NIK-Haus für Flüchtlinge in Königswinter: Ehrenamtliche schaffen Begegnungsstätte im Mathildenheim

NIK-Haus für Flüchtlinge in Königswinter : Ehrenamtliche schaffen Begegnungsstätte im Mathildenheim

Rund 30 Ehrenamtliche haben im Mathildenheim in Königswinter eine neue Begegnungsstätte geschaffen. Das NIK-Haus wird am Freitag mit einem Festakt offiziell eröffnet.

Die Anspannung ist Silke Fielers und Vasilija Dornbusch anzumerken. Zwei Tage vor der offiziellen Eröffnungsfeier des Netzwerks Integration Königswinter (NIK) können die Kassiererin und die Vorsitzende des Vereins ihre Nervosität nicht verbergen. Dabei dürfen die beiden Frauen beim Festakt am Freitag um 16 Uhr im NIK-Haus im Mathildenpark durchaus stolz darauf sein, was sie bereits auf die Beine gestellt haben.

Die Begegnungsstätte, in der es viele Angebote für Flüchtlinge gibt, ist ein echtes Schmuckstück geworden. Immer mehr wird sie auch von den Flüchtlingen, besonders aus dem Bergbereich der Stadt, als Anlaufstelle angenommen.

Am 18. Februar fand die Gründungsversammlung von NIK statt. Das Netzwerk wurde zum Sammelbecken vom Menschen, die sich zuvor bereits einzeln oder in Gruppen in der Flüchtlingsarbeit engagiert hatten. „Viele Dinge waren vorher aber noch unkoordiniert. Es fehlte vor allem auch ein Raumangebot für die Flüchtlinge. Da kam uns schnell die Idee, eine Begegnungsstätte einzurichten“, sagt Lutz Wagner, der einzelne Projekte koordiniert.

Als die Fraktionsräume im Mathildenheim durch den Umzug der Königswinterer Wählerinitiative (Köwi) in die Paul-Moor-Schule frei wurden, kam die städtische Wirtschaftsförderungs- und Wohnungsbaugesellschaft (WWG) als Eigentümerin dem Verein beim Mietpreis entgegen.

Mit finanzieller Unterstützung der Organisationen Help und Care sowie der Volksbank Bonn Rhein-Sieg und der Stadt Königswinter konnten die Räume angemietet werden. In Eigenarbeit wurde die Begegnungsstätte anschließend renoviert und mit Unterstützung der Firma Steeg sogar eine neue Küche eingebaut. Inzwischen hat NIK mit der Projektarbeit begonnen. Alle Angebote in Königswinter werden an einem Runden Tisch koordiniert, an dem zum Beispiel auch die Stadt, das Forum Ehrenamt, die Kirchen und die Arbeiterwohlfahrt (Awo) sitzen.

Dabei legt man beim Netzwerk Wert darauf, sich nicht in bereits besetzten Feldern zu engagieren. Stolz ist man auf die eigene Fahrradwerkstatt. Ein Team von acht Ehrenamtlichen möchte dort Flüchtlinge darin ausbilden, ihre Fahrräder selbst zu reparieren. Die Treffen sind immer mittwochs geplant. Deutschunterricht, ein zentraler Baustein der Integration, findet im Mathildenheim ebenfalls statt. Die Volkshochschule (VHS) Siebengebirge, die das Angebot in Königswinter koordiniert, nutzt die Räume bereits seit Mai für ihre Kurse. NIK bietet zurzeit nur einen einstündigen Kursus pro Woche an, würde aber gerne mehr machen.

„Der Bedarf ist viel größer als das Angebot. Die Bereitschaft der Flüchtlinge ist riesengroß. Zurzeit fehlen uns aber die finanziellen Mittel und auch die Dozenten“, sagt Wagner. Der Anspruch, in Königswinter auch Flüchtlingen aus sicheren Herkunftsländern die deutsche Sprache zu vermitteln, könne daher zurzeit nicht erfüllt werden. Dem kann Vasilija Dornbusch, die den Deutschunterricht in der Flüchtlingsunterkunft Sandscheid auf einer Tischtennisplatte organisiert hatte, nur beipflichten.

Ein weiteres Projekt ist die Reaktivierung des Schulgartens der Paul-Moor-Schule. Dort sollen sowohl das Gewächshaus als auch die Beete wieder instand gesetzt werden. Weiterhin bietet NIK Themenabende für Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe an. Dabei geht es um schulische Themen oder die bessere Integration weiblicher Flüchtlinge – zum Beispiel durch eigene Deutschkurse.

Vergangene Woche fand ein Verkehrssicherheitstraining mit Flüchtlingskindern statt, das Erich Klaus von der Bonner Polizei leitete. Demnächst ist eine solche Schulung auch mit Fahrrädern geplant. Im Mathildenheim gibt es Beratungsgespräche, Spiel- und Bastelangebote für Kinder, aber auch generationenübergreifend. „Wir wollen den Kindern künftig verstärkt bei schulischen Dingen unter die Arme greifen“, sagt Silke Fielers. Außerdem ist donnerstags von 17 bis 19 Uhr eine Sprechstunde für Flüchtlinge aus arabischen Herkunftsländern unter Einsatz einer Dolmetscherin geplant.

„Es ist schon ein Unterschied, ob die Beratung in der Unterkunft oder in einem geschützten Raum stattfindet. Das schafft Vertrauen“, ist Wagner überzeugt. Neben der Arbeit in der Einrichtung unterstützen einige der rund 30 Ehrenamtlichen, die bei NIK engagiert sind, die Flüchtlinge bei Behördengängen, Arztbesuchen oder Vorstellungsgesprächen. Wenn die Flüchtlinge anerkannt sind, sind die Helfer auch bei der Wohnungs- oder Arbeitsplatzsuche behilflich. „So langsam spricht es sich herum, dass wir eine Anlaufstelle sind. Immer mehr Flüchtlinge und Ehrenamtliche kommen zu uns“, sagt Fielers. Heute bei der Eröffnung hofft man auf ein volles Haus.

Mehr von GA BONN