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Brücke im Tretschbachtal: Eine Brücke aus Robinien

Brücke im Tretschbachtal : Eine Brücke aus Robinien

Das war stilecht. Zimmermeister Ferdinand Hoitz zitierte seinen Richtspruch, prostete mit einem Apfelobstler von den Streuobstwiesen des Siebengebirges Bauherr und Brückenbaumannschaft zu und ließ dann sein Schnapsglas am Stein zerschellen. Tatort: das Tretschbachtal, durch das einer der romantischsten Wege im Siebengebirge führt.

Wer von Rommersdorf aus Richtung Löwenburg geht, kann das idyllische Tal durchwandern. Am Tretschbach entlang führt ein schmaler Pfad. Bohlenwege führen über Sickerquellen. Und über mehrere Holzbrücken hinweg kann der Wanderer die Seiten wechseln.

In den letzten Tagen wurde die Ruhe im Tal allerdings durch Hammerschläge und Bohrgeräusche gestört. Der Verschönerungsverein für das Siebengebirge (VVS) erneuerte etwa in Talmitte eine der Brücken. Gestern wurde sie eingeweiht. Hoitz sagte: "So spreche ich den Zimmersegen auch über diese Brücke aus: Gott nehme sie in seinen Schutz, damit sie allem biete Trutz, was mit Vernichtung sie bedroht. Vor Eisgang und vor Wassersnot, vor Wetterschäden und vor Brand bewahr' er sie mit starker Hand!"

Der Grund für die Baumaßnahme: Die tragenden Balken des alten Stegs wiesen Schäden durch Fäulnis auf. VVS-Vorsitzender Hans Peter Lindlar: "Die Verkehrssicherheit wäre in absehbarer Zeit nicht mehr gewährleistet gewesen." Und deshalb wurde rechtzeitig gehandelt.

Mitglieder der ehrenamtlichen VVS-Arbeitsgruppe unter Leitung von Gerhard Müller demontierten die Brücke und transportierten die Holzteile Schubkarre für Schubkarre zum Talausgang. Das frische Material wurde bei der Fritscheshardt-Hütte angeliefert und mit einem Traktor in die Nähe der Brücke gebracht. Nun folgte allerdings die schwerste Prozedur. Die Helfer mussten die Teile anschließend über die letzten 250 Meter schleppen und einen Steilhang hinunterlassen.

Unternehmer Ferdinand Hoitz aus Oberdollendorf errichtete das neue Brückenbauwerk fachmännisch. Eine besondere Konstruktion wird das Holz vor Boden- und Wasserkontakt schützen. An jeder Seite sitzt die Brücke auf vier überdimensionalen Stahlschrauben, die über einen Meter tief in den Boden gesenkt wurden. Dazu musste eigens ein Bohrgerät mit Elektroaggregat herbeigeschafft werden. Die Brücke ist von jeder Seite her über wenige Stufen zu erreichen. Denn die lichte Höhe unter der Brücke ist größer als an den anderen Tretschbachtalbrücken.

Hans Peter Lindlar dankte den unermüdlichen Arbeitern bei dem kleinen Einweihungsfest. Auch den Materialspendern galt ein großes Dankeschön. Die hölzernen Elemente wurden aus heimischen Robinien gefertigt. Zwei Stämme stiftete August Heinen aus Bad Honnef; die weiteren Stämme stellte das Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft zur Verfügung. Meister Hoitz: "Robinienholz eignet sich optimal für diesen Zweck." Es hält lange und soll nun viele Jahre die Wanderer sicher tragen.

Ferdinand Hoitz sagte in seinem Spruch: "Und somit übergeb ich auch - nach alter Sitte diese Brücke nunmehr zu jedermanns Gebrauch. Sie diene allen stets zum Glücke!"