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Kriegsende in Oberpleis vor 70 Jahren: Die Amerikaner kamen an einem Dienstag

Kriegsende in Oberpleis vor 70 Jahren : Die Amerikaner kamen an einem Dienstag

Maschinengewehrschüsse peitschten morgens während des heiligen Opfers um die Kirche Sankt Pankratius. Es war am 20. März 1945, der Dienstag nach dem Passionssonntag. Zwischen Wandlung und Kommunion stürzte der Schmied Adolf Röttgen in die Krypta und rief: "Männer heraus, im Dorf brennt es!"

Pfarrer Hans Wichert schildert in seinen Aufzeichnungen die dramatischen Ereignisse heute vor genau 70 Jahren. Bald darauf tasteten sich die Amerikaner hinter schweren Panzern durch den Ort. Ungehindert, so schildert der Geistliche, nahm er mit Kaplan Düster eine erste Ortsbesichtigung vor. Abgedeckte Dächer, zersplitterte Fenster, aufgerissene Hausfronten, im Kirchturm ein riesiges Loch, der Kreuzgang und die Vikarie schwer mitgenommen, um die Kirche herum und auf dem Friedhof Trichter an Trichter. "An diesem 20. März hatten wir im Dorf Oberpleis die ärgste Not überstanden." Aber noch knatterten die Maschinengewehre: Uthweiler, Frohnhardt, Eisbach und Pleiserhohn waren noch umkämpft. Erst am 21. März waren diese Dörfer in der Hand der Amerikaner. "Vier Tage hatte der Feind gebraucht, um durch die Pfarrgemeinde Oberpleis zu kommen", notierte der Pastor.

An diesem Tag suchte ihn auch der amerikanische Ortskommandant auf, damit er ihm Männer für die Verwaltung der Gemeinde benenne. Die Oberpleiser nannten ihren Pfarrer nun "Oberbürgermeister", der sich auch zum Beispiel darum kümmerte, dass gesperrte Straßen doch genutzt werden konnten, um Fleisch und Getreide herbeizuschaffen.

Eine ganze Armee passierte den Ort, zu Tausenden bezogen US-Soldaten Quartier in Oberpleis, während der Kampf um Siegburg drei Wochen andauerte. Hans Wichert: "Die von ihnen beschlagnahmten Quartiere mussten geräumt werden, höchstens durften die Einwohner in ihren Kellern verbleiben." Sorge um Hab und Gut herrschten.

Aber was war das gegen die Ängste in den Wochen zuvor. Seit Anfang März kreisten unentwegt die feindlichen Tiefflieger. "Immer mehr Kriegstross und Truppen kamen über den Rhein... Immer mehr hohes Militär ließ sich in Oberpleis nieder", schildert Pfarrer Wichert die Situation. Der Kommandant der Rheinverteidigung bezog im Mathildenheim Quartier, der Stab lag zum Teil in der Vikarie. Von neuen Divisionen und Tigerpanzern war die Rede, Artillerie baute sich auf den Höhen auf. Ein Kampfkommandant wollte Oberpleis in Verteidigungszustand versetzen, ließ die Linden vom Kirchplatz für Straßensperren fällen. Am Kirchturm wurde die Antenne einer Funkstation angeschlossen, der so leichtes Ziel der Amerikaner wurde.

Wicherts Bitte, den Wagenpark rund um die Kirche wenigstens zu tarnen, parierte der Offizier mit den zynischen Worten, wo so vieles vor die Hunde gegangen sei, käme es auf sie und die Kirche auch nicht mehr an.

Die ersten Granaten schlugen mitten ins Dorf ein, die Menschen hockten in den Kellern, verrichteten in den wenigen ruhigen Stunden die Arbeiten in Küche und Stall. Die Krypta wurde Zuflucht für viele. Pfarrer Wichert musste sich jeden Morgen den Weg durch Liegestätten und Stühle zum Altar bahnen.

"Wir haben das heilige Opfer immer wieder den Toten der letzten 24 Stunden geschenkt", lautet seine Überlieferung. Als schlimmsten Tag bezeichnet er den Passionssonntag, den 18. März, als die Kirche schweren Schaden nahm. 70 Opfer aus der Zivilbevölkerung registrierte er - 44 aus der alten Gemeinde, 22 Evakuierte, zwei Ausländer und zwei völlig Unbekannte.

An den beiden Ostertagen Ende März des Jahres 1945 gingen Pfarrer Wichert und Kaplan Düster wegen der Ausgangs- und Straßensperren zu ihren Gläubigen - nach Thomasberg, Berghausen und Eisbach. In Oberpleis und in Uthweiler hielten Confratres die Messen. Am 10. Mai wurde Kommunion gefeiert. Zwei Tage vorher war der Zweite Weltkrieg endgültig vorbei.