GA-7Gebirge-Adventskalender: Baustein für Baustein ins Leben

GA-7Gebirge-Adventskalender : Baustein für Baustein ins Leben

GA-Volontärin Sabrina Bauer hilft beim Plätzchenbacken im Haus Heisterbach, einer Einrichtung, die Schwangeren und Müttern mit Kindern in Problemsituationen ein Zuhause auf Zeit bietet.

Auf den Klingelschildern an der Haustür stehen Ziffern von eins bis zwölf, keine Namen. Nur ein einziger Knopf ist beschriftet – das Büro. Als ich die Taste betätige, höre ich Schritte die sich nähern, dann wird die Tür aufgeschlossen. Freundlich werde ich empfangen und durch den Flur zur großen Gemeinschaftsküche geführt.

Diese Sicherheitsvorkehrungen müssen sein, denn sie schützen die Bewohnerinnen von Haus Heisterbach. Die Einrichtung bietet Schwangeren und Müttern mit ihren Kindern in Problemsituationen ein Zuhause – auf Zeit.

In der Küche wird schon Teig geknetet. Unter Anleitung von Hildegard Hüttermann backen Bewohnerinnen und ihre Kinder an diesem Freitag Kekse für die Weihnachtsfeier und den Verkauf zugunsten der Einrichtung. Die zweijährige Lily steht auf einem Kinderstuhl und rollt kleine Kügelchen. Daraus entstehen „Heisterbacher Knöpfchen“ – Plätzchen aus Mürbeteig. Sie lächelt und drückt mir unbekümmert einen Teigklumpen in die Hand. Ein Junge saust durch die Küche nach nebenan in die verglaste Veranda zu den Spielsachen.

Dieser Wintergarten ist ein beliebter Treffpunkt der Mütter zum Kaffeetrinken und Quatschen. Derzeit leben sieben Frauen und 13 Kinder in Haus Heisterbach. Jede von ihnen hat ihre eigene Wohnung mit Wohnküche, Schlaf- und Badezimmer. „Das ist ein Wohnhaus wie ein Mietshaus, nur mit Sozialpädagogen und Begleitern“, sagt Hüttermann. Seit mehr als 14 Jahren ist die 66-Jährige ehrenamtlich im Haus Heisterbach tätig.

Gründe für den Einzug ins Haus Heisterbach

Die Gründe für den Einzug der Frauen sind vielfältig: familiäre Probleme, Schwangerschaftskonflikte, Schwierigkeiten im Umgang mit einem Säugling, Beziehungsprobleme, aber auch Wohnungslosigkeit. Viele der Frauen hätten Gewalt erfahren – dazu zähle nicht nur körperliche, sondern auch seelische Gewalt so Hüttermann.

Beim Einzug wird jeder Bewohnerin eine speziell geschulte Begleiterin zur Seite gestellt – als Unterstützung bei Alltagsproblemen oder als Gesprächspartnerin. „Manche ziehen nach einem halben Jahr wieder aus, andere bleiben zwei Jahre.“ Die erste Ladung Plätzchen ist fertig, der Duft breitet sich im Haus aus. Büromitarbeiter stecken immer wieder den Kopf durch die Tür und erkundigen sich nach dem Stand der Backaktion. „Kann ich auch mitbacken?“, fragt ein Mädchen und schiebt die Ärmel ihres Pullovers hoch.

Kinder wachsen wie Geschwister auf

„Die Kinder wachsen wie Geschwister auf“, sagt eine Bewohnerin. Trotz der Altersspanne von acht Monaten bis 13 Jahren helfen sich die Jungen und Mädchen gegenseitig. Kindergeburtstage werden einfach mit allen zusammengefeiert. „Im Sommer machen wir immer etwas zusammen. Dann grillen wir, machen Stockbrot oder Marshmallows. Oder fahren gemeinsam ins Schwimmbad“, erzählt Lilys Mutter. Auch Weihnachten und Silvester feiern die Mütter gemeinsam.

Manchmal birgt das Zusammenleben mit so vielen unterschiedlichen Persönlichkeiten und Bedürfnissen allerdings auch Konflikte. Daher gibt es feste Regeln: kein Alkohol, keine Drogen. Ein Putzplan und Besuchszeiten. „Die Frauen kommen hier zur Ruhe und können ihr Leben ordnen“, sagt Hüttermann. Ruhe finden die Mütter und ihre Kinder in der weitläufigen Parkanlage genug. Rund 70 Ehrenamtliche engagieren sich in der Einrichtung, die auf Spenden angewiesen ist.

Gemeinsam mit ihren Begleiterinnen fassen die Frauen Pläne für die Zukunft. Eine Ausbildungsstelle. Eine eigene Wohnung. Einen Kitaplatz. Stück für Stück schaffen sich die Frauen so eine neue Lebensperspektive. „Ich finde, das Wort Baustein beschreibt es gut“, so Hüttermann. Der Trägerverein von Haus Heisterbach heißt treffenderweise „Bausteine für das Leben“.

Mein Blick fällt durch den offenen Durchgang auf die verglaste Veranda. Lily hat sich auf den Fußboden gesetzt und bunte Holzklötzchen vor sich ausgebreitet. Sie stapelt Baustein auf Baustein und freut sich über das wachsende Gebilde.

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