Kolumne: Ein Wertgelass für bedrohte Wörter

Kolumne : Ein Wertgelass für bedrohte Wörter

Aus einem Schwimmbad ist ein Wertgelass gestohlen worden. Den fast schon in Vergessenheit geratenen Begriff hat GA-Redakteurin Katrin Janßen zum Anlass genommen, über weitere bedrohte Wörter nachzudenken.

Hand aufs Herz: Wissen Sie was ein Wertgelass ist? Die Redaktion jedenfalls, gestehen wir zu unserer Schande ganz offen ein, wusste es nicht. „Nach derzeitigem Ermittlungsstand ist ein männlicher Täter zum Tatzeitpunkt in die Räumlichkeiten des Schwimmbades eingedrungen und hat dort ein Wertgelass entwendet“, hieß es in der Polizeimeldung. Ein was? Nie gehört! Reihum Kopfschütteln.

Ein Blick in den Duden hilft nicht weiter, stattdessen wird gegoogelt. Und siehe da: Bei einem Wertgelass handelt es sich um einen Tresor. Und wenn man so darüber nachdenkt, ist es eigentlich ein sehr schönes Wort, schöner jedenfalls als „mehrwandiger Stahlschrank“. Was natürlich direkt dazu verleitet, über weitere Wörter nachzudenken, die eigentlich zu schön sind, um in Vergessenheit zu geraten. Hagestolz zum Beispiel. Dabei handelt es sich, für die Jüngeren, um einen älteren männlichen Junggesellen. Oder das schöne Wort Muhme. Es klingt schon nach kuscheln, Keksen mit Milch und – um ein ebenfalls schon selten gewordenes Wort zu zitieren: heimelig. Oh, und es bedeutet Tante.

Und die Entwicklung geht weiter: Der junge Nachwuchskollege scheiterte bereits am „Mimen“. Und das, obwohl durchaus kinoaffin. Inzwischen stehen sogar schon Galanterie und honorabel auf der Liste der bedrohten Worte – auch wenn das jetzt wieder einen anderen, nicht minder bedauernswerten, Hintergrund haben könnte. Ganz nach dem Motto: gibt es sowieso nicht mehr.

Hoffnung macht allerdings, dass das moderne Orthografieprogramm des Computers tatsächlich noch all diese Worte kennt. Trotzdem wünscht man sich einen Wertgelass, in dem dann all die wunderschönen Worte sicher aufbewahrt sind.