Großeinsatz in Königswinter: Bonner Staatsanwaltschaft ermittelt nach Zyankalifund

Großeinsatz in Königswinter : Bonner Staatsanwaltschaft ermittelt nach Zyankalifund

Eine chemische Substanz rief am Sonntagabend die Feuerwehren von Siegburg und Königswinter auf den Plan. Am Montag kam heraus: Ein Mann hatte eine große Menge Zyankali in seiner Wohnung. Nun ermittelt die Bonner Staatsanwaltschaft.

Ein versuchter Suizid – vermutlich mit Zyankali – hat am Sonntagabend in Königswinter-Bellinghausen zu einem Großeinsatz der Feuerwehren aus Königswinter und Siegburg mit insgesamt 80 Einsatzkräften geführt. Der Betroffene selbst wurde in ein Krankenhaus gebracht. Über seinen Zustand war am Montag nichts bekannt.

Nach Informationen des General-Anzeigers soll es sich um einen 76-jährigen Chemiker handeln, was auch erklärt, wie er an die große Menge Zyankali gekommen sein könnte. Die Feuerwehr sicherte etwa ein Kilogramm der hochgiftigen Substanz.

Nach Angaben des Ersten Beigeordneten der Stadt Königswinter, Dirk Käsbach, hatte ein Nachbar die Rettungsleitstelle über den Suizidversuch in einem Zweifamilienhaus an der Bellinghausener Straße informiert. „Während des Einsatzes wurde klar, dass der Betroffene sich das Leben mit Zyankali nehmen wollte“, so Käsbach gegenüber dem General-Anzeiger. Dabei habe man sich bezüglich der Substanz auf die Angaben des Betroffenen verlassen.

In einem offenen Behälter habe sich etwa ein Kilogramm des hochgiftigen chemischen Stoffes in Pulverform befunden. Bei einem erwachsenen Menschen mit 80 Kilogramm Körpergewicht liegt die tödliche Dosis bereits bei 230 Milligramm Kaliumcyanid. Zyankali ist in minimalen Dosen zum Beispiel auch in Bittermandeln vorhanden, weshalb diese in Apotheken nur in ganz geringen Dosen verkauft werden.

Wie die große Menge in den Besitz des Betroffenen gelangen konnten, war zunächst unklar. In Apotheken wird die Substanz nicht verkauft, wie eine Nachfrage des General-Anzeigers ergab. Im Chemikaliengroßhandel ist in der Regel ein Sachkundenachweis zu erbringen. Da es sich bei dem Betroffenen um einen diplomierten Chemiker handeln soll, dürfte ihm dies die Beschaffung aber erleichtert haben.

Substanz war zunächst unklar

Die von den Rettungskräften alarmierte Feuerwehr war mit rund 80 Kräften der Löscheinheiten Oelberg, Bockeroth, Ittenbach, Niederdollendorf und Oberdollendorf sowie einem Messfahrzeug der Siegburger Feuerwehr von 19.20 bis 23.30 Uhr bei dem ABC-Einsatz in Bellinghausen im Einsatz. Vor Ort waren auch Mitarbeiter der Stadt Königswinter und die Bonner Polizei.

Da zunächst nicht klar war, um welche Substanz es sich handelt, gingen die mit Schutzanzügen ausgerüsteten Feuerwehrleute in das Zweifamilienhaus, verschlossen dort den offenen Behälter und sicherten ihn in einem weiteren Spezialgefäß. Der tödliche Wirkstoff in Zyankali kann sich auch an der Luft freisetzen.

Die beiden Bewohner einer weiteren Wohnung in dem Zweifamilienhaus und eine Familie aus einem Nachbarhaus wurden während des Einsatzes evakuiert, konnten aber später wieder in ihre Häuser und Wohnungen zurückkehren. Nachdem die Wohnung mit dem Behälter in der Nacht versiegelt worden war, beauftragte die Stadt am Montag eine Spezialfirma mit der Entsorgung der giftigen Substanz. Auf eine genaue Analyse verzichtete man. „Dies würde einen erheblichen Aufwand auslösen und wäre deutlich teurer als das Material fachgerecht zu entsorgen“, sagte Käsbach.

„Der Besitz von Zyankali ist straffrei. Wie der Betroffene die Substanz jedoch beschafft und gelagert hat, könnte strafrelevant sein“, teilte Robert Scholten, der Sprecher der Bonner Polizei, auf Nachfrage mit. Mittlerweile ermittelt die Bonner Staatsanwaltschaft. Wie ein Polizeisprecher am Dienstag mitteilte, werde strafrechtlich geprüft, welche Umstände der Beschaffung des Gifts sowie dessen Lagerung zugrunde lägen.

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