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Auszeichnung für die Stiftung Naturschutzgeschichte: Ein römischer Hausgott für die Vorburg

Auszeichnung für die Stiftung Naturschutzgeschichte : Ein römischer Hausgott für die Vorburg

Die Vorburg von Schloss Drachenburg hat nun einen Hausgott. Peter-Johannes Droste, Vorsitzender des Landesverbandes nordrhein-westfälischer Geschichtslehrer, überreichte den römischen Lar als Bronzeguss an Professor Hansjörg Küster, den Vorstandsvorsitzenden der Stiftung Naturschutzgeschichte.

Die Skulptur ist das Symbol für den Freya-Stephan-Kühn-Preis. Mit diesem Preis ist die Stiftung Naturschutzgeschichte ausgezeichnet worden; sie residiert bekanntlich in der Vorburg. Als Ehrengast nahm Wolfgang Ewald Burhenne an der Zeremonie teil. Der 90-jährige Forst- und Politikwissenschaftler ist Träger des Umweltpreises der Vereinten Nationen.

Er war Mitbegründer der Umweltorganisation World Wildlife Fund (WWF), arbeitete am Washingtoner Artenschutzabkommen mit und wirkte als Geschäftsführer der Interparlamentarischen Arbeitsgemeinschaft (IPA) seit ihrer Gründung 1953 bis zu ihrer Auflösung im vergangenen Jahr. Die IPA lieferte auch den Grund für die Ehrung. Ihr Archiv befindet sich nämlich bei der Stiftung für Naturschutzgeschichte. Hier wurden die Akten nicht nur ausgewertet, sondern auch überlegt, wie die Materialien für den Unterricht in Schulen genutzt werden könnten.

Über eine Anfrage bei der Bezirksregierung Köln kam es zum Kontakt mit Frank Schweppenstette, dem Fachleiter für Geschichte, der dann ebenso am Projekt mitarbeitete wie Jürgen Rosebrock von der Stiftung und Historikerin Sabine Diemer. Rosebrock meinte: "Wir waren anfangs skeptisch, ob sich das Material für die Schule umsetzen lässt. Aber wir freuen uns, dass Sie als Lehrer es für praktikabel halten." Frank Schweppenstette bekundete: "Diese Quellen schlagen ein neues Kapitel auf. Wir haben überlegt, wo diese Themen im Unterricht angedockt werden können, was für Schüler interessant sein könnte."

Dieses Projekt wurde übrigens von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert. Die Unterrichtsmaterialien, die als Mappe vorliegen, aber auch von der Homepage der Stiftung heruntergeladen werden können, eignen sich für Schüler ab dem neuntem Schuljahr. Sie erfahren daraus eine Menge über bundesdeutsche Umweltpolitik in den 50er und 60er Jahren - fächerübergreifend in Geschichte, Sozialwissenschaften und Geografie. Am besten ist natürlich das Lernen vor Ort in der Vorburg mit Museum, Forum und Bibliothek sowie Archiv.

Gewürdigt wurde vom Geschichtslehrerverband insbesondere, dass die Stiftung mit den Unterrichtsmaterialien die Geschichte der "gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit der industriell geprägten Moderne im Sinne einer ökologischen Entwicklung lebendig und wirksam" halte. "Mit dieser Preisverleihung möchten wir auf den außerschulischen Lernort der Stiftung hinweisen und ihn empfehlen", machte Peter Johannes Droste schönste Werbung für Drachenfels, Schloss und Vorburg. "Hier im Haus können Schüler gut lernen, hier gibt es schöne Stücke, bei denen einem das Herz aufgeht." Und Professor Köster versprach: "Der römische Lar soll in der Vorburg einen Ehrenplatz erhalten."

Freya-Stephan-Kühn-Preis

Der Freya-Stephan-Kühn-Preis wird alle zwei Jahre vom Landesverband für Geschichtslehrer an Institutionen oder Personen verliehen, die sich in der außerschulischen Vermittlung von Geschichte besonders verdient gemacht haben. Der Preis ist mit 1000 Euro dotiert.

Er erinnert an die ehemalige Vorsitzende des Landesverbandes, Freya Stephan-Kühn (1943-2001). Sie war Geschichts- und Lateinlehrerin und Verfasserin von historischen Sachbüchern für Kinder und Jugendliche wie etwa "Viel Spaß mit den Römern". Der Ehemann der promovierten Historikerin stiftete den Preis im Andenken an seine Frau.

Unter den Preisträgern waren das Haus der Geschichte in Bonn und das NS-Dokumentationszentrum in Köln. Dem Landesverband gehören 1000 Geschichtslehrer an.

Interparlamentarische Arbeitsgemeinschaft

Abgeordnete des Bundestages und deutscher Länderparlamente gründeten im Jahr 1953 die Interparlamentarische Arbeitsgemeinschaft (IPA). Sie wollten überparteilich, parlamentsübergreifend und im Konsens die Lebensgrundlagen des Menschen durch eine nachhaltige Wirtschaftsweise sichern. Besonders in den 50er und 60er Jahren befassten sie sich mit zeitgenössischen Umweltproblemen.

Die Abgeordneten sorgten maßgeblich dafür, dass Umwelt- und Naturschutzfragen auf die Agenda der Parlamente gelangten - so etwa die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen, die Verpestung der Luft oder die Vergiftung der Gewässer. Dank ihrer Hartnäckigkeit sind Gesetze entstanden, von denen einige bis heute im Kern gelten. Der IPA beschloss im Jahr 2013 seine Auflösung.

Mehr Informationen gibt es im Internet unter www.naturschutzgeschichte.de.