Werk von Heinrich Blumenthal: Buch zeigt die schönsten Häuser von Königswinter

Werk von Heinrich Blumenthal : Buch zeigt die schönsten Häuser von Königswinter

Der Ehrenvorsitzende des Heimatvereins, Heinrich Blumenthal, hat ein Buch über die schönsten Häuser in Königswinter geschrieben. Der Autor fragt, ob wir heute eine Architektur zum Wohlfühlen schaffen.

Eine zauberhafte Landschaft sei das eine Kennzeichen des Siebengebirges. „Aber wir möchten daran erinnern, dass wir hier auch Kostbarkeiten zu hüten haben, die von Menschenhand geschaffen wurden“, sagte Heinrich Blumenthal, der Ehrenvorsitzende des Heimatvereins Siebengebirge. Er meinte mit dieser Anspielung die vielen schönen Häuser in Königswinter. „Architektur zum Wohlfühlen“ ist der Titel seines neuen Buches, das er jetzt mit Vorstandsmitgliedern in der Nibelungenhalle vorstellte. Auf 186 Seiten präsentiert der gelernte Architekt einige der Musterexemplare bezaubernder Immobilien.

Villen am Rhein, Wohn- und Geschäftshäuser in der Stadt, die über 100 Jahre alten Reihenhäuser an der Wilhelmstraße, die mit heutiger Reihenhausbebauung so viel Ähnlichkeit haben wie ein Schloss mit einer Hütte, und als viertes Kapitel Details wie verspielte Giebel und Balkone führt Blumenthal in seinem Werk auf. Christian Kieß hat in bewährter Manier die Fotos gemacht, sodass ein eindrucksvolles Gesamtwerk vorliegt. Schon das Titelbild ist Einladung genug zum Blättern in dem „Schöner-Wohnen“-Schmöker. Dort wird eine Backsteinvilla an der Rheinallee präsentiert, das Blätterdach mächtiger Bäume gibt dem Gebäude zusätzlichen Charme.

Architektur zum Wohlfühlen?

„Natürlich wird man heute nicht mehr solche Häuser bauen. Die Ansprüche und die Lebensumstände der Bauherren haben sich erheblich verändert“, sagt Blumenthal. Fraglich sei jedoch, „ob unsere Urenkel in hundert Jahren bewundernd auf unsere heutigen Bauten zurückblicken werden, so wie wir heute die alten Häuser bewundern“. Der Autor fordert deshalb: „Schaffen wir heute eine Architektur zum Wohlfühlen?“ Seine Antwort: „Nicht alles, was funktioniert, ist auch schön.“

Die Rheinallee Königswinters stelle ein Kleinod der Stadt dar, die als „vornehme Villenstraße“ gilt. Blumenthal kritisierte: „Doch sie läuft Gefahr, unwiederbringlich zu verschwinden.“ Viele dieser Villen stehen unter Denkmalschutz, „der jedoch nicht immer vor Verunstaltung schützt“. So wurde etwa die Villa Spindler in den 1950er Jahren abgerissen, um Neubauten zu errichten. „Villen brauchen Abstand. Man sollte deshalb neumodische Flachdachbauten nicht zwischen zwei alte Villen quetschen. Man sollte auch keine Anbauten an denkmalgeschützte Baukörper erlauben.“ Schnell könne so der Charakter der Straße auf das Niveau einer Allerweltsstraße herabgedrückt werden.

Auf der Titanic gab es Böden mit Mettlacher Fliesen

Das Buch bietet auch skurrile Geschichten: So erfährt man zum Beispiel, dass Mettlacher Fliesen, wie sie in Villen in Königswinter zu finden sind, zuweilen in russischen Eisenbahnwaggons für besondere Fahrgäste gelegt wurden. Etwa für die Zarenfamilie, für die auch zwei Kühe mitgeführt wurden, damit die Passagiere täglich russische Milch trinken konnten. Die legendäre Titanic besaß ebenfalls Böden mit den legendären Mettlacher Fliesen – Taucher bargen sie vom Meeresgrund. Und sie sollen wie neu gewesen sein.