Königswinterer Innenstadt

Mit der Altstadt geht es langsam aufwärts

Königswinter. Die Zahl der Leerstände im Stadtzentrum von Königswinter hat sich in den vergangenen Jahren fast halbiert. Ein Stadtrundgang mit Andreas Pätz, dem Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungs- und Wohnungsbaugesellschaft, seinem Kollegen Holger Matissek und Stadtplanerin Anya Geider.

Es ist nicht nur das strahlende Wetter. Bei Andreas Pätz, dem Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungs- und Wohnungsbaugesellschaft (WWG), seinem Kollegen Holger Matissek und Stadtplanerin Anya Geider (Stadt Königswinter) herrscht am Montagmorgen beste Stimmung. Beim Rundgang durch die Altstadt, die seit Langem das Sorgenkind ist, haben sie manche positive Entwicklungen zu zeigen, die Hoffnung machen, dass sich das Blatt doch zum Guten wenden könnte.

Beim Start in Höhe des Hotel Maritim sind auf beiden Seiten Millionen-Projekte zu besichtigen. Das Hotelunternehmen investiert zurzeit einen zweistelligen Millionenbetrag in die Sanierung des Hauses. Auf der anderen Seite wird das ehemalige Adam-Stegerwald-Haus bis Februar in ein Altenpflegeheim mit 80 Appartements und sechs Wohnungen für betreutes Wohnen umgebaut. Was für ein Zufall, dass wenige Meter weiter ein junger Mann aus dem Alten Brauhaus kommt, dessen Familienname für viele in der Altstadt längst ein Reizwort ist.

Das muss jedoch nicht so bleiben, versichert Oliver Rizk, Sohn vom Mohammed Rizk, mit dem die Stadt seit vielen Jahren wegen des Cafés Europa im Clinch liegt. „Wir wollen das Café wieder in Betrieb nehmen“, verspricht er. Das Café an zentraler Stelle in der Altstadt wurde vor Jahren von der Stadt versiegelt, weil bei den Sanierungsarbeiten tragende Bauteile entfernt worden waren. Im Alten Brauhaus, in der Orangerie schräg gegenüber und im Haus Rizk am Ende der Fußgängerzone, das früher Haus Metternich hieß und jetzt ebenfalls der ägyptischen Familie gehört, werden nur noch Zimmer vermietet. Gastronomie ist dort nicht mehr geplant.

Leerstand ist weiterhin ein großes Thema in der Altstadt. Allerdings ist der traurige Rekord von vor einigen Jahren, als in der Hauptstraße, Drachenfelsstraße und Bahnhofstraße 36 Immobilien leer standen auf zurzeit 22 gefallen. „Das ist ein langer Weg der kleinen Schritte“, sagt Pätz. Auch im ehemaligen Hotel Wenzel wohnen keine Touristen oder Geschäftsreisende mehr, sondern Studenten. Der neue Eigentümer, die Bonner Projekt 2508 Gruppe, die das unter Denkmalschutz stehende Gebäude aufwendig saniert hat, richtet hier zwei Wohngemeinschaften mit jeweils fünf Zimmern sowie zwei Einzelzimmern ein.

„Eigentümer, die Geld und Herzblut investieren, sind ein Glücksfall für uns“, sagt Pätz. Das trifft nicht nur auf das ehemalige Hotel, sondern auch auf das gegenüberliegende Kontor & Kaffeehaus zu, das ebenfalls von den Bonner Unternehmern saniert und liebevoll eingerichtet wurde. Das nächste Projekt, eine Weinstube an der Drachenfelsstraße 12, ist bereits in Arbeit. Direkt daneben, wo sich früher Ernas Weihnachtslädchen befand, serviert Sascha Steinhöfel in seiner kleinen Patisserie seit Mitte Juli feinstes Naschwerk.

Aber es gibt eben auch die Gebäude in der Altstadt, wo man lieber nicht hinguckt, allen voran natürlich das Café Europa und das angrenzende Haus mit gleichem Eigentümer an der Drachenfelsstraße oder das Gebäude Hauptstraße 420, wo vor Jahren das Keltische Institut beheimatet war. Auch die vielen Second-Hand-Läden sind sicher nicht das, was unter hochwertigem Sortiment zu verstehen ist. Dass aber auch das geht, zeigen die Haushaltswaren im „Golden Phoenix“ eines chinesischen Geschäftsmannes, der inzwischen drei Ladenlokale, unter anderem das des Juweliers Schimanietz, übernommen hat.

Für den ehemaligen Schlecker-Markt, der seit rund vier Jahren leer steht, sucht die Stadt noch einen Käufer. Der Stadtrat hat hier gewisse Preisvorstellungen. Beim Königswinterer Hof, der ebenfalls der Stadt gehörte, ist mit einem Bauunternehmer ein solcher Käufer gefunden worden. Im Obergeschoss entstehen Wohnungen, unten zwei Ladenlokale. Der ehemalige Theatersaal soll wieder für Veranstaltungen genutzt werden.

Oft stellt die geringe Größe der Läden ein Hindernis für Interessenten dar. Dort, wo früher Plus und NKD waren, dürfte das bei einer Verkaufsfläche von rund 300 Quadratmetern nicht so sein. Dennoch fand sich nur die gemeinnützige Organisation „Bedarfshilfe“ als Mieter, die Gebrauchsmöbel verkauft. Vielleicht liegt das aber auch an der abnehmenden Attraktivität der nördlichen Fußgängerzone. „Ab hier wird's schwierig“, sagt Andreas Pätz. Seiner guten Laune tut das aber keinen Abbruch.