Ins Hennefer Exil

Bockerother Damenkomitee fehlt eigener Veranstaltungsort

Der Name ist Programm: Es klingt fast wie ein Schlachtruf, wenn das Damenkomitee „Mir senn do“ das neue Domizil in Hennef-Rott in Beschlag nimmt. Zurzeit wird dort für die Weibersitzung geprobt.

Der Name ist Programm: Es klingt fast wie ein Schlachtruf, wenn das Damenkomitee „Mir senn do“ das neue Domizil in Hennef-Rott in Beschlag nimmt. Zurzeit wird dort für die Weibersitzung geprobt.

BOCKEROTH. Da den Jecken in der Königswinterer Bergregion ein eigener Veranstaltungsort fehlt, bereitet sich das Bockerother Damenkomitee im Hennefer Exil auf die Weibersitzung vor. Der Kartenverkauf beginnt an diesem Samstag.

„Eins, zwei, drei, vier, nach vorne, dann umdrehen und Popöchen zeigen.“ Klingt ganz einfach – ist es aber nicht. Den zehn Tänzerinnen auf der Bühne jedenfalls schwirrt angesichts des munteren Wechsels von Kreuz- und Wechselschritten, Drehungen, Sprüngen und Posen bereits gehörig der Kopf. Viel Zeit bleibt den jecken Weibern des Damenkomitees „Mir senn do“ aus Bockeroth nicht mehr bis zum Karnevalssamstag. Und bis dahin soll der Abschlusstanz – das Highlight der Weibersitzung – wie aus dem Effeff sitzen.

Zum 70-jährigen Bestehen ihres Komitees haben sich die Bockerotherinnen etwas Besonderes einfallen lassen. „Wir machen fast Musical“, verrät Präsidentin Helga Frank stolz. „Wir singen, tanzen und sehen dabei natürlich auch noch gut aus.“ An Selbstbewusstsein mangelt es Meike, Helga, Monika, Katja, Vanessa, Steffi, Karin, Dora, Tatjana und Mo nicht.

Beste Stimmung bei den Proben

Bei den Proben im neuen „Bockerother Gürzenich“, dem „Alten Gasthaus“ in Hennef-Rott, ist die Stimmung demnach bestens. Längst fühlen sich die jecken Wiever auch im Exil wie zu Hause. „Wir konnten es nicht besser antreffen“, betont Frank. Vergessen sind die Wochen und Monate, in denen man nicht wusste, wie – oder besser gesagt wo – es weitergehen sollte. Die Schließung des Bockerother Saals „Op de Hüh“, in dem jahrzehntelang Fastelovend gefeiert worden war, hatte das Damenkomitee in eine echte Krise gestürzt. Aus dieser ist es jedoch gestärkt hervorgegangen.

Zwar haben sieben Mitglieder aufgehört, aber es sind auch fünf neue hinzu gekommen. Verjüngt hat sich das Komitee dabei obendrein. Und man ist stolz, mit Neuzugang Meike erstmals eine amtierende Prinzessin in den eigenen Reihen zu haben. „Sonst sind die Tollitäten immer erst im Nachhinein dazugestoßen“, so Frank. Von Krise also keine Spur mehr: „Wir fühlen uns gut.“ Nicht mehr „Op de Hüh“, aber trotzdem „on the top“. Was wünscht man sich mehr?

Vorbereitungen laufen auf Hochtouren

Ein Wunsch ist natürlich, dass die Weibersitzung wieder ein Renner wird. Bislang war es immer so gewesen, dass am Tag des Vorverkaufs die ersten bereits gegen Mitternacht Stellung bezogen, um nur ja Karten zu ergattern. Wenn es dann Punkt 11.11 Uhr losging, waren die Tickets in null Komma nichts ausverkauft. „Wir hoffen, dass das so bleibt“, so Frank.

Seit Monaten laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren: Zweimal pro Woche wird geprobt, bei Bedarf auch öfter – mal in Hennef-Rott, mal im heimischen Wohnzimmer und sogar schon im Stall. „Da sind wir flexibel“, sagt Mo Willcke schmunzelnd. Platz ist in der kleinsten Hütte, „und Sekt schmeckt überall“. Umso spritziger wird dann der Tanz.

Abends surrt die Nähmaschine

Für die Weiberfastnachtssitzung gilt: Selbst ist die Frau. Egal ob Tanz, Büttenrede oder Zwiegespräch, alles wird gemeinschaftlich in Eigenregie choreografiert und ausgetüftelt. Wobei jeder natürlich sein Steckenpferd hat: Mo zeichnet zum Beispiel federführend für die Tänze verantwortlich, Martina ist die Fachfrau für alles, was gebastelt werden muss, von der Sketch-Requisite bis zum raffinierten Kopfputz. Dora wiederum ist die Nähspezialistin. Seit Wochen surrt bei ihr zu Hause abends die Nähmaschine, damit die Kostüme für den Abschlusstanz rechtzeitig fertig werden.

„Schick und peppig“ werden sich die jecken Damen dann auf der Bühne präsentieren, „und der Milchbock ist auch mit dabei“. Mehr soll nicht verraten werden. Die Texte für Reden und Sketche entspringen natürlich auch überwiegend der eigenen Feder. Dabei darf das Lokalkolorit nicht fehlen: „Der ein oder andere wird sich sicherlich wiedererkennen“, verrät Frank augenzwinkernd.