Dieser Entwurf diente noch öfter als Vorlage: Ein Prototyp des Kirchenbaus

Dieser Entwurf diente noch öfter als Vorlage : Ein Prototyp des Kirchenbaus

Die Kapelle in Uthweiler wurde in den 1960er Jahren zur Vorlage für andere Sakralbauten

Der "Typ Uthweiler" war gefragt. Nein, das sind nicht die Bewohner des nordöstlichen Ortsteils von Königswinter. Sondern dieser "Uthweiler" wurde zum Topmodel des Erzbistums Köln. Er ist 22,25 Meter lang und 15,40 Meter breit und entstand auf dem Reißbrett von Diözesanbaumeister Schlomps.

Dieser Kirchenentwurf des Baurats diente noch öfter als Vorlage. Aber in Uthweiler wurde diese Planung erstmals ausgeführt. Nach langem Hin und Her konnte auf dem alten Kapellenplatz am Pfingstsonntag 1968 die neue Filialkirche Sankt Michael eingeweiht werden.

Der Oberpleiser Pastor Wichert erlebte diesen Tag nicht mehr. Unermüdlich hatte er beim Erzbistum Gesuche eingereicht. Ausgerechnet an seinem Todestag im Mai 1967 wurde die erste Rate für den Neubau überwiesen.

In Sankt Michael fanden nun 180 Besucher einen Sitzplatz. Raumnot, der schlechte Zustand und hohe Reparaturkosten waren der Grund für die Entscheidung zum Abriss der alten Kapelle, der bereits bei einem Ortstermin Anfang der sechziger Jahre von Baurat Schlomps selbst favorisiert wurde.

Dem "Typ Uthweiler" liegt die alte basilikale Form mit drei Kirchenschiffen zugrunde. Es handelt sich um einen Stahlbetonskelettbau mit Kalksandsteinausmauerung. Der Innenraum ist mit Holz vertäfelt, der Altarraum lediglich um eine Stufe und der Platz für den Chor um zwei Stufen angehoben. Das Credo: Priester, Schola und Volk sollen beim Gottesdienst eine Einheit bilden. Das waren nun völlig andere Dimensionen.

Zunächst gab es im Dorf seit 1880 nur eine kleine Andachtskapelle. Die Spender der Baukosten kamen aus den Ortsteilen Pleiser-Uthweiler und Stieldorf-Uthweiler, denn der mitten durch den Ort verlaufende Blankenbach bildete die Pfarrgrenze. So gehörten die einen zur Pfarrgemeinde Oberpleis, die anderen zu Stieldorf.

Vereint hielten sie in ihrer Michaelskapelle am Patronatstag die Messfeier und die Maiandacht. Für alle anderen Gottesdienste mussten sie ihre Pfarrkirchen aufsuchen. Das änderte sich 1940. Nun wurde auf Bitten der Bevölkerung die Messe stets in der Uthweiler Kapelle gefeiert. Die Abtei Siegburg unterstützte diesen Wunsch personell.

Weil in der Kapelle stets Hochbetrieb herrschte, wollte der Kapellenverein das Kirchlein erweitern. Das sahen die staatlichen Behörden ungern. Aber die Uthweiler hatten eine Idee: Sie bezogen in ihren Plan ein Ehrenmal für die im Krieg Gefallenen ein. Plötzlich klappte es mit der Erlaubnis: Am 4. Juli 1943 war Einweihungsfeier. 1949 wurde erneut angebaut. Bis dann Bodenfeuchtigkeit und weiterer Platzmangel 20 Jahre später den "Typ Uthweiler" hervorbrachten.

In der Filialkirche Sankt Michael in Uthweiler werden samstags um 19 Uhr und sonntags um 10 Uhr Messen gefeiert. (oro)

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