Motto "Klare Birne": Cool sein wollen mit Folgen

Motto "Klare Birne" : Cool sein wollen mit Folgen

Projekttag informiert Siebt- und Achtklässler über die Folgen von Alkohol- und Drogenkonsum.

"Ich kenne einen, der ist 14, der raucht und der trinkt Alkohol. Und der hat auch schon mal Drogen ausprobiert." Natürlich habe er seinen Freund schon angesprochen, warum er das mache, aber abhalten lassen wollte der sich nicht davon: "Der findet es einfach geil", erzählt der Siebtklässler beim Präventionstag "Jugend ohne Alkohol".

Er sitzt gemeinsam mit anderen Jugendlichen in lockerer Runde zusammen und spricht mit Heike Sickelmann und Andrea Stollfuß vom Verein "Kreuzbund" über das Thema Sucht.

Auch andere Schüler wissen von Gleichaltrigen zu berichten, die schon Alkohol oder Zigaretten ausprobiert haben. "Ich glaube, die wollen cool sein", sagt ein Mädchen. "Und andere machen dann mit, weil sie dazugehören wollen."

Wohin dies am Ende führen kann, zeigten die beiden Kreuzbund-Mitarbeiterinnen den Jugendlichen schonungslos. Sie erzählen von körperlicher und psychischer Abhängigkeit, von sozialem Abstieg und gesundheitlichen Problemen.

Und sie wissen, wovon sie sprechen, schließlich betreut der Verein in seinen Selbsthilfegruppen mehr als 22.000 suchtkranke Menschen und deren Angehörige.

Damit es gar nicht erst so weit kommt, hatten die Gesamtschule Oberpleis und das Gymnasium am Oelberg in Zusammenarbeit mit der katholischen Jugendagentur Bonn, der Stadt Königswinter und dem ehemaligen Inhaber des Rewe-Marktes, Udo Schäfer, zum Projekttag unter dem Motto "Klare Birne" eingeladen, der jetzt zum achten Mal stattfand.

Rund 600 Schüler der siebten und achten Klassen nutzten die Gelegenheit, sich bei der Mitmachausstellung über Alkoholkonsum und seine Folgen zu informieren, aber auch über Drogen, Mobbing im Internet oder Gefahren beim Chatten.

So gab es zum Beispiel ein Alkohol-Aufklärungsquiz, ein Cannabis-Memory und einen Film zum Thema "Cybermobbing". Auch die "Drug Scouts" des Gymnasiums und die "Peers" der Gesamtschule stellten ihre Präventionsarbeit vor.

Unterstützt wurde "Jugend ohne Alkohol" in diesem Jahr von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, dem Rewe-Mark Fickeis in Oberpleis und von Immobilien Doering. Ziel des Projekts ist es, den Schülern bewusst zu machen, welche Bedeutung Süchte für die psychische, physische und soziale Gesundheit haben - und das schon möglichst früh.

"Erfahrungsgemäß geht es in der achten Klasse los mit dem Ausprobieren", berichtet Sandra Roth, Sozialarbeiterin an der Gesamtschule: "Abhalten kann man die Jugendlichen nicht davon. Das Ausprobieren gehört zu dieser Lebensphase nun mal dazu. Aber sie sollen sich über die Folgen im Klaren sein."

Wie sehr Alkohol die Sinne vernebelt, konnten die Schüler mittels einer Promillebrille ausprobieren. Da wurde das Geradeausgehen schon nach wenigen virtuellen "Gläschen" zum Balanceakt.

Am Stand des Kommissariats Vorbeugung der Polizei Bonn wurde anschaulich präsentiert, welche Folgen es haben kann, wenn man "berauscht" im Straßenverkehr unterwegs ist: ein demoliertes Fahrrad, Absperrband, eine Puppe, die zusammengekrümmt auf dem Boden liegt - die Beamten hatten ein schauriges Unfallszenario aufgebaut - mit einem echten Unfallfahrrad. Das reale Unfallopfer sitzt im Rollstuhl, wie die Schüler mit bestürzter Mine erfuhren.

Dabei geht es auch "ohne": an der Null-Promillebar des Hauses der Jugend konnten sich die jungen Leute davon überzeugen, dass auch alkoholfreie Cocktails für super Stimmung sorgen können - weil sie eben super lecker sind. Ob "Free Passion", "Leos" oder "Sunrise".

"Die Schüler sind begeistert", so Nobert Lehr, der alle Hände voll zu tun hatte, die Cocktailmaschine immer wieder mit neuen Saftflaschen zu bestücken.