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Corona: Atenheimbewohner sorgt bei Konzert für Gänsehaut

Fensterkonzerte im Siebengebirge : Altenheimbewohner sorgt für Gänsehaut

Ein 82-jähriger Altenheimbewohner spielt auf seinem Knopfakkordeon beim Fenster- und Hofkonzert der „Orjelspiefe“ mit. Die Veranstaltungen kommen bei den Senioren sehr gut an.

Selbst das Krokodil im Teich der Parkresidenz tauchte zwischen Wasserrosen auf, als die Band „De Orjelspiefe“ dort den Schlusspunkt ihrer Benefiz-Tour durch vier Seniorenheime im Siebengebirgsraum setzte. Na gut, das (Plastik-)Tier zeigte zwar Zähne, aber klapperte damit allenfalls im Takt der Musik. Zum „Hof-Balkon-Fenster-Konzert“ hatten sich die sechs Musiker in insgesamt vier Einrichtungen eingefunden. Nach dem Seniorenheim Barhoff in Birlinghoven am Samstagvormittag ging es weiter zum Seniorenheim Sankt Margareta in Stieldorf, am Nachmittag zum Altenheim Kloster Heisterbach und am frühen Abend in die Parkresidenz Bad Honnef.

„Wir möchten den Menschen, die durch die Corona-Pandemie und die Kontaktbeschränkungen in den vergangenen Monaten besonders hart betroffen waren, eine kleine Freude bereiten“, sagte Ingo Olbermann. Der Leiter des Tambourcorps Frei-Weg aus Selhof spielt Akkordeon, singt und ist ebenso wie Michael Tamme (Gesang und Bass), Sänger Patrick Hauer, Felix Gall (Gesang und Gitarre), Thomas Tamme (Mandoline), und Schlagzeugspieler Ralf Stange einer der sechs Orgelpfeifen aus dem Siebengebirge.

Die Musiker hatten sich zwar nicht stramm wie die Orgelpfeifen aufgereiht, aber sie hielten schon Abstand, wie es die Corona-Vorschriften derzeit erforderlich machen. Lange hatten sie in ihrem Proberaum bei Michael Tamme in Oberpleis nicht üben dürfen, bis sie dann endlich vor Kurzem zur Gaudi der Nachbarn ihren ersten Übungsabend im Garten des Musikers durchführten.

Und die Band genoss es, in den Senioreneinrichtungen endlich wieder einmal vor Publikum spielen zu dürfen und gleichzeitig dort für Abwechslung zu sorgen. Sie waren hochwillkommen, werden doch in diesem Jahr auch nicht die beliebten Sommerfeste ausgerichtet werden können.

Spaß pur am Balkon

Herzlich dankten die Mitarbeiter der Häuser der Band für ihren Einsatz und wollten sie nicht ohne wenigstens ein kleines Präsent nach Hause gehen lassen. Die Orjelspiefe wurden überall gefeiert, denn mit kölscher Musik eroberten sie die Herzen der Zuhörer im Sturm.

Das Publikum schaute von Balkonen herab zu, saß unter Abstandwahrung auf Terrassen oder im Park. In Heisterbach waren sogar einige Bewohner in Betten nach draußen gefahren worden. Und als alte Hits wie „En d‘r Kayjass Nummer null“ erklangen oder „Mir schenke dä Ahl e paar Blömcher“ sangen selbst die hochbetagten Menschen mit, schunkelten und klatschten im Takt. Aber auch neuere Stücke wie „En unserem Veedel“ oder „Mir sin jedäuf met 4711“ kamen bestens an. Das waren überall 30 bis 40 Minuten Spaß pur.

Einen Höhepunkt gab es in Heisterbach: Dort brachte der 82-jährige Wolfgang sein Knopfakkordeon im Köfferchen mit auf die Terrasse und packte es aus. Die Band lud den Altenheimbewohner ein, nach vorne zu kommen und mitzuspielen bei „Mir schenke dä Ahl e paar Blömcher“. Und auf seinen Wunsch hin wurde dann noch die „Hymne“ Königswinters vorgetragen: „Es war in Königswinter …“ – und der alte Herr sang mit. Das war für die Band-Mitglieder ein Gänsehaut-Erlebnis, das sie zutiefst berührte. Schon bei der Vorbereitung auf diese Tour hatten sie solch einen Moment: Sie waren auf eine alte Tonaufnahme von 1945 gestoßen, als die Väter von Tommy Engel und Hans Süper das Kayjass-Lied über Lehrer Welsch spielten.

Wiederholung ist geplant

Weil die Resonanz auf ihr Benefiz-Angebot so groß war und sie in wenigen Stunden ausgebucht waren, werden die „Orjelspiefe“ die Aktion nach den Sommerferien wiederholen, weil noch weitere Nachfragen bestehen. Olbermann: „Wir haben bereits im Karneval bemerkt, wie wertvoll diese Abwechslung für die Bewohner der Altenheime ist.“ Damals war die Band erstmals auch im Diacor am Honnefer Kreuz auf Einladung der KG Ziepches Jecke Rhöndorf, die dort seit vielen Jahren eine Karnevalssitzung ausrichtet. Und KG-Chef Daniel Grewe bewirtete die sechs Musiker jetzt während der Tour zur Stärkung in seinem Einkehrhaus Waidmannsruh. Auch er fand die Benefiz-Aktion stark. Wenn Orgelpfeifen zusammenstehen, ist der Klang einfach umwerfend.