Benefizlauf für Vanessa: Bad Honnefer Volker Brusius hat Spanien erreicht

Benefizlauf für Vanessa : Bad Honnefer Volker Brusius hat Spanien erreicht

Seit 48 Tagen ist der 47-jährige Bad Honnefer nach Santiago de Compostela unterwegs, damit die kranke Vanessa einen Assistenzhund bekommt. Inzwischen ist er auf der Zielgerade. Und kämpft gegen die Müdigkeit an, wie er in seinem Facebook-Tagebuch schreibt.

Volker Brusius geht auf die Zielgerade seines rund 2400 Kilometer langen Benefizlaufs nach Santiago de Compostela für die kranke Vanessa Walkembach. Seit etwa einer Woche ist er auf dem klassischen Jakobsweg unterwegs. Ostermontag lief der 47-Jährige aus Bad Honnef bereits 48 Tage seit seinem Start vor sieben Wochen.

Mit jedem Kilometer sammelt Brusius Geld, damit Vanessas Retriever Neelo zum Assistenzhund ausgebildet werden kann. Das kostet 20 000 Euro.

Am Ostermontag war er in Hornillos del Calmino und schrieb in seinem Facebook-Tagebuch: „Tageskilometer 48, Gesamtkilometer 2001. Die Odyssee im Weltraum fand heute auch noch statt.“ Gemeint war der gleichnamige Hollywood-Film.

Ausnahmsweise ein Einzelzimmer

Brusius war an diesem Tag offensichtlich bei bester Laune. In der Pilgerherberge ergatterte er tatsächlich ein Einzelzimmer. „Normal ernte ich nur ein müdes Lächeln, aber diesmal, ja diesmal nicht. Herrlich!“, schreibt er. Dann lernte er auch noch drei nette Mädels aus Australien kennen.

Am Tag vorher war er in dem einsamen kleinen Bergdorf San Juan de Ortega angekommen. In der dortigen Pilgerherberge wunderten sich die Herbergseltern, dass er gleich zwei Menüs bestellte – für eine Person. Nach 46 Kilometern hatte er es sich redlich verdient.

An den Tagen zuvor hatte Brusius mit den Problemen der Technik zu kämpfen. Da er die Herbergen meist später als die anderen Pilger erreicht, konnte er zwei Tage lang seine Geräte nicht aufladen. Drei Tagebucheinträge schrieb er dann an einem Tag. Erschwerend kommt hinzu, dass in den Pilgerherbergen mit ihren bis zu 40 Betten pro Raum die Nacht meist um 5 Uhr vorbei ist.

Im Schlafsaal ist mitten in der Nacht Party

„Ebenfalls noch mitten in der Nacht fing die Party an. Dazu noch Wecker in irgendeinem Rucksack, dessen Träger seelenruhig schlief“, schreibt er. Tags zuvor, am Karfreitag, hatte ihn eine schlechte Nachricht aus der Heimat erreicht: Vanessa musste wieder ins Krankenhaus.

Mit den schwersten Beinen seit Beginn der Tour schleppte er sich über die ersten von rund 60 Kilometern. „Irgendwann lief's dann wieder, auch und vor allem, weil ich für sie bis ans Ende der Welt laufe – wenn ich schon nichts mehr machen kann, dann wenigstens das“, so Brusius im Tagebuch.

Die Nacht verbrachte er auf einer Parkbank, eingepackt in warme Kleidung und einen Schlafsack. Am nächsten Tag nahm er in der nächsten Stadt ein Einzelzimmer, um seine Sachen zu waschen und zu duschen – und vor allem, um zu schlafen.

Jetzt läuft er auf dem klassischen Jakobsweg

Am 41. Tag, nach 1695 Kilometern, war er an der spanischen Grenze angekommen. Dort hatte er in St. Jean Pied de Port auch den klassischen Jakobsweg erreicht und musste sich erst einmal an die Unfreundlichkeit mancher Pilger gewöhnen.

In den ersten 40 Tagen hatte er insgesamt zwölf freundliche Pilger getroffen. An diesem Tag begegnete er 17, von denen manche nicht den obligatorischen Pilgergruß erwiderten.

Am Tag zuvor hatte er erstmals die Pyrenäen mit ihren schneebedeckten Gipfeln gesehen. „Für mich ein absolut grandioser Anblick“, schreibt er. Zumal er seit ein paar Jahren die Idee hat, in den Pyrenäen oder deren Ausläufern in Spanien ein Geschäft für Outdoor- und Trailrunning-Ausrüstung zu eröffnen.

Vor dem Blick auf die Pyrenäen musste Volker Brusius aber immer wieder gegen den inneren Schweinehund und die große Müdigkeit in seinem Körper ankämpfen. Gelegentlich hatte er dabei auch, wie an den ersten Tagen seiner Tour, mit Regen und Sturm oder dürftigen Mahlzeiten zu kämpfen. Oder mit ermüdenden Wegen.

Auf der Etappe von Bazas nach Roquefort lief er über einen langen schnurgeraden Waldweg. „Wer den Stellweg, den langweiligsten Weg im Siebengebirge, kennt. Der ist im Gegensatz zu der Waldautobahn hier die reinste Achterbahnfahrt“, schrieb er in sein Tagebuch.

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