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Benefizkonzert in Königswinter: Alles andere als "kniestich"

Benefizkonzert in Königswinter : Alles andere als "kniestich"

An den Erfolg des Vorjahres anzuknüpfen, war für Musiker Norbert Schmitz eine Selbstverständlichkeit. Vor ziemlich genau einem Jahr konnte er gemeinsam mit einem regionalen All-Star-Ensemble, bestehend aus Freunden und Musikerkollegen aus dem Köln-Bonner Raum, bei einem großen Benefizkonzert 1750 Euro für den Verein für Gefährdetenhilfe e.V. sammeln.

Danach stand für den Kölschrocker mit der markant rauchigen Stimme fest: Es muss ein Benefizkonzert Nummer zwei geben - und noch größer, bunter und besser sollte es sein. Gesagt, getan: Die zweite Musikgala der Superlative, die diesmal im großen Saal des Maritim-Hotels über die Bühne ging, war ein Fest, das voll ins Schwarze traf.

Konzept und Motto blieben unverändert: 14 Talente hatte Schmitz für den Benefizabend engagieren können, ihnen allen ist das Spielen für den guten Zweck eine Selbstverständlichkeit. "Net esu kniestich", auf Hochdeutsch: "Nicht so geizig", haben sich "Schmitz & Friends" einmal mehr als Leitspruch auf die Fahne geschrieben - ein Aufruf zu mehr Warmherzigkeit gegenüber Wohnungslosen und Hilfsbedürftigen. Der Organisationsaufwand ist jedoch exponentiell gestiegen: Sogar eine eigene Single mit dem Titel "Schattenmann" hatten die beteiligten Musiker eigens für das Konzert aufgenommen - "ein Song, um allen, die am Rande der Gesellschaft stehen, eine Stimme zu geben", wie Sängerin Miriam Brackelsberg erklärte. 14 Musiker,

14 verschiedene Stile und Einflüsse - wie von einem solch vielseitigen Talent-Aufgebot nicht anders zu erwarten, hatte es die Setlist des Abends in sich. Ein Highlight gleich zu Beginn war eben jene Exklusiv-Single "Schattenmann", eine emotionale Ballade, bei der alle gemeinsam auf der Bühne stehen - "Band Aid" in klein, sozusagen. Dann der Auftritt von Joy Masala. "You got me where you want me...": Die junge Powerstimme aus Königswinter, ehemals Kandidatin und Beinahe-Finalistin der Castingshow "The Voice of Germany", röhrte Aretha Franklins "Chain of Fools" ins Mikro, ein energiegeladener Cocktail aus Pop und Soul. Und da dem Publikum die Hits der First Lady of Soul spür- und hörbar gefielen, gab es "Respect" gleich dazu. Big-Band-Feeling vom Feinsten. Dann wurde noch einmal den Stones mit "Jumping Jack Flash" gehuldigt - Schmitz griff selbst zur

E-Gitarre und mimte Keith Richards - und Masala musste auch schon wieder gehen. Schmitz, an dem Abend von allen neckisch "Nobby" genannt, pustete sich die zerzausten Haare aus der Stirn - und weiter im Programm.

Nina Lindner gab "Valerie" von Amy Winehouse zum Besten, das Publikum tanzte mit; dann sorgte Schmitz höchstpersönlich im Duo mit Miriam Brackelsberg für den vielleicht komischsten Moment des Abends: "Maach höösch", eine kölsche Ode an durchzechte Nächte und verkaterte Morgen, auf die Melodie von Nazareths "Love Hurts" - "das Original ist schließlich für Waschlappen", scherzte Schmitz. Insgesamt gab es 28 Stücke zu hören, von Rockigem à la "Living on a prayer" bis hin zu ruhigen Nummern wie "Soulmate" und "One". Jeder kam auf seine Kosten.

Die beste Nachricht dann zum Schluss: Die Spendeneinnahmen haben sich im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt, stolze 3800 Euro sind zusammengekommen. Susanne Fredebeul vom Verein für Gefährdetenhilfe zeigte sich vom Engagement der Musiker, aber auch vom Zuspruch der mehreren Hundert Besucher "wirklich begeistert". Das gesammelte Geld soll nun in die Anschaffung von Schlafsäcken, Isomatten und Astronautenkost fließen, um die Betreuung der Obdachlosen während der kalten Wintermonate gewährleisten zu können. Keine Frage: Die Gäste waren hier alles andere als "kniestich" - wohl nicht zuletzt deshalb, weil "Schmitz & Friends" ein eindrucksvolles musikalisches Zeichen für Zwischenmenschlichkeit setzten.