Programm 2019: Das hat die Sommerbühne in Königswinter zu bieten

Programm 2019 : Das hat die Sommerbühne in Königswinter zu bieten

Die Nibelungen, Martin Luther und ein Märchen: Das NN Theater Köln spielt drei Stücke auf der Sommerbühne am Kloster Heisterbach. Mit dabei ist auch Tom Simon von der Stunksitzung.

Die fiesen Typen mag Irene Schwarz besonders gerne. „Der Gernot zum Beispiel“, sagt sie, „ist ja so ein richtiger Haudrauf, eine Kampfsau mit eher schlichtem Gemüt.“ Sie gestikuliert energisch mit Händen und Armen, rutscht eine Stimmlage tiefer und rezitiert aus dem Stegreif ein paar Sätze aus ihrer Rolle als Burgunderkönig in den „Nibelungen“. Keine Frage: Irene Schwarz ist Vollblutschauspielerin. Und bereits seit 32 Jahren Mitglied im Kölner NN Theater. Am letzten Augustwochenende steht das Ensemble zum vierten Mal auf der Sommerbühne in der Klosterruine Heisterbach. Auf dem Spielplan: neben den „Nibelungen“ auch „Luther“ und erstmals „Das kalte Herz“ – ein Märchen von Wilhelm Hauff.

Im Sommer 2016 waren die Kölner Schauspieler erstmals in Königswinter zu Gast. Mit aus der Taufe gehoben hat das außergewöhnliche Projekt der Königswinterer Tom Simon, selbst seit 15 Jahren Mitglied im NN Theater und wie viele seiner Mitstreiter auch Teil des Kölner Stunksitzungsensembles.

„Natürlich kenne ich Kloster Heisterbach seit meiner Kindheit“, sagt er. „Und wer einmal hier war, weiß um die besondere Atmosphäre.“ Es sei eine sehr „theatrale Kulisse“, findet auch Schwarz: „Ein toller, dabei aber ruhiger Platz mit einer guten Energie.“ Die scheint auch das Publikum zu spüren, denn der Zuspruch habe von Jahr zu Jahr zugenommen. Fünf, manchmal sechs Schauspieler stehen pro Aufführung auf der Bühne vor der Chorruine, jeder schlüpft pro Abend in mehrere Rollen. Für einen Kostümwechsel bleiben da maximal 20 Sekunden, für ein neues Bühnenbild nicht viel mehr. „Da greift ein Rädchen ins andere“, sagt Simon. „Und das muss es auch.“

Aus Schaufelstielen werden Schwerter

Es seien archetypische Geschichten, über die sie etwas erzählen wollten, Spaß an Bildern, gespickt mit politischen Anspielungen, Bezügen zum Kabarett und jeder Menge Humor – Volkstheater im besten Sinne. „Und wir arbeiten immer mit der Fantasie der Zuschauer“, sagt Schwarz. Das gilt natürlich auch für die „Nibelungen“, bei denen etwa Schaufelstiele zu Schwertern umfunktioniert werden.

Schwarz gibt neben Haudrauf Gernot auch den Hagen von Tronje und Königin Brunhild, Tom Simon den König Gunther. „Niemand muss vorher das Reclamheftchen gelesen haben, um unsere Stücke zu verstehen“, stellt Schwarz klar und zwinkert. Die Idee sei ja, dass man über die Bilder und das Spiel Inhalt und Aussage schnell erfasse. „Das geht im Übrigen auch uns Schauspielern bei der Vorbereitung so“, sagt Schwarz. Sie wisse jetzt, warum es „Nibelungentreue“ heiße und was es mit „Kriemhilds Rache“ auf sich habe. Oder warum jemand mit tollen Ideen dann doch an der Realität scheitert. „Wie zum Beispiel Luther“, sagt Simon. Passend zum Lutherjahr hatte das NN Theater das Stück 2017 ins Repertoire aufgenommen.

„Dann hat sich das Stück so gut entwickelt und kam so gut an, dass wir es dieses Jahr hier noch einmal zeigen wollten“, sagt Simon. Zumal Ensemble und Zuschauer 2017 nach heftigem Regen in die Zehntscheune umziehen mussten. „Das Wetter ist natürlich immer ein Risikofaktor“, weiß Simon. „Aber zum Glück haben wir mit der Zehntscheune auch immer eine Schlechtwetteroption.“ Und, ergänzt Schwarz, um an dem Stück Spaß zu haben, müsse man weder katholisch, evangelisch noch überhaupt christlich sein: „Das ist einfach ein Heidenspaß. Ein schönes Wortspiel.“

Geld, Macht, Ansehen auf der einen, Empathie, Glück, Lebenssinn auf der anderen Seite: Wilhelm Hauffs Erwachsenen-Märchen „Das kalte Herz“ vereint so ziemlich alle Aspekte, die die Kölner Schauspieler gerne auf die Bühne bringen – in diesem Jahr zum ersten Mal. Erzählt wird die Geschichte von Peter Munk, dem jungen Kohlenbrenner, der sich vom Leben abgehängt fühlt. Er tauscht sein Herz beim unheimlichen Holländer-Michel gegen einen kalten Stein. Letzteren spielt in diesem Fall übrigens nicht Irene Schwarz. „Ich bin die Schatzhauserin, also quasi die Gute“, sagt sie und lächelt. „Wenn auch in einer etwas abgewandelten Form.“

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