Nicht so schlimm wie erwartet

Schüler verzichten in Königswinter aufs Handy

So schlimm war es gar nicht: Nach vier Tagen nehmen die CJD-Schüler in der Aula ihre Handys wieder in Empfang.

So schlimm war es gar nicht: Nach vier Tagen nehmen die CJD-Schüler in der Aula ihre Handys wieder in Empfang.

Königswinter. Siebtklässler am CJD haben einige Tage lang ohne Smartphone gelebt - und festgestellt: So schlimm ist das gar nicht.

An diesem Freitag, so gegen 10.30 Uhr, hat das Fasten ein Ende. Leon reißt ungeduldig den Briefumschlag auf, Henrik geht vorsichtiger ans Werk und bricht sorgsam das kleine Siegel auf der Rückseite auf.

Wenige Augenblicke später halten beide ihre Smartphones in Händen, ein Knopfdruck und schon tauchen die Jungs ab in das Geschehen auf dem Bildschirm. Fast vier Tage waren die beiden 13-Jährigen „ohne“ unterwegs – ohne Mobiltelefon.

Zum sechsten Mal hatte die Jugenddorf Christophorusschule (CJD) vor den Osterferien für alle Siebtklässler eine handyfreie Woche organisiert. Am Montagmorgen waren die Geräte in der Aula eingesammelt, in vorbereitete Umschläge eingetütet, versiegelt und im Anschluss von den Schülern zu Hause den Eltern übergeben worden. Erst am Ende der Woche sollten die Siebtklässler ihre Smartphones zurückbekommen.

In der Zwischenzeit führten die Jungen und Mädchen Protokoll über ihre spezielle Fastenzeit und thematisierten den Umgang mit Computer und Smartphone im Unterricht. Und wie war die Woche ohne? Die Reaktionen reichen von „grauenhaft“ bis „gar nicht so schlimm“, wobei letzteres Urteil deutlich häufiger fällt.

Mehr an der frischen Luft

„Eigentlich ganz normal“, lautet bei Marius die Bilanz. „Ich war öfter draußen und bin viel Fahrrad gefahren. Blöd war nur, dass ich keine Musik hören konnte.“ „Man hatte viel mehr Zeit“, sagt Nele. „Und hat mehr geschafft.“ Das Manko: „Ich wusste nie genau, wie spät es ist – ich konnte da ja nicht mal schnell aufs Handy gucken.“

Am Anfang hätten alle gedacht: Ohne Handy, das ist ein Ding der Unmöglichkeit, berichtet Nico. Aber dann hätten es in seiner Klasse doch alle ausgehalten. Einige entdeckten das Festnetz neu, andere trafen sich mal wieder mit Freunden und redeten mehr mit den Geschwistern.

Einzig die Langeweile machte dem ein oder anderen zu schaffen. „Wenn man nicht weiß, was man machen soll, ist das Handy schon praktisch“, sagt Titus. „Da gibt es immer etwas zu checken.“ Vier Tage mitgefastet hat auch Lehrerin Sabine Kottmann-Körver. „Das war teilweise ziemlich entspannend, zum Teil aber auch schwierig“, gibt sie zu.

Zum Beispiel just am Freitagmorgen: Unmittelbar, bevor die Schüler ihre Handys zurückbekommen sollen, fällt das Mikrofon in der Aula aus. „Mit Handy in der Hosentasche hätte ich schnell den Hausmeister angerufen“, sagt Kottmann-Körver. So muss sie erst in das Büro der Verwaltung laufen und um Hilfe bitten. „Ziemlich unpraktisch.“

Auf Knopfdruck flimmert auch ihr Display wieder auf. 1500 Whats app-Nachrichten, wie im Durchschnitt bei den Schülern, wurden ihr vermutlich nicht angezeigt. Die gilt es in den Osterferien erst einmal abzuarbeiten.