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Kriegsende im Siebengebirge: 5400 Soldaten finden Ruhestätte auf dem Friedhof in Ittenbach

Kriegsende im Siebengebirge : 5400 Soldaten finden Ruhestätte auf dem Friedhof in Ittenbach

In den letzten Kriegstagen fanden 5.400 Gefallene eine vorläufige Ruhestätte auf dem heutigen Soldatenfriedhof in Ittenbach. In den 1960er Jahren besuchten sonntags bis zu 4000 Menschen den Friedhof.

Auf einem Acker in der Nähe des Laagshofes begruben am 26. März 1945 Amerikaner einen gefallenen deutschen Soldaten. In den Wochen danach reihte sich hier am Waldrand Grab an Grab. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite wurden die amerikanischen Soldaten bestattet.

5.400 Opfer der blutigen Schlussphase wurden auf diesem Feld zunächst eingebettet: 1.484 Deutsche, 3.600 Amerikaner und mehr als 300 Angehörige anderer Nationalitäten. Heute ruhen auf der Ittenbacher Kriegsgräberstätte 1.871 Tote des Zweiten Weltkriegs – 626 Deutsche, 224 Sowjetbürger, zwölf Polen, vier Niederländer, zwei Belgier, zwei Franzosen und ein Italiener. Der Volksmund bezeichnete die Anlage schnell als „Kinderfriedhof“: Weit mehr als die Hälfte der Gefallenen hatte das 18. Lebensjahr noch nicht erreicht, der jüngste war erst 15.

Sonntags kamen bis zu 4000 Menschen

Noch in den 1960er Jahren zählte die Anlage zu den meistbesuchten Soldatenfriedhöfen, sonntags kamen oft bis zu 4.000 Menschen von auswärts. Berührende Szenen spielten sich hier ab. Mütter fanden das Grab ihrer Söhne. Oder: Eine aus der Ostzone stammende Frau durfte 1967 mit einer Sondergenehmigung zur Ruhestätte ihres bis dahin vermissten Mannes reisen.

Foto: Frank Homann

Heute findet hier alljährlich zum Volkstrauertag die Gedenkfeier des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge statt. Zu anderen Zeiten ist es eher still. Wer an den endlos scheinenden Reihen mit Kreuzen entlang geht, kann den Sinn der Worte Albert Schweitzers nachvollziehen: „Soldatengräber sind die großen Prediger des Friedens.“

Kurz vor Kriegsende vor 75 Jahren herrschte auf dem Gelände Hochbetrieb. Hier wurde die bittere Ernte dieses Krieges eingefahren. Nicht nur Gefallene der Kämpfe aus dem Siebengebirgsraum wurden hier eingebettet. Mit Lastwagen brachten die Amerikaner Tote aus dem Siegburger Raum, später aus dem Sauerland, aus dem Ruhrkessel, aus der Warburger Börde und sogar noch aus Belgien und von der Schlacht im Hürtgenwald.

Konfrontiert wurde damit auch die Bevölkerung. Die amerikanische Militärregierung ordnete in Königswinter an, dass sich alle arbeitsfähigen Männer auf dem Marktplatz einzufinden hätten. Von dort wurden sie nach Ittenbach gebracht, um Gräber auszuheben. Und 100 Dorfbewohner von Ittenbach hatten sich mit Schaufeln an der Pfarrkirche einzufinden.

Georg Löbach war damals 15 Jahre alt. Er hinterließ einst seine Erinnerungen: „Amerikanische Soldaten führten uns zu dem Acker. Bei dem felsigen Untergrund schafften wir nur ein Grab pro Tag.“ Er gehörte zu den zehn Jüngsten der Kolonne. „Wir wurden zu einer benachbarten Obstwiese geschickt. Hier trafen täglich Lastwagen mit Gefallenen ein. GIs des Gräberdienstes leerten die Uniformtaschen der Soldaten.

Umbettung der amerikanischen Soldaten

Wertgegenstände, persönliche Sachen und Erkennungsmarken kamen in einen weißen Beutel vom Internationalen Roten Kreuz. Danach wurden die Toten mit gekennzeichneten Leinensäcken umhüllt und auf Jeeps zu den ausgehobenen Gräbern gefahren.“ Im Juli 1945 erfolgte die Umbettung der etwa 3600 amerikanischen Gefallenen. Auch dazu gibt es die Erinnerungen von Zeitzeugen.

So fasste einst Hans Ulrich Prange für den Heimatverein Oberdollendorf seinen Einsatz zusammen. Der damals 16-Jährige wurde in die „Strip-Kolonne“ eingeteilt. „Einer musste in die Grube steigen, dem freigelegten Toten ein Seil um die Füße legen, die anderen zogen ihn heraus. Wir trugen die Leichen dann zu einer Zentralstelle, wo wir die Erkennungsmarken kontrollierten. Dann wurden die Toten in einen Leichensack gesteckt.“

Täglich brachten Lastwagen die Gefallenen über die Hodges Bridge zum Friedhof Margraten in den Niederlanden. Nur eine Zwischenstation, bevor sie später per Schiff in die Heimat überführt wurden. Von diesem großen Totentransport allerdings fehlt jede Spur.

Nur spärlich waren die Unterlagen über die Personalien der übrigen Gefallenen. An Lattenkreuze hatten die Amerikaner, soweit vorhanden, nur die Erkennungsmarken genagelt. Bürgermeister, Pfarrer, die Schwestern vom armen Kinde Jesu in Ittenbach mit Schwester Maria Gonzaga und Lehrerin Magdalena Krämer halfen dem Volksbund damals bei der Identifizierung von mehr als 1200 Toten und auch Angehörigen bei der Suche nach ihren Lieben.

Schüler sammelten für den Ausbau des Friedhofs

Pfarrer Heinrich Hambüchen rief die Männer im Jahr 1946 von der Kanzel herab dazu auf, den verwilderten Totenacker umzugraben. Frauen der Gemeinde und die Schuljugend schmückten Allerheiligen 1946 jedes Grab. Schüler aus Velbert sammelten insgesamt 10.000 Reichsmark für den Ausbau des Friedhofs.

Nach der Währungsreform im Jahr 1948 entstand eine schlichte Ruhestätte mit Hochkreuzgruppe und Ehrenplatte samt Mahnung: „Unser Opfer ist Eure Verpflichtung: Frieden“. 1951 fand die Einweihung statt. Ein endgültiger Ausbau wurde ein Jahrzehnt später vorgenommen. Dabei wurden erneut Gräber geöffnet, weitere 300 bis dahin Unbekannte erhielten ihren Namen zurück.

Die Eichenkreuze wichen Grabkreuzen aus Stein. Und die drei neuen Hochkreuze aus Grauwacke auf dem Ehrenplatz, das mittlere ist allein neun Tonnen schwer, weisen weit ins Land. Ob der 17-jährige Infanterist Willi Ißleib aus Wolfsburg, der am 26. März 1945 fiel, der erste hier bestattete Soldat ist? Vielleicht. Erst kürzlich wurde wohl von Angehörigen an seinem Kreuz ein Foto angebracht. Die Toten sind nicht vergessen.