Geschenk von Paul Lemmerz: Das ist die Geschichte des Hallenbads in Königswinter

Geschenk von Paul Lemmerz : Das ist die Geschichte des Hallenbads in Königswinter

Aus heutiger Sicht ein Glücksfall, damals aber durchaus ambivalent gesehen: Vor 42 Jahren stiftete Paul Lemmerz seiner Stadt Königswinter das Hallenbad, das jetzt durch einen Neubau ersetzt wird. Ein Blick in die Geschichte des Bads.

Der Countdown läuft: Am 27. August öffnet das Königswinterer Hallenbad zum letzten Mal. Im Oktober wird es abgerissen. Im Frühjahr 2021 soll an seiner Stelle ein moderner Neubau stehen, der nach den bisherigen Planungen rund 9,5 Millionen Euro kosten soll.

Auch wenn man es heute kaum glauben mag: Das alte Hallenbad genügte bei seiner Eröffnung im Juni 1980 höchsten Ansprüchen. Ein Jahr zuvor hatten der inzwischen verstorbene Königswinterer Bürgermeister Günter Hank und Stadtdirektor Franz Josef Schmitz Post bekommen. Der Absender war kein Geringerer als der Unternehmer Paul Lemmerz, der wichtigste Arbeitgeber und Ehrenbürger der Stadt.

In seinem Schreiben vom 6. Februar 1977, seinem 70. Geburtstag, erinnerte Lemmerz daran, dass er im Jahr 1953 zu seinem 45. Geburtstag der Stadt das Freibad auf dem Sauren Berg als Schenkung übergeben habe. „Da dieses Bad aber nur in den Sommermonaten benutzt werden kann, fehlt in Königswinter eine zwar längst geplante, aber wegen nicht vorhandener Finanzmittel bisher nicht verwirklichte Gelegenheit für alle Bürger, insbesondere aber für die Jugend, auch in den kühlen Jahreszeiten den zur Körperertüchtigung und Gesundheit erforderlichen Schwimmsport auszuüben.“

Verbundenheit mit der Heimatstadt

Anlässlich seines 70. Geburtstages habe er sich daher entschlossen, der Stadt Königswinter zusätzlich ein Hallenschwimmbad zu schenken, welches das ganze Jahr über allen Bürgern zur Verfügung stehen solle. „Ich möchte mit diesem Geschenk erneut meine Verbundenheit mit meiner Heimatstadt bekräftigen, eine Verbundenheit, die ich als eine Verpflichtung betrachte, der ich aber mit Freude nachkomme“, so Lemmerz weiter. Er bat darum, schon bald mit der Verwirklichung des Bauwerks zu beginnen und es zügig zu Ende zu führen, damit es in Kürze seine Aufgaben zum Wohle aller Bürger dieser Stadt erfüllen könne.

Der spätere Bürgermeister Herbert Krämer berichtete vor einigen Jahren, dass es Lemmerz zunächst dabei primär gar nicht um ein Schwimmbad gegangen sei. „Lemmerz war es egal, ob er der Stadt ein Hallenbad oder eine Stadthalle schenkt“, erzählte Krämer. Als in Oberpleis dann jedoch das Bad im Schulzentrum gebaut worden sei, habe auch die Altstadt ihr Bad gefordert. Vor dem Stadtrat habe Lemmerz damals nur einen Wunsch geäußert: „Egal wie, Hauptsache das Bad ist größer als das in Oberpleis“, zitierte Krämer den Stifter.

Baustart im Februar 1978

Viel mehr möchte Renate Kukwa-Lemmerz, Tochter von Paul Lemmerz, heute auch nicht über die Motive ihres Vaters erzählen. „Mein Vater wollte etwas für die Stadt tun“, sagt sie. Er sei ja zu diesem Zeitpunkt schon schwer krank gewesen. Zwischen dem erwähnten Brief und dem Todestag des Unternehmers lagen gerade einmal 22 Tage.

Paul Lemmerz, der die Leitung der Lemmerzwerke 1935 von seinem Vater Johann Lemmerz übernommen hatte, starb am 28. Februar 1977. Die Spende an die Stadt wurde am 17. März 1977 von seinem Schwiegersohn Horst Kukwa-Lemmerz übergeben. Der Bau startete im Februar 1978. Horst Kukwa-Lemmerz machte den ersten Spatenstich bei gefrorenem Boden. Im Juni 1980 wurde das Bad eröffnet.

Stadtrat sah Bad ambivalent

Der heutige Bürgermeister Peter Wirtz, der seit November 1978 in der Stadtverwaltung beschäftigt ist, erinnert sich noch gut an die Schenkung. Königswinter habe ein sehr modernes Bad mit einer ansprechenden Architektur, einem Schwimm-, einem Mehrzweck- und einem Babybecken sowie einem Drei-Meter-Sprungturm und beheizten Sitzbänken geschenkt bekommen.

„Für den Stadtrat war es aber auch ein ungeliebtes Kind. Da wurde das Bad sehr ambivalent gesehen“, sagt er. In den Jahren 1977 bis 1979 habe es eine Finanzkrise in den kommunalen Haushalten gegeben. „Damals wurde überlegt, wie man Papier sparen kann. Sogar über einlagiges Toilettenpapier wurde diskutiert“, so Wirtz. Die hohen Betriebskosten für zwei Bäder habe die Begeisterung daher ein bisschen getrübt.

Glücksfall für die Stadt

Aus heutiger Sicht sei das Geschenk aber ein Glücksfall für die Stadt gewesen. „Wenn man bedenkt, dass pro Jahr vielleicht 500 Kinder dort das Schwimmen gelernt haben. Paul Lemmerz hat dazu einen riesigen Beitrag geleistet.“ Er selbst sei in den 60er Jahren als Schüler der heutigen Lemmerzschule, die nach Johann Lemmerz benannt ist, während seiner Grundschulzeit vielleicht zweimal zum Schwimmen nach Beuel gefahren. Ansonsten sei die Schwimmmöglichkeit auf ein paar Wochen pro Jahr im Freibad beschränkt gewesen.

Die Stadt habe sich dabei schon früh um eine alternative Trägerschaft für das Hallenbad bemüht. 1997 wurde es das erste privatisierte kommunale Bad im Rhein-Sieg-Kreis. Die Jungunternehmer Gabriel Eis, Jochen Bietke, Claudia Mäschig und Ingolf Pott führten es unter dem Namen „Schwimmtreff“. Mäschig und Pott gehören auch heute noch zu den Gesellschaftern. Seit zehn Jahren sind sie auch Betreiber des Freibads.

Schließung wegen finanzieller Nöte

Bevor der „Schwimmtreff“ das Hallenbad übernommen hatte, war es wegen finanzieller Nöte der Stadt zwei Jahre lang geschlossen gewesen. Rund 330.000 Mark verschlang es zu dieser Zeit an jährlichen Zuschüssen. Gemeinsam mit dem Oberpleiser Hallenbad und den beiden Freibädern kam die Stadt auf ein Defizit von rund 900.000 Mark. In den Jahren 1999 und 2000 war das Bad wegen der umfangreichen Sanierung erneut für rund drei Monate geschlossen. Es wurde damals für zwei Millionen Mark technisch auf den neuesten Stand gebracht.

In den vergangenen Jahren lagen die städtischen Ausgaben für die beiden Bäder übrigens zwischen 532.000 Euro (2018) und 843.000 Euro (2017). In diesem Jahr wurden im Haushalt 733.000 Euro angesetzt. Die Kosten setzen sich aus Zuschüssen an den Betreiber der beiden Bäder und Investitionen in die Instandhaltung zusammen. Viele in der Stadt sind gespannt, wie sich die Bäderlandschaft in Königswinter nach dem Neubau weiterentwickelt. Ob dann der „Schwimmtreff“ auch der neue Betreiber sein wird und ob anschließend auch das Freibad saniert wird.

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