Drei Konzerte vor vollem Haus: Bläck Fööss spielen im Königswinterer Wohnzimmer

Drei Konzerte vor vollem Haus : Bläck Fööss spielen im Königswinterer Wohnzimmer

Alle wollten die alten Lieder der Kölner Kultband hören, alle sangen mit: Gänsehautstimmung herrschte bei den Konzerten, die Ernst "Erry" Stoklosa, Hartmut Priess und Co. auf Einladung der KG Fidele Freunde Postalia gaben.

„Mer blieven, wo mer sin, schon all die lange Johr, en uns'rem Veedel …“, sangen die Bläck Fööss. Und eigentlich ist ja Königswinter das Veedel und die CJD-Aula das Wohnzimmer der Kölner Kultband. Zum 46. Mal gastieren die Musiker in dieser Woche in der Drachenfelsstadt bei der Karnevalsgesellschaft (KG) Fidele Freunde Postalia.

Und zum sechsten Mal treten sie an drei Abenden hintereinander auf – davon einmal auf Einladung des Damenkomitees der KG. „Alle Jahre wieder, dreimal volles Haus!“, stellte Ernst „Erry“ Stoklosa hingerissen fest und stimmte auch sogleich das Lied etwas abgewandelt an: „Ich han 'nen Deckel … in Königswinter.“

Dass die Bläck Fööss hier keinen Deckel machen müssen, dafür sorgt allerdings die Postalia mit einer tollen Bewirtung. „Was wir hier in Königswinter erlebt haben in den vielen Jahren, das ist ungewöhnlich“, sagte Bassist Hartmut Priess. Für das Urgestein der Band, der Ende dieses Jahres in den Ruhestand tritt, ist dieses Gastspiel das letzte in Königswinter.

Priess gibt seinen Abschied in Königswinter

Ein Anlass, einen der ältesten Titel, eben „En unserem Veedel“, anzusagen. „Da geht es um den Zusammenhalt der Menschen“, bemerkte er mit Blick auf die Fidelen Freunde Postalia. Er lobte das Engagement der KG, die wieder insgesamt 120 Menschen mit Behinderung und das Juniorentanzcorps eingeladen hatte. „Diese leuchtenden Augen in den ersten beiden Reihen zu sehen, ist für uns alle sehr schön.“

Priess versprach augenzwinkernd: „2019 bin ich hinter der Bühne, dann habe ich das Buffet, das seinesgleichen sucht, für mich! Auf Wiedersehen!“ Die Besucher waren hin und weg vom „Veedel“, standen auf, schunkelten im Takt der Melodie. Viele sangen mit: „Wat och passeet … denn he hält m‘r zosamme.“

Und am Schluss blieben die Besucher stehen, applaudierten minutenlang – eine Huldigung für den scheidenden Bassisten, der schon mal neugierig machte auf seinen Nachfolger, den bisherigen Domstürmer Hanz Thodam, und mit dem Titel „Unger'm Adler“ auch noch einen eindringlichen Appell an den Frieden in der Welt verband.

Das Publikum kreischt schon bei der Ankünigung

Mit einer bunten Mischung aus alten Songs und neuen Titeln begeisterte die Ur-Band aller kölschen Mundartgruppen, zu deren Besetzung außerdem Mitgründer Günther „Bömmel“ Lückerath, die Neuen von 2017, Mirko Bäumer und Pit Hupperten, sowie Ralph „Gus“ Gusovius und Andreas Wegener gehören.

Und so gab es etwa nach dem Vorjahreshit „Lommer“ das schon unter Publikumskreischen angekündigte Lied aus den Anfängen „Drink doch eine met“. Erry Stoklosa: „Da war der halbe Saal noch nicht auf der Welt.“ Lieder wie „Katrin“ oder „Unser Stammbaum“ begeisterten ebenso wie „The Great Pretender“, bei dem Sänger Mirko Bäumer die Lederjacke wie Elvis überstreifte, oder „Schötzefess“, nun mit Sänger Pit Hupperten im passenden Outfit.

Beim „Sirtaki“ tanzten auch die Helfer der Postalia hinter der Theke – rund 40 Mitglieder der KG sind aktiv, um einen reibungslosen Ablauf zu garantieren und Getränke sowie die legendären Mettbrötchen anzubieten. Der Titel „Ming eetste Fründin“ ließ viele mitsingen über Meiers Kättche. Auch beim „Buuredanz“ waren die Besucher hin und weg.

Bei so viel Temperament zerspringt das Tamburin

„Was hier so abgeht“, meinte Mirko Bäumer, der verdutzt schaute, als ihm die Schellen des Tamburins um die Ohren flogen. Pech für die Band, Glück für die Postalia: In der Pause widmeten die Bläck Fööss das defekte Instrument der KG zum 90-jährigen Bestehen 2019 und signierten es alle zur großen Freude von Präsident Arno Wichelhoven, Ehrenpräsident Bernd Hardenberg und Damenkomitee-Präsidentin Margret Wichelhoven.

Aus dem Häuschen war das Publikum auch bei der „Achterbahn“. Zum Finale gab es unter „Zugabe“-Rufen „Dat Wasser vun Kölle“ oder „Du bess die Stadt“ und zum Runterkommen das langsame „Zosamme sin“. 2020 feiern die Bläck Fööss 50-jähriges Bestehen. Ganz bestimmt auch in ihrem Wohnzimmer.