skulpturen auf dem Drachenfels war und das das Marketing für den Königssommer betreibt. Nun ist eine weitere Aufgabe hinzugekommen: Dank der finanziellen Unterstützung durch ein örtliches Unternehmen ist sie jetzt 20 Stunden im Monat auch Projektleiterin einer unabhängigen Anlaufstelle für kreative Köpfe der Region: dem „kreativ.kontor.königswinter“ – kurz 3K genannt.

„Das klingt erst einmal ziemlich nüchtern“, sagt Reinelt. „Dabei ist das eine kleine Sensation. Es ist eine neue Ebene der kulturellen Vernetzung.“ In Zeiten leerer Haushaltskassen bliebe vielen Kommunen kein großer Spielraum mehr bei der Finanzierung freiwilliger Leistungen. Und dazu gehöre nun einmal auch die Kulturförderung. Als Konsequenz, so die beiden Kunstschaffenden, fehle es in vielen Kommunen am „organisatorischen Rückgrat“, das die Aktionen und Initiativen von Gruppen und Einzelpersonen koordinieren und miteinander vernetzen könne.

Genau da will man ansetzen. Und glaubt dabei ein Modell gefunden zu haben, dass Schule machen könnte: eine privat gesponsorte Kulturmanagerin eben. „Zurück geht das Ganze auf eine Initiative der Lokalen Agenda 21/AG Kunst und Kultur“, so Perschen. Als gemeinnütziger Verein seien die Aktivisten dieser Gruppe schon seit vielen Jahren dafür mitverantwortlich, dass die Stadt am Drachenfels ein eigenständiges kulturelles Profil habe entwickeln können. Dazu gehören die Kunsttage Königswinter, die in diesem Jahr schon zum 15. Mal stattfinden, das Wet Painting und etliche andere kulturellen Veranstaltungen.

Und nun konnte Heinz Zöller von der AG Kunst und Kultur einen privaten Sponsor dafür gewinnen, die Einrichtung eines kulturellen Koordinationsbüros für Königswinter als zeitlich befristetes Pilotprojekt zu fördern. Mit Tom Macke, dem Geschäftsführer des ortsansässigen Unternehmens C. Gerhardt GmbH & Co. KG, fand er einen engagierten Partner für seine Initiative. „Als Urenkel des berühmte Malers August Macke hat er eine große Nähe zur Kunst, die sich auch in der firmeneigenen Philosophie wiederfindet“, so Reinelt.

Kulturelle Engagements sollten Energie und positive Auswirkungen in den normalen Alltag des Unternehmens einfließen lassen, das eines der weltweit führenden Anbieter von Laborgeräten und Verfahren zur Analyse von Futter- und Lebensmitteln ist. Bis Ende des Jahres wollen die Beteiligten Erfahrungen mit diesem neuen Konzept des kommunalen Kulturmanagements sammeln und anschließend die Ergebnisse analysieren – und über eine mögliche Fortsetzung beraten.

Was nicht heißt, dass Perschen sich nicht schon Gedanken gemacht hat, wie es weitergehen könnte. Sie kann sich eine Anlaufstelle mit festen Sprechzeiten vorstellen. Dort könnten Kunstschaffende dann zum Beispiel Informationen über Fördermöglichkeiten erhalten. Aber das ist Zukunftsmusik. Derzeit ist Perschen voll und ganz mit ihrem ersten Projekt ausgelastet: die diesjährigen Kunsttage. Mit neuen Ideen will sie für frischen Wind sorgen und die Vernetzung mit den umliegenden Kommunen im Siebengebirge fördern – deshalb ist beispielsweise erstmals auch Bad Honnef vertreten. Viel mehr will sie noch nicht verraten.

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