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Gastronomen und Hoteliers im Siebengebirge hoffen auf baldigen Neustart

Soforthilfen lassen auf sich warten : Gastronomen im Siebengebirge hoffen auf baldigen Neustart

Gastronomiebetriebe im Siebengebirge hoffen auf einen baldigen Neustart. Außer-Haus-Verkauf und Schichtbetrieb sind Notlösungen.

Verwaiste Biergärten, Gaststätten ohne Gäste, leerstehende Hotelzimmer – den heimischen Gastwirten geht langsam, aber sicher die Puste aus. Vielen haben seit dem Lockdown am 23. März keinerlei Umsatz mehr. Zur Angst um die eigene wirtschaftliche Existenz kommen die Sorgen um die Mitarbeiter. Die quälende Ungewissheit, wann und wie es im Gastgewerbe weitergeht, wird für Gastronomen wie Soledad Sichert vom „Alten Zoll“ in Oberpleis mehr und mehr zur psychischen Belastung: „Das ist ein langsamer Tod, den wir sterben.“ Sichert ist überzeugt: „Wenn das so weitergeht, werden 80 Prozent der Betriebe nicht überleben.“ Ihr Wunsch an die politischen Entscheidungsträger: „Eine ehrliche, langfristige Prognose.“

Mitte 2019 hat die gebürtige Argentinerin die Traditionsgaststätte in Oberpleis übernommen. Nun stellt sie sich Tag und Nacht die Frage, ob persönliche Kraft und finanzielle Mittel ausreichen, um die Krise zu überwinden. Bereits im März habe sie Soforthilfe beantragt, die Zusage auch sofort bekommen. Auf ihrem Konto ist das Geld bis heute nicht. Die beiden fest angestellten Mitarbeiter sind in Kurzarbeit, für die Aushilfen zahlt Sichert komplett aus eigener Tasche weiter. „Wir sind doch wie eine kleine Familie.“

Schichtbetrieb als Option

Selbst wenn sie wieder öffnen dürfte, befürchtet Sichert, dass sich für sie der Betrieb unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten kaum lohnen wird. Der Gastraum in dem alten Fachwerkhaus ist klein, „wir dürften dann vielleicht nur zehn Leute hier reinlassen“. Daher denkt sie bereits über einen Schichtbetrieb nach. Ein Liefer- oder Außer-Haus-Service ist für sie keine Option – nicht nur, weil sich das nicht wirklich rechne: „Essengehen ist ja mehr als nur Nahrungsaufnahme – und dieses ‚mehr‘ können wir nun mal nicht verpacken.“

Carsten Schmitz hatte bis Anfang März ein gut gehendes Hotel. „Jetzt habe ich 33 Zimmer, aber keine Gäste mehr“, berichtet der Rhöndorfer, der mit seiner Frau Inga das Hotel Weinhaus Hoff in Rhöndorf betreibt. Zwar darf er noch an Geschäftsreisende Zimmer vermieten, „aber es kommt keiner“. Für die Gastronomen und Hoteliers seien die Umsatzeinbußen besonders gravierend, „da viele mit leeren Konten in die Corona-Krise geschlittert sind“. Die Gewinnspanne in der Gastronomie sei so niedrig, dass kaum längerfristige Rücklagen gebildet werden können.

Soforthilfe ist Tropfen auf dem heißen Stein

„Die Rücklagen, die wir im Sommer erwirtschaften, benötigen wir für den Winter.“ Insbesondere für kleinere Betriebe ist es ein stetiger Kampf ums Überleben. Die ausgezahlte Soforthilfe sei da ein Tropfen auf den heißen Stein, „das ist eigentlich nur ein Verschleppen von Insolvenzen“. Kredite hält er für keine Lösung, da sie zurückgezahlt werden müssen: „Wir brauchen jetzt Fördermittel.“ Natürlich wünscht sich Schmitz, schnell wieder öffnen zu können – „Was Hygienevorschriften angeht, haben wir Gastronomen ja viel mehr Erfahrung als Einzelhändler.“ –, aber nicht um jeden Preis: „Noch werden wir es vielleicht schaffen. Aber einen zweiten Infektionsschub und einen zweiten Lockdown würden wir garantiert nicht überleben.“

Auch bei Gastronom Hans Hatterscheid sind die Sorgen riesig. Der Bad Honnefer, der auch neuer Pächter des Inselcafés auf Grafenwerth ist, betreibt drei Biergärten, die nach der Winterpause gar nicht erst wieder öffnen konnten. Der Saisonstart war für Anfang April geplant, das Wetter wäre perfekt gewesen – wann es jetzt losgehen kann auf Grafenwerth, im Biergarten Rheinair in Rheinbreitbach oder im Restaurant Anleger 640 an der Bad Honnefer Fähre steht in den Sternen. Hatterscheid hat zwölf Festangestellte, aktuell in Kurzarbeit, dazu etliche Aushilfen, „die jetzt gar nichts mehr haben“.

Soforthilfe nur für einen Biergarten

Für alle drei Biergärten hat er Soforthilfe beantragt, bewilligt wurde sie nur für einen. „Ich bin mir im Klaren, dass in den nächsten ein bis zwei Jahren nichts mehr so sein wird, wie es war. Und dass wir auf unbestimmte Zeit nicht mehr die Umsätze erzielen werden, die wir mal hatten.“ Dennoch hat er die Hoffnung nicht aufgegeben, weitermachen zu können: „Wir haben ja viel Platz draußen. Die Abstandsregeln einzuhalten, wäre kein Problem, wenn man die Tische richtig aufteilt.“ Er hält auch eine Art „To-Go-Service“ für sinnvoll – bei dem sich die Gäste Speisen und Getränke selber abholen, diese dann aber vor Ort verzehren dürfen, „und nicht erst mit 50 Metern Abstand“.

Auch Daniel Grewe, Inhaber des Einkehrhauses „Waidmannsruh“ im Siebengebirge, bedrückt der Anblick seiner leeren Terrasse: „Es war so tolles Wetter draußen, aber wir mussten die Tische und Stühle rein- statt rausstellen.“ Immerhin kann er für Wanderer einen Außer-Haus-Service anbieten: Am Fenster gibt es Kleinigkeiten „to go“. Das macht die Umsatzeinbußen zwar nicht wett, „aber die Leute freuen sich, dass sie überhaupt etwas kaufen können“. Die Solidarität sei groß: „Wir sitzen ja alle in einem Boot.“

Den Verkauf stemmt Grewe gemeinsam mit seiner Frau und einer Auszubildenden, vier weitere Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. Er versuche, das Beste aus der Situation zu machen: „Wir nutzen die Zeit zum Renovieren. Wir scharren alle mit den Hufen. Mitte oder spätestens Ende Mai wieder öffnen zu können, das wäre ein Traum.“ Sorgen um Erfüllung der Auflagen macht er sich nicht: „Wir können uns auf alles einstellen und haben auch schon Masken bestellt – mit unserem Einkehrhaus-Logo drauf.“