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Tierischer Besuch im CJD Königswinter: Ein Otter drückt die Schulbank

Tierischer Besuch im CJD Königswinter : Ein Otter drückt die Schulbank

Nemo ist ein richtiger Charmeur. Wo immer er auftaucht, fühlt er sich auf den Schultern seiner nicht selten prominenten menschlichen Fans richtig wohl – und das sogar als Reisebegleiter im Flugzeug, wo er ganz gegen die Regeln von Sitz zu Sitz hüpfen durfte.

Nemo ist ein Zwergotter, und mit seinen zehn Jahren ist er schon ganz schön rumgekommen. Am Dienstag waren Nemo und sein Ziehvater Wolfgang Gettmann, seines Zeichens früherer Direktor des Aquazoos Düsseldorf, in der Jugenddorf-Christophorusschule (CJD) zu Gast.

Das ungleiche Paar besuchte dort die altersgemischte Arbeitsgemeinschaft Tier- und Naturschutz unter der Leitung von Biologielehrerin Katharina Stenglein. Die Schüler hatten sich in der AG mit dem Thema Otter beschäftigt und Plakate erstellt, die sie nun vorstellten. Mit dem lebensechten Exemplar konnten die aber natürlich nicht mithalten: Die zehn- bis zwölfjährigen Schüler waren von Nemo begeistert.

Dass ihnen Tiere am Herzen liegen, liegt auf der Hand: Die AG haben sie gewählt, weil sie sich für den Tier- und Naturschutz einsetzen wollen. Gettmann und Nemo sind Botschafter der Wassermarder und hier ein Vermittler zwischen Tierwelt und Mensch. Denn um den Fischotter zu retten, hält Gettmann seine Vorträge – und Nemo begleitet ihn.

Viele der Kinder haben Haustiere zu Hause – aber einen Otter auf der Schulter, das war etwas ganz Neues. Und Nemo ist so etwas wie eine kleine Berühmtheit: Laut Gettmann verfallen regelmäßig auch Prominente dem Charme des vorwitzigen Tieres. Zu den Feinden des Fischotters zählen der Wolf und frei laufende Hund. Der größte Feind des Fischotters, so Gettmann, sei allerdings der Mensch.

Baumaßnahmen, Gewässerbelastung und übermäßige Bejagung haben seinen Lebensraum immer weiter schrumpfen lassen. Langsam, aber sicher fasst die Tierart auch in Nordrhein-Westfalen wieder Fuß.

In der Gegenwart der Kinder fühlte sich Nemo sichtlich wohl. Zugleich wirkt er positiv auf Menschen. Nemo ist nicht nur süß, sondern auch ziemlich clever. Handtaschen durchsuchen und Lippenstift klauen? Für Nemo kein Problem. Ablenken kann ihn dann ein Ei, sein Leckerbissen und „Kalorienbombe“, mit der er gerne auch Dreck macht.

Gettmanns augenzwinkerndes Versprechen: Zur Not werde die Schule dann halt renoviert. Die zwölf Schüler durften auch Nemos dickes Haarkleid streicheln. 50.000 Haare hat er auf einem Quadratzentimeter, ein Mensch nur 120. Auch dies haben die Schüler über das vom Aussterben bedrohte Tier gelernt.