Prozess beginnt: 50-Jähriger setzte Freundin in Königswinter in Brand

Prozess beginnt : 50-Jähriger setzte Freundin in Königswinter in Brand

Laut Anklage vergoß der Mann im gemeinsamen Caravan aus Wut Benzin und zündete es an, seine Lebensgefährtin erlitt schwerste Verbrennungen. Am ersten Prozesstag vor dem Bonner Landgericht beteuert er: Ich wollte ihr nur Angst machen.

Als der Angeklagte in Handschellen in den Saal gebracht wird, beobachten ihn eine junge Frau und ein junger Mann im Zuschauerraum ganz genau. Die beiden sind die Kinder der Frau, die der 50-Jährige in der Nacht zum 25. September 2018 im Wohnwagen auf einem Campingplatz in Königswinter in Brand setzte.

Die 50-Jährige erlitt schwerste Verbrennungen an 36 Prozent ihrer Haut – an Hals, Armen, Beinen und Füßen. Die Anklage wirft dem Mann, der seitdem in U-Haft sitzt, gefährliche Brandstiftung und schwere Körperverletzung vor.

Den anfänglichen Verdacht eines versuchten Tötungsdelikts sah die Staatsanwaltschaft nicht bestätigt, weil es der Angeklagte selbst war, der seine brennende Freundin aus dem Caravan zog und löschte.

Das Paar hatte einen heftigen Streit

Den Ermittlungen zufolge hatte das Paar, das seit März 2018 in einem gemeinsamen Wohnwagen lebte, in jener Nacht mal wieder einen heftigen Streit. Als der Angeklagte stark angetrunken erst gegen 23 Uhr in den Wagen kam, warf sie ihm erneut vor, zu viel Zeit mit einem Nachbarn auf dem Campingplatz zu verbringen, und fragte ihn laut Anklage, ob er mit ihm eine Beziehung habe.

Sie erklärte, so die Anklage, sie habe es satt und werde ihn verlassen und zurück in ihre ostfriesische Heimat ziehen. Daraufhin soll der Angeklagte wütend geworden sein und erklärt haben, dann könne er ja alles niederbrennen. Er forderte sie laut Anklage auf, endlich zu verschwinden und in ihren eigenen Wohnwagen zu gehen.

Als sie trotz mehrmaliger Aufforderung mit dem gemeinsamen Hund auf dem Schoss sitzenblieb, entriss er ihr das Tier, brachte es hinaus ins Auto und kam mit einem Kanister Benzin zurück. Den stellte er auf den Tisch, drohte wieder, alles in Brand zu stecken, und verschüttete schließlich Benzin, auch in der Nähe des Tisches, an dem seine Freundin saß.

Da dort eine Kerze stand, schoss eine Stichflamme hoch. Die Frau stand in Flammen, er packte sie und zerrte sie nach draußen. Das alles gibt er nun vor der 1. Großen Bonner Strafkammer zu und beteuert jedoch: „Ich wollte sie auf keinen Fall in Brand setzen. Ich wollte nur Druck machen, ihr drohen, damit sie endlich geht.“

Der Angeklagte hat ein langes Strafregister

Es tue ihm sehr leid, was er ihr angetan habe. Dabei sei die Beziehung mit ihr eigentlich „traumhaft“ gewesen, sagt der Angeklagte, der vier Kinder mit zwei Frauen hat. Wie sich bei der Verlesung seiner Vorstrafen herausstellt, neigte er schon in seiner Jugend zu Aggressivität.

Aus Wut über einen anderen Jungen misshandelte er diesen zusammen mit seinem Bruder – auch sexuell. 36 Eintragungen weist sein Strafregisterauszug auf, neben zahlreichen Verurteilungen wegen Fahrens ohne Führerschein, den er schon früh verlor, wurde er auch wegen Gewaltdelikten bestraft und saß bereits im Gefängnis.

Die Kinder seines Opfers können kaum glauben, was sie über seine Vergangenheit erfahren, erklären sie am Rande des Prozesses. Zu ihnen sei er immer sehr nett gewesen, nie und nimmer hätten sie ihm zugetraut, dass er ihrer Mutter so etwas antun würde. Die 50-Jährige soll demnächst in dem Prozess in den Zeugenstand treten.

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