„Wir werden viel Spaß an diesen Weinen haben“: Winzer aus dem Siebengebirge ziehen positive Bilanz

„Wir werden viel Spaß an diesen Weinen haben“ : Winzer aus dem Siebengebirge ziehen positive Bilanz

Die Winzer im Siebengebirge haben 2019 mitunter zwar deutlich weniger geerntet als im Vorjahr, die Trauben haben dafür aber eine hohe Qualität.

"Wir werden viel Spaß an diesen Weinen haben." Winzer Bobbi Pieper ist zufrieden mit dem Jahrgang 2019. Freunde eines guten Tropfens aus Siebengebirgslagen können sich wohl freuen. Trotz aller widrigen Umstände wie Hitze und Trockenheit: Die Winzer ziehen eine weitestgehend positive Bilanz. Zwar sind die Erntemengen geringer als beim Superjahrgang 2018. Aber was in den Kellern lagert, ist von guter Qualität.

Aufgrund des Wetters zog sich die Lese in die Länge. Es ging darum, "noch das Letzte aus dem herauszukitzeln, was das Wetter hergibt", so Pieper. Kühle Nächte, die eine oder andere Sonnenstunde, zuletzt wieder Regen - all das habe "auf den letzten Metern" noch Einfluss auf die Qualität. Ziel ist ein harmonisches Verhältnis zwischen Süße und Säure - und das scheint in diesem Jahr zu passen.

"Wir sind zufrieden", sagt auch Winzer Josef Blöser aus Oberdollendorf, der den Riesling mit einem idealen Mostgewicht von 85 bis 90 Prozent geerntet hat. "Das waren goldgelbe Trauben, die einen richtig angelacht haben." Er meint sogar, hinsichtlich des Mostgewichts stünden die Trauben denen des Jahrgangs 2018 in nichts nach. Das Mostgewicht ist die Menge des Zuckers, der im Traubensaft gelöst ist. Je mehr Zucker vorhanden ist, desto höher liegt später der Alkoholgehalt des Weins. Weine mit einem Mostgewicht von 83 bis 100 Grad Oechsle dürfen laut Deutschem Weininstitut das Prädikat "Auslese" tragen. Blöser ging während der letzten Lesetage davon aus, dass "wir auch den Spätburgunder und Traminer mit erfreulichen Mostgewichten nach Hause bringen".

Zugesetzt hat den Reben in diesem Sommer neben der Trockenheit vor allem die starke Sonneneinstrahlung: Viele Trauben bekamen Sonnenbrand und sind regelrecht verdörrt. Allerdings glich die Menge das wieder aus. "Wir haben gut hängen gehabt", heißt das im Winzerjargon. Da es im Frühjahr noch genügend Regen gegeben hatte, setzten die Rebstöcke reichlich Früchte an. "Die Sonne hat dann eine Selektion vorgenommen", erläutert Pieper. Sprich: Was zu viel war, ist verbrannt, was übrig blieb, konnte um so besser wachsen und gedeihen. So gesehen hat der Sonnenbrand wohl sogar zur Qualitätssteigerung beigetragen. "Es ist ja selten so, dass eine hohe Quantität auch eine hohe Qualität bedeutet", sagt der Oberdollendorfer Winzer Kay Thiel. Frühburgunder und Mallinger hat er zuerst eingekellert, Spätburgunder und Elbling folgten, dann der Riesling. "Die Qualität ist gut." Was die Einbußen durch das Wetter angeht, hat es regional starke Unterscheide gegeben. "Wir sprechen von einem neidischen Herbst", so Pieper. "Es gibt Stücke, da haben wir 20 Prozent weniger Ertrag, an anderen 40 Prozent weniger, an wieder anderen zehn Prozent mehr."

Winzer Karl-Heinz Broel aus Bad Honnef rechnet mit Einbußen von etwa 30 Prozent: "Der Klimawandel ist eindeutig bei den Winzern angekommen. Das sieht man an den vielen mumifizierten Trauben, die an den Reben hängen." Auch bei ihm ist die Lese abgeschlossen, so Broel am Mittwoch. "Das war ein kurzer, heftiger Herbst." Die "ausgleichenden Effekte" durch durchweg hohe Mostgewichte um die 90 Grad Oechsle seien aber auf der Habenseite zu verbuchen.

Besonders hart getroffen hat es den Unkeler Winzer Oliver Krupp: Gerade einmal die Hälfte des Ertrages eines Durchschnittsjahrgangs hat er eingefahren. "Es waren bei uns fast alle Rebsorten vom Sonnenbrand betroffen", berichtet Krupp. In einigen Bereichen seiner drei Hektar großen Anbaufläche habe er keine einzige Traube ernten können. Kleiner Trost: Qualität, Aroma und Mostgewicht der übrig gebliebenen Trauben stimmen. "Sie sind qualitativ sehr hochwertig", so Krupp. "Es ist also zwar ein kleiner, aber feiner Weinjahrgang", meint der Winzer abschließend.

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