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Unterhalt per Crowdfunding finanziert: 22-jährige Studentin aus Königswinter hat einen Ochsen zum Kuscheln

Unterhalt per Crowdfunding finanziert : 22-jährige Studentin aus Königswinter hat einen Ochsen zum Kuscheln

Vor fünf Jahren hat Liesa Reese ihr Herz für Mo entdeckt. Heute steht das Rindviech auf einer Weide in Berghausen. Den Unterhalt finanziert die 22-jährige Studentin mit Spenden.

Als sie 18 war, verliebte sie sich. Nicht in einen Jungen – ein Kalb gewann damals ihr Herz. Liesa Reese half nach der Schule auf einem Bauernhof bei Bergisch-Gladbach. Als Mo geboren wurde, war für sie gleich klar, dass der kleine Bulle nicht als Steak auf einem Teller landen sollte.

Sie beschloss, ihn zu retten. „Also hab ich ihn gekauft“, erzählt die heute 22-jährige Studentin. Seinen Unterhalt musste Mo sich fürs erste selbst verdienen. Die monatlichen Kosten für Unterkunft und Futter konnte sie nicht bezahlen. Deshalb setzte der Bauer, bei dem er untergebracht war, Mo als Zuchtbullen ein.

Aus dem Zuchtbullen wurde ein Ochse

Das endete, als Liesa Reese zum Studium nach Bonn kam. Natürlich sollte Mo mit ihr umziehen. In Berghausen fand sie einen Landwirt, der bereit war, Mo aufzunehmen. Seine Bedingung dafür war aber, dass aus dem Bullen ein Ochse wird. „Es war dann gar nicht so einfach, einen Tierarzt zu finden, der bereit war, einen so großen Bullen zu kastrieren“, erinnert sich Reese. Aber schließlich gelang es ihr.

Auch sie selbst ist heute Königswintererin. „Ich wollte einfach näher dran sein, um Zeit mit Mo zu verbringen. Wir kuscheln oder üben Tricks“, sagt sie. Zu ihrem Freizeitprogramm mit dem Ochsen gehören aber auch ausgiebiges Putzen und kleine Trainingseinheiten.

Inzwischen liegt Reese allerdings nicht nur Mo am Herzen, der sie nun seit fünf Jahren begleitet, sondern auch sein Nachwuchs. Die 22-Jährige will seine Tochter vor einer Zukunft als Milchkuh retten. Schnell war ihr allerdings klar, dass sie das nicht allein finanzieren kann. Unterstützung suchte die 22-Jährige auf der Online-Spendenplattform „GoFundMe“.

Gleichgesinnte in den sozialen Netzwerken

Den Kaufpreis für Mos Tochter hat sie inzwischen zusammen, vor allem allerdings mit Hilfe von privaten Spenden, die sie erhalten hat. Auf der Plattform wirbt sie weiter um finanzielle Unterstützung für die laufenden Kosten – rund 200 Euro rechnet sie pro Monat für Stallmiete und Futter. Auch auf Instagram und Facebook hat sie versucht, Unterstützer für ihr Projekt zu finden. Das ist ihr zwar nicht gelungen, dafür aber stieß sie in den sozialen Netzwerken auf Gleichgesinnte und neue Freunde. Mo ist gerade wieder umgezogen – in einen Stall mit einer Weide in Orscheid bei Aegidienberg. „Da kann ich alles einfach so machen, wie ich will“, nennt sie als Grund.

Vor allem könne sie dorthin auch Freunde mitnehmen, wann sie wolle, betont sie. Und während ihre Freunde zu Schulzeiten mit ihrer Tierliebe wenig anfangen konnten und sie lieber nicht im Stall bei Mo besuchen wollten, hat sie inzwischen Freunde, die sie unterstützen und ihre Tierliebe teilen. In den Stall wird auch Mos Tochter einziehen – die seit Neuestem den Namen Melissa hat. „Der Name sollte auf jeden Fall auch mit M anfangen“, sagt Reese. Am liebsten würde sie auch noch die Kuh Lunea, „Mos beste Freundin“, wie Reese sagt, zu sich nehmen. „Aber das schaffe ich finanziell nicht“.

Die 22-Jährige studiert in Bonn Ernährungswissenschaften und schreibt gerade ihre Bachelor-Arbeit. Anschließend will die Vegetarierin als Ernährungsberaterin arbeiten. Ihr Zukunftstraum ist jedoch ein Erlebnishof, auf dem sie Kindern und Erwachsenen zeigen möchte, wie das Leben auf einem Hof ist. Dort will sie auch Kuhkuscheln anbieten, „aber nicht mit Mo, der mag keine Fremden“, sagt sie.

Mehr im Internet unter www.gofundme.com/f/helft-die-tochter-meines-ochsen-zu-retten oder auf Instagram unter „Schmusebulle“