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Andenken an eine Ära: Ausverkauf im Königswinterer Grandhotel Loreley

Andenken an eine Ära : Ausverkauf im Königswinterer Grandhotel Loreley

Beim Ausverkauf Hotel Loreley herrschte großer Andrang, bereits in den Morgenstunden tummelten sich die Besucher auf der Rheinallee. Viele blickten voller Wehmut und mit Unverständnis auf die Schließung.

Nur Kaiser Wilhelm II. blieb ungerührt. Mit majestätischem Gleichmut blickte er beim Ausverkauf im Königswinterer Rheinhotel Loreley wie immer von dem großen Ölgemälde in den Saal, in dem er 1899 seinen 40. Geburtstag gefeiert hatte. Für alle anderen ist es eine recht emotionale Angelegenheit gewesen, dem ehemaligen Grandhotel Adieu zu sagen. Und nicht nur die Mitglieder und Mitarbeiter der Inhaberfamilie Maderer, die das Hotel zum Ende März nach 45 Jahren im Familienbesitz aufgibt, vergossen Tränchen.

Sie hatten am Wochenende die Tische nicht zum Tafeln gedeckt. Vielmehr stapelte und reihte sich auf ihnen das, was weg sollte: Platzteller und Tortenplatten, Muschelkochtöpfe und Sitzkissen, Silbertabletts mit und ohne Spitzendecken, Unmengen von Kartons mit Gläsern, Weinrömer und Bierseidel, Zapfhähne, Flaschenöffner und Sahnetüllen genauso wie Heizlüfter, Bilder, eine Schlagsahnemaschine oder ein elektrischer Fleischwolf.

Alles, was das bekrönte „L“ als Monogramm, Abbild und Schriftzug des Hotels trug, war besonders begehrt. Insbesondere Porzellan und Besteck mit entsprechender Aufschrift gingen weg wie nichts. Gerade noch zwei solcher Gabeln und Messer sowie ein paar Duschtücher sicherten sich Dorothee Moll und Rolf Sprünken aus Bonn, die eine eigene Geschichte mit dem Hotel verbinden: „Wir haben hier seit Jahren im August unseren Kennenlern-Tag gefeiert.“

Ausverkauf Hotel Loreley

Verständnis für die Inhaber

Vorher seien sie woanders im Siebengebirge und auf dem Petersberg gewesen, „aber das war uns alles nicht romantisch genug“. Während ihres „Loreley“-Aufenthalts hätten sie auch immer eine Weinstube am Ort aufgesucht, und für morgens beim Frühstück habe er ihr Blumen aus einem lokalen Blumengeschäft besorgt. Trotzdem äußerten sie auch Verständnis für die Inhaber, „wenn die Übergabemodalitäten an den Nachwuchs schwierig sind, und da platzt ein gutes Angebot rein.“

Zur Trauer über die Auflösung eines Traditionsbetriebs kam Kritik an der Stadtverwaltung und an der „Altstadtentwicklung in Königswinter generell“. Von „wie schade“ bis „eine Schande“ reichten die Kommentare der Besucher zur Schließung des Hotels. Mehr als nur Bedauern äußerte auch Barbara Mast aus Bad Godesberg, beeindruckt von dem neobarocken Bau und betroffen von dessen Schicksal zugleich: „Dass die Stadt nichts tut, um ein solches Juwel zu erhalten. Aus diesen Räumen könnte man doch ein Kulturzentrum machen und den Kaisersaal zum Konzertsaal.“

„Alles geht den Bach runter: Berliner Hof, Kölner Hof, Düsseldorfer Hof und als letztes seiner Art jetzt das Hotel Loreley“, beklagte Rudolf Henseler aus Bad Honnef, ein gebürtiger Königswinterer. „Erst vergangenes Jahr haben wir hier zwei Geburtstage gefeiert“, erklärte seine Frau Mechthild und musste in Erinnerung daran schlucken.

"Sturm auf die Bastille"

Mit einem „Sturm auf die Bastille“ verglich Cedric Maderer den Auftakt des Ausverkaufs, an dem Interessierte vor der Tür Schlange standen. Er hatte eigentlich zu Jahresbeginn von seinem Großvater Manfred Maderer die Hotelleitung übernehmen sollen, wäre da nicht das Kaufangebot gekommen. Doch weniger stürmisch als eher schweren Herzens schritt mancher über den roten Teppich auf der Treppe zur Beletage des Hotels. Manche warfen durch das „Bullauge“ in der Tür einen letzten Blick vom Kaisersaal in die Küche oder von der großen Glasfront des Wintergartens auf den Rhein. Immer schwang Wehmut mit. „Man konnte hier auch draußen so schön sitzen. Nun geht eine Ära zu Ende“, sagte Gabriele Boos aus Asbach und fand, wie fast jeder, auch ein Andenken.

Am Eingang zum Kaisersaal stand der „stumme Diener“, der immer die Speisekarte des zugehörigen Restaurants Metropol im Erdgeschoss präsentiert hatte. Gegenüber türmte sich Weihnachtsdeko. Im Wintergarten, in den am Wochenende scheinbar noch mal extra schön die Sonne schien, nahmen die Besucher Porzellan, Edelstahlkännchen, Vasen und Wein ins Visier. Und im Foyer wurden sie empfangen von Lampen, Sektkühlern, Tischdecken, Servierwagen, Anrichten und Gartentischen. Über ein Klavier freute sich eine Grundschülerin, nachdem ihre Lehrerin das Instrument inspiziert und die Eltern ihr Okay gegeben hatten.

Viele Spekulationen um Zukunft des Hotels

Mit als erstes ausverkauft waren Speisewärmer aus Edelstahl fürs Büfett. Auch 120 Terrassenstühle plus Tische sind noch am Samstag abtransportiert worden, und auf fast allen Spiegeln oder Büfettschränken – und waren sie noch so groß – klebte bald ein roter Punkt oder der Vermerk „verkauft“. Die Kaisersaal-Bestuhlung hingegen stand geschützt an einer Seite. „Die hat der neue Besitzer mitgekauft“, sagte Cedric Maderer. Genauso wie etwa die Kronleuchter.

Was genau aus dem Hotel wird, war Gegenstand vieler Spekulationen. Luxuswohnungen? Eine Seniorenresidenz? Der Juniorchef erklärte Fragenden, er gehe davon aus, dass „wohl 2020 die Bagger anrücken“. Cedric Maderer wird Königswinter den Rücken kehren, nicht aber der Hotellerie, auch wenn er noch nicht genau weiß, wo es hingeht: „Ich habe Angebote von Hamburg bis Zürich.“ Und das Gemälde von Kaiser Wilhelm II.? Es bleibt, wenn auch nicht im Rheinhotel, so aber doch im Besitz von Manfred Maderer.