OGS im Siebengebirge

Königswinter muss laufend neue Plätze schaffen

Heike Jüngling begrüßt die Trägervielfalt in der Stadt.

Heike Jüngling begrüßt die Trägervielfalt in der Stadt.

Königswinter. Die Nachfrage nach der Betreuung in Offenen Ganztagsschulen (OGS) wächst, Jahr für Jahr werden Einrichtungen erweitert. GA-Redakteur Hansjürgen Melzer sprach mit Sozialdezernentin Heike Jüngling über das Thema.

Wie viele Kinder besuchen mittlerweile in Königswinter eine OGS und wie groß ist der Anteil an der Gesamtschülerzahl in den Grundschulen?

Heike Jüngling: Es wurden im Schuljahr 2018/2019 für insgesamt 823 OGS-Kinder Landesmittel beantragt. Davon 29 Kinder mit Förderbedarf. Das sind rund 57 Prozent der Gesamtschülerzahl in den Grundschulen von 1448 Schülern zum Stichtag 15. Oktober 2018.

Wie verteilen sich die OGS-Kinder auf die verschiedenen Grundschulstandorte?

Jüngling: Zurzeit besuchen in Königswinter 80 Kinder eine OGS, in Niederdollendorf sind es 105, in Oberdollendorf 103, in Heisterbacherrott 155, in Stieldorf 124, in Oberpleis 151, in Eudenbach 35 und in Ittenbach 70 Kinder. In der Förderschule in Niederdollendorf sind es etwa 30. Das ist aber keine exakte Angabe, weil die Verbundschule formal in der Trägerschaft der Stadt Bornheim ist. Daneben existieren an den meisten Standorten noch Kurzzeitangebote wie die Betreuende Grundschule.

Welche OGS in Königswinter sind in den vergangenen Jahren erweitert worden?

Jüngling: Im Prinzip fast alle. In den letzten drei Jahren wurden die OGS in Oberdollendorf, Oberpleis, Stieldorf, Heisterbacherrott und Königswinter jeweils um eine Gruppe erweitert.

In diesem Jahr sind erneut Erweiterungen geplant. Wie ist da der aktuelle Stand?

Jüngling: In Oberpleis wird die OGS in diesem Jahr im Bestand um eine Gruppe, das sind 25 Plätze, erweitert. Die Arbeiten erfolgen in den Sommerferien. In Niederdollendorf wird ebenfalls eine weitere Gruppe eingerichtet. Dazu wird der bestehende eingeschossige Container abgebaut und durch einen doppelstöckigen Container ersetzt. Damit diese größere Baumaßnahme bis zum Ende der Sommerferien abgeschlossen werden kann, hat die Schulleitung angeboten, den Bestandscontainer bereits drei Wochen vor den Sommerferien zu räumen.

Wie wird dann die Betreuung sichergestellt?

Jüngling: Sie findet für diese Zeit übergangsweise in den Schulräumen statt. Der in Niederdollendorf abgebaute Container wird in den Sommerferien in Eudenbach zur Unterbringung einer weiteren Gruppe aufgebaut. Vorbereitende Rodungsarbeiten haben dort bereits stattgefunden. Die Einrichtung für alle neuen Gruppen wurde bereits überwiegend bestellt.

Es gibt in der Stadt eine große Vielfalt an Trägern wie den Verein „Lernen Fördern“, das CJD, den TuS Oberpleis und andere. Welche Erfahrungen macht die Stadt mit diesen unterschiedlichen Trägern?

Jüngling: Das stellt Chance und Aufwand zugleich dar. Aus Sicht des Schulträgers wird der höhere Aufwand für die Steuerung des Angebotes allerdings deutlich aufgewogen durch die Vielfalt der Träger, die alle unterschiedliche Ansätze und gute Ideen verfolgen. Die Nähe von Fördervereinen oder Ortsvereinen zur Schule ist ein Garant für individuelle Lösungen für die Betreuung von Schülern. An jedem Standort wurden und werden gemeinsame Lösungen für die Betreuung und auch für die An- und Umbauten gesucht und gefunden.

Welche Planungen gibt es für Erweiterungen in den kommenden Jahren – zum Beispiel in Stieldorf?

Jüngling: Unter der Annahme, dass auch in den kommenden Jahren die Nachfrage nach Betreuung zunehmen wird, dürften Erweiterungen der bestehenden Offenen Ganztagsschulen auch in den Folgejahren auf der Aufgabenliste bleiben. Dabei ist an den meisten Standorten die knappe Grundstücksfläche die größte Herausforderung. Eine OGS-Betreuung kann nicht ohne Weiteres räumlich vom Schulbetrieb getrennt werden. Damit entsteht neben dem zusätzlichen Flächen- und Gebäudeverbrauch vor allem ein logistisches und organisatorisches Betreuungsproblem, das durch die knappen Personalressourcen der OGS schwer zu bewältigen ist. Im Fokus stehen dabei an den meisten Standorten Flächen für die Vorbereitung und Einnahme von Mittagessen und gegebenenfalls Ruheräume. Für Hausaufgabenbetreuung und Spielzeiten können in der Regel Klassenräume in Parallelnutzung in Anspruch genommen werden. Stieldorf ist ein gutes Beispiel für dieses Problem. Dort dürfte die Flächenfrage für eine Erweiterung schwierig zu lösen sein. Dennoch versuchen wir, Lösungen zu finden, denn die Nachfrage steigt kontinuierlich.

Was sagen Sie zum bestehenden Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung?

Jüngling: Obwohl der Koalitionsvertrag aus 2017 vom Ziel eines Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung spricht, gibt es hierzu noch keine Regelung. Die OGS ist rechtlich ein freiwilliges Angebot der Kommunen, und ich bin froh, dass die Politik hier mit der Verwaltung an einem Strang zieht und alle Ausgaben und Ausbauten stützt. Dennoch besteht seitens des Gesetzgebers Regelungsbedarf.