Bürgerinitiative Siebengebirge erhält Auszeichnung der UN-Dekade "Biologische Vielfalt"

UN-Auszeichnung : Bürgerinitiative Siebengebirge wurde für Einsatz im Naturschutz geehrt

Die Bürgerinitiative Naturschutz Siebengebirge erhält Auszeichnung der UN-Dekade „Biologische Vielfalt“ für ihr Streuobstwiesen-Projekt in der Region.

Im Mai stand es schwarz auf weiß in einem Bericht der Vereinten Nationen zu lesen: Von den acht Millionen Tier- und Pflanzenarten, die es weltweit gibt, sind rund eine Million vom Aussterben bedroht. Umso wichtiger ist es, neue Lebensräume zu schaffen und bestehende zu erhalten. Auch Streuobstwiesen sind ein Lebensraum für bedrohte Arten wie die Fledermaus oder heimische Vögel. Trotzdem steht das Kulturgut Streuobstwiese in Nordrhein Westfalen auf der roten Liste der gefährdeten Biotope.  Die „Bürgerinitiative Naturschutz Siebengebirge“ setzt sich seit mehr als 30 Jahren für deren Erhalt ein.

Nun wurden der Verein und seine Mitglieder für ihr Projekt „Erhalt von Streuobstwiesen im Land der Drachen“ als Modellprojekt der UN-Dekade „Biologische Vielfalt“ ausgezeichnet. „Die biologische Vielfalt nimmt stark ab“, sagte Thomas Muchow, Jury-Mitglied der UN-Dekade, bei der Übergabe der Auszeichnung auf Schloss Drachenburg. „Es ist wichtig, dass wir eine Trendwende schaffen. Sie haben vorbildlich angepackt und Lebensräume und eine aussterbende Kulturlandschaft erhalten.“

Ausgesuchte Modellprojekte zum Erhalt der Artenvielfalt

Die UN zeichnet mit der Dekade Modellprojekte aus, die sich für bedrohte Arten und den Erhalt der biologischen Vielfalt einsetzen. Karl Heinz Erdmann vom Bundesamt für Naturschutz und Vorstandsmitglied der NRW-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege übergab den Preis an den Vorsitzenden der Bürgerstiftung, Ignaz Schmitz. „Ich bin überwältigt, dass unsere Arbeit von so vielen Menschen gewürdigt wird“, so Schmitz.

Mit Naturschutz hatten Ignaz Schmitz und seine Frau eigentlich gar nicht so viel am Hut. Als 1985 Pläne auftauchten, dass oberhalb von Oberdollendorf auf einer alten Obstwiese ein Bauvorhaben umgesetzt werden sollte, stellten sie sich gegen das Vorhaben. „Wir haben angefangen als Revolutionäre: Wir wollten kein Sonderbaugebiet und haben jahrelang dagegen gekämpft“, erinnerte sich Schmitz. Die beiden gründeten die Bürgerinitiative und hatten schließlich Erfolg: Das Bauvorhaben wurde 1989 eingestellt, die Wiese zum Naturschutzgebiet erklärt. Mit Werkzeug aus dem Keller fingen sie an, die Wiese am Dichberg und die teils mehr als 80 Jahre alten Obstbäume zu pflegen. Über die Jahre kamen Flächen am Schnitzenbusch und der Zengeling, ein alter Schulweinberg, hinzu. Zusätzlich kümmert sich die Initiative heute um ein Gebiet am Kellerberg, das im Besitz der NRW-Stiftung ist.

Mittlerweile rund 230 Mitglieder

Rund 35 aktive Mitglieder pflegen die zehn Hektar Streuobstwiesen, Weinbergsbrachen, Magerwiesen, Hecken und Wildobstbüsche. „Wer aus Königswinter kommt, weiß, wie unermüdlich sich die Bürgerinitiative für ihre Wiesen einsetzten“, lobte auch Andrea Milz, Staatssekretärin für Sport und Ehrenamt in Düsseldorf, am Donnerstagabend.

230 Mitglieder zählt der Verein insgesamt. Regelmäßig rücken sie aus, um die Flächen von wuchernden Brombeerbüschen zu befreien, die Obstbäume zu beschneiden und die Wiesen schonend zu mähen. Die Pflege sei wichtig, da Pflanzen wie der wilde Majoran oder der Weinbergknoblauch Licht und Platz zum wachsen brauchen, erklärte Chris Harraß von der Bürgerinitiative. Die Obstbäume alter Sorten werden sorgsam beschnitten. Umgefallene Bäume lassen sie, soweit es geht, liegen, da auch sie einen Lebensraum für bedrohte Arten bieten. Die Werkzeuge und Gerätschaften sind teuer, daher wird der Verein von Sponsoren aus der Region und von der NRW-Stiftung unterstützt. Anfang dieser Woche gewannen sie zudem den zweiten Platz des Klimaschutzpreises der Stadt Königswinter und der RWE-Tochter „innogy“ mit einem Preisgeld von 750 Euro.

Weitere Informationen gibt es unter www.naturschutz-siebengebirge.de.

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