Landschaftsschutz: BUND gegen Umgestaltung der Insel Grafenwerth

Landschaftsschutz : BUND gegen Umgestaltung der Insel Grafenwerth

Die Stadt Bad Honnef will die Insel Grafenwerth umgestalten. Doch Spielfelder, Uferbeleuchtung und Sitzstufen zum Rhein sind für den BUND nicht vereinbar mit dem Landschaftsschutz.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) spricht sich gegen die Pläne der Stadt Bad Honnef für eine Umgestaltung der Insel Grafenwerth aus. Die Stadt hatte sich unter dem Titel „Grünes Juwel in neuem Glanz“ um Fördermittel beworben und den Zuschlag für rund zwei Millionen Euro bekommen. Samt Eigenanteil der Stadt sollen in drei Bauabschnitten 3,3 Millionen Euro investiert werden, wovon rund 2,8 Millionen Euro für die eigentliche Umgestaltung und Ausstattung von Nordspitze, Promenade und Entree der Insel ausgegeben werden sollen.

An der Nordspitze sind ein Rundweg und „Inseln auf der Insel“ geplant zum Spielen und Ausruhen. An der Wegkreuzung unterhalb des Freibades und der schmaleren Promenade – ein Teil des Asphaltweges soll entsiegelt werden – ist eine Sitzstufenanlage vorgesehen.

„Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland widerspricht den Plänen der Stadt Bad Honnef, Wege an der Nordspitze der Insel im Sand des natürlichen Rheinufers neu zu asphaltieren, eine große Freitreppe im Fauna-Flora-Habitat-Gebiet zu errichten und mehrere Spielplätze unter bruchempfindlichen Großbäumen im Auenwald zu bauen“, teilte BUND-Sprecher Achim Baumgartner jetzt mit. Zielführend und förderungswürdig wäre hingegen eine allmähliche Verlagerung von baulichen Anlagen, zum Beispiel dem Tennisplatz, weg von der Insel. Das Beispiel der Stadt Niederkassel, wo diese Verlagerung der Sportplätze vom Rheidter Werth auf das „Festland“ mit Hilfe von Landesmitteln möglich geworden sei, sei hierfür ein zwar seltenes, aber positives und nachahmenswertes Beispiel.

Landschaftsschutz

Baumgartner weist darauf hin, dass die Insel unter Landschaftsschutz steht und vollständig von einem FFH-Gebiet umgeben sei. Für das Schutzgebiet verlange die Bezirksregierung als Schutzziele unter anderem die Entfaltung des „Entwicklungspotenzials für den regionalen Biotopverbund“. Ein Ausbau von Spielfeldern, Uferbeleuchtung und eine Sitztreppe stünden diesem Ziel jedoch diametral entgegen. Auch die Entwicklung „als Lebensraum für landschaftstypische Tiere und Pflanzen“ vertrage sich nicht mit noch mehr Erholungsnutzung auf der Insel. Ebenfalls sei die Förderung „des Rheins und seiner Ufer mit Inseln und Buhnenbereichen in seiner Funktion als Fließgewässer, Lebensraum und überregionale Achse des Biotopverbundes“ nicht mit einem Ausbau der Erholungsfunktionen auf der Insel vereinbar. „Es ist laut Verordnung verboten, dort Wege und bauliche Anlagen zu errichten. Es ist rechtlich unzulässig, diese Verbote im Rahmen einer Befreiung durch die Kreisverwaltung aufzuheben und sich damit über die Schutzziele der Verordnung hinwegzusetzen“, so Baumgartner.

Leider stehe die Stadt Bad Honnef mit ihren den Naturschutz missachtenden Ambitionen nicht alleine. Zahlreiche Kommunen und Planungen würden sich immer wieder über langfristige naturschutzfachliche Entwicklungsziele hinwegsetzen und Bau- und Freizeitinteressen den Vorzug geben. Als Beispiele nennt Baumgartner die Bundesgartenschau 1979 im Bonner Rheinauenwald und den Bau des „Bonner Bogens“ in Oberkassel. An vielen Stellen seien negative Veränderungen in Planung – wie am Königswinterer Sumpfweg, im Bad Honnefer Stadtgarten oder beim Bau einer Niederkasseler Rheinbrücke. „Daher fordert der BUND eine naturverträgliche Gestaltung der Insel Grafenwerth, eine sinnvolle Verbindung von Naherholungsort, Kulturstätte und Schutzgebiet. Ein sorgsam neu überdachtes und überarbeitetes Entwicklungskonzept mit klarem Bekenntnis zu geltendem Naturschutzrecht ist dringend notwendig und unerlässlich“, so Baumgartner. Der von der Stadt Bad Honnef beauftragte Landschaftsarchitekt Clas Scheele vom Büro RMP Lenzen hatte angekündigt, „das Juwel Insel wieder zum Glänzen zu bringen, natürlich im Einklang mit dem Naturschutz“. Scheele war sich aber auch sicher, dass die Planung auf Widerstand stoßen würde. „Wir sind uns bewusst, wir werden da auch Gegenwind im Naturschutzbeirat bekommen.“ Hinsichtlich der geplanten Stufen in Richtung Ufer meinte er: „Da wird niemand die Füße im Wasser baumeln lassen. Dies ist für uns ein wichtiges Scharnier, auch für die Besucherlenkung.“ Diese sei erforderlich, um die Südspitze komplett dem Naturschutz zu überlassen.

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